Mit dem Wohnmobil im Bükk Gebirge

Am ersten Januar 1977 wurde das 43200 Hektar große Areal der Bükk Berge zum Nationalpark erklärt. 97% des Parks sind bewaldet und die teils über 900 Meter hohen Berge des Bükk bilden das höchste Gebirge Ungarns.
In dem Bükk Hochplateau, mit einem Durchmesser von immerhin 40 Kilometern, dessen Karstfelsen sich aus einem Grund von Schiefer erheben, sollen sich über 100 Höhlen finden lassen.
Diese Angaben entnehme ich einer Informationstafel welche auf dem Wanderparkplatz aufgestellt ist den ich mir als erstes Basislager aussuchte um den Bükk Nationalpark zu erwandern.
Von Eger aus kommend folgte ich zunächst der B25 nordwärts. Doch nicht lange, bereits nach wenigen Kilometern, in Felnemet, bog ich rechts ab um eine kleine Nebenstrasse zu nutzen welche mich quer durch die Bükk Berger Miskolc entgegenführen sollte.
Die erste Ortschaft, Felsörtakay, ließ ich hinter mir und rund 10km später parkte ich mein Wohnmobil auf dem an einer Kehre der Strasse liegenden Wanderparkplatz.
Den Wohnraum meines Fahrzeugs betrat ich nur um mir eine Wasserflasche in den Rucksack zu schmeißen und dann machte ich mich auf dem geschotterten Fahrweg zu folgen der von meinen Parkplatz in die Tiefen des Nationalparks hineinführt. Schon bald genoss ich eine herrliche Aussicht über die Bükk Berge.

Bild: Der Bükk Nationalpark Ungarn. Panorama

Nach rund 2,5 Stunden oder 7,36 Kilometern erreichte ich wieder meinen Wagen.
Mit einer Tasse Kaffe setzte ich mich auf die Stufen meiner Treppe und lauschte den Klängen der Natur. Vogelgezwitscher, Grillenzirpen, aufheulende Motorradmotoren. Die 50km lange, serpentinenreiche Nebenstrasse durch den Bükk Nationalpark - die Eger und Miskolc miteinander verbindet - scheint eine beliebte Strecke für Motorradfahrer zu sein die ihrem Hobby nicht gerade geräuschlos frönen. Als mich eine Gruppe Ducatifahrer ungefragt mit ihrem charakteristischen Ducatirasseln verwöhnte klappte ich die Treppe wieder ein, startete den Motor und fuhr den Weg hinein den ich vor rund drei Stunden entlanggelaufen war. 10 Minuten später parkte ich auf einer Lichtung mitten im Bükk Nationalpark.
Herrlich!
Am nächsten Morgen war ich früh auf den Beinen. Als erstes entfachte ich ein Feuer in meinem selbst gebastelten Hoboofen um mir einen Kaffe zuzubereiten. Echt praktisch das Teil, spart Gas und wenn ich mit meinen Gasvorräten sparsam umgehe, dann bleibt es mir eventuell erspart mich hier in Ungarn damit rumschlagen zu müssen eine Füllstation für meine Flaschen zu finden.
Dann schnürte ich die Wanderstiefel und brach auf.
Ich folgte dem durch ein blaues Kreuz markierten Wanderweg an dessen Rande ich meinen Wohnort gewählt hatte Talwärts und blickte Minuten später auf ein Bergmassiv mit felsigen Steilwänden das ich erreichen wollte.

Bild: Der Bükk Nationalpark Ungarn. Panorama 2

In der Senke des Tales stand ich vor einem Wegweiser mit Wanderschildern. Ich hatte die Auswahl zwischen dem Blaukreuzweg der mich nach 5,5km nach Stimetz-Hatz bzw. in die Andere Richtung nach 2,1km nach Tamas Kutja führen soll. Außerdem gab es einen durch einen blauen Punkt markierten Weg mit den Zielen Hars-Kut Fele und Imo Forrast Fele. Ich hatte keine Ahnung wo einer dieser Orte liegt und deshalb entschied ich mich dafür auf dem durch einen Kreuz markierten Weg zu bleiben und Stimetz-Hatz entgegenzuwandern. Den Fahrweg hatte ich somit hinter mir gelassen und spazierte über einen schmalen Pfad bergan. Es raschelte im Gebüsch. "Scheki Hier!" Ich hielt meinen Hund am Halsband fest und dann sah ich es: ein Reh das mich neugierig betrachtete. Ich schaute neugierig zurück und als ich den Fotoapparat auf das Tier richtetet um ein Bild von ihm zu schießen

Bild: Ein Reh im Bükk Nationalpark Ungarn.

verschwand es fluchtartig im Unterholz. Wahrscheinlich mag es nicht wenn auf es geschossen wird.
Ich ging weiter durch die sonnendurchfluteten Buchenwälder. Dann erreichte ich einen neuen Wanderwegweiser. Hier hatte ich die Möglichkeit einem grünen Strich 11,2km nach Szilvasvarad zu folgen. Doch ich blieb auf meinem Weg der mich aus dem Buchenwald hinaus, und in einen Eichenwald hineinführte.

Bild: Eichenwald im Bükk Nationalpark Ungarn.

Der schmale Pfad verlief verhältnismäßig ebenerdig. Er führte über den Grad einer Bergkette. Leider gab der dichte Baumbestand nicht ein einziges Mal den Blick über die Landschaft frei. Schon wieder erreichte ich Wanderzeichen. Mein Weg führte nun nicht mehr nach Stimetz-Hatz sondern zu dem 7,6km entfernten Tamas Kutja. Außerdem gab es noch einen blauen Strich der einmal nach 4,8km in Felsörtakany endete und einmal ebenfalls nach Tams Kutja führte dafür aber nur 4,6km benötigte.
Ich blieb auf meinem Blaukreuz Weg. Kutja, das heißt Hund und es interessierte mich was ein Tamas Hund ist.
Schon bald führte mich mein Weg talwärts und rund 40 Minuten später erreichte ich eine Lichtung. Hier stand ein kleines Steinhaus, es gab Bänke, Tische, einige angelegte Feuerstellen und eine Handpumpe die trinkbares Grundwasser ans Tageslicht förderte. Den weiteren Verlauf meines Wanderweges suchte ich vergeblich. Nirgends war es zu entdecken, mein blaues Kreuz. Eine dieser hölzernen Wegweiser war von Vandalen zerstört und als Feuerholz verwendet worden. In einer Feuerstelle fanden sich noch verkohlte Überreste. Ich kann es nicht verstehen!
Während ich so mein Wanderzeichen suchte traf eine Gruppe Mountainbiker ein mit denen ich ins Gespräch kam. Irgendwo, bei irgendeinem Tourismusverband, kann man sich als Wanderer einen Schlüssel holen. Dann hat man unzählige dieser kleinen Häuser zur Auswahl in denen man nächtigen kann. Dieses hier (48 21.403N, 20 27.194O) sei nur eines davon, erzählten sie mir.
Ich fragte nach dem Weg. "Dort geht es zur Hauptstraße und wenn du dort lang gehst kommst du zu einer Quelle. In einer Fontäne von rund einem Meter Höhe sprudelt dort Wasser aus dem Boden. Sehr interessant!"
Ich bedankte mich für den Tipp und lies beim wandern über die Lichtung das Steinhaus rechts von mir. Dann lag die Wasserpumpe links und ich füllte meine Trinkflasche. Hinter der Pumpe ging es wieder in den Wald. Diesmal war der Weg durch einen diagonalen, blauen Strich markiert. Ich folgte ihm.
Ich benötigte rund 30 Minuten um die Quelle zu erreichen.

Bild: Die Imo-Koe Karstquelle im Bück Gebirge.

Es handelt sich um die Imo-Koe, einer von vier periodisch Ausbrechenden Karstquellen im Bükk Nationalpark. Wie der Name "Periodische Karstquellen" vermuten läst sind diese Quellen nicht das ganze Jahr über aktiv sondern nur dann wenn sich aufgrund großer Niederschläge, oder bei der Schneeschmelze soviel Wasser auf der wasserundurchlässigen Tonschieferschicht, die quasi das Fundament der Bükk Berge bildet, sammelt, das es die Höhe der 440-500 Meter über dem Meeresspiegel liegenden periodischen Karstquellen erreicht. Sinkt der Wasserspiegel weiter ab versiegt die Quellentätigkeit.
In den nächsten Tagen sollte ich drei der vier periodischen Karstquellen entdecken. Leider lag der Karstwasserspiegel derzeit so tief das sie alle untätig waren. Obiges Bild habe ich von der Infotafel abfotografiert der ich auch die wiedergegebenen Informationen entnommen habe. In der Realität schaute die Quelle zum Zeitpunkt meiner Anwesenheit so aus:

Bild: Die Imo-Koe Karstquelle im Bück Gebirge.

Natürliche Quellen, periodisch oder nicht, finde ich immer höchst interessant. Plötzlich sprudelt unter einem Stein oder aus einem unsichtbaren Erdloch frisches Wasser hervor. Wenn diese Quellen allerdings wie hier, künstlich in ein Betonbett eingefasst sind oder durch Rohre geleitet werden, dann haben sie für mich ihre Faszination verloren. Wasser das aus einem Rohr fließt hat für mich nichts Natürliches mehr und auch einen Springbrunnen wie auf der Infotafel zu sehen, finde ich in jedem Stadtpark. Schade!
Ich gehe weiter und folge dem breitesten von hier wegführenden Weg. Wanderzeichen finde ich hier keine mehr. Es geht bergauf, der Weg gabelt sich, wird schmaler, gabelt sich ein weiteres Mal und verliert sich letztlich in einem kaum wahrnehmbaren Pfad. Ich wähle grundsätzlich die Abzweigung die so ausschaut als führe sie steiler bergauf. Ich wollte den Gipfel des Berges erreichen.
Plötzlich und unerwartet tauchte eine grüne, viereckige Wegmarkierung auf, der ich folgte. Sie führte bergan und somit in meine Richtung.
Lange folgte ich ihr nicht bis ein aus dem Berg herausragendes Metallrohr meine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Ich ging in diese Richtung und stand kurze Zeit später vor einem Höhleneingang.

Bild: Die Cserepes-ko Höhle im Bück Gebirge.

Der Eingang selbst war durch einen Bretterverschlag geschlossen doch die Türe stand offen so dass ich einen Blick ins innere der Höhle werfen konnte.

Bild: Innenansicht der Cserepes-ko Höhle im Bükk Gebirge.

Ist das nicht cool?! Höhle ist vielleicht das falsche Wort, Grotte würde das in dem ich mich befand wohl treffender beschreiben. Aber es gab provisorische Betten so wie einen Kanonenofen um das Teil zu heizen und darauf zu kochen, einige Holzscheite waren sauber in einer Ecke aufgeschlichtet, es stand eine verrostete Bügelsäge herum und die Türe aus Plexiglas ließ sich auch noch schließen. Wenn auch nicht verschließen. Cserepes-ko heißt dieser Ort und wenn Winter gewesen wäre, ich hätte wahrscheinlich einen sicheren Parkplatz für meinen Wagen gesucht um auszuprobieren ob es mir möglich ist hier oben einige Wochen als jagender und sammelnder Selbstversorger zu leben. Primitiv aber urgemütlich wie ich finde.
Es war aber nicht Winter und so folgte ich weiter dem grünen Viereck und blickte kurz darauf zum ersten Mal an diesem Tag über die Bükk Berge hinweg.

Bild: Blick über die Bück Berge.

Schon bald verlor ich mein Wanderzeichen wieder aus den Augen und spazierte aufs Geradewohl durch die Landschaft. Dann sichtete ich im Tal ein altes Auto. Ich kletterte hinab um es zu betrachten. Es war zwar alt, aber kein Schrott wie ich ursprünglich annahm. Zwei Männer waren damit beschäftigt eingeschlagenes Holz auf das kennzeichenlose Fahrzeug zu verladen.

Bild: Holzeinschlag und Abtransport im Bükk Nationalpark Ungarn.

Ich kam gerade zur rechten Zeit um mitzuerleben wie der Motor recht widerwillig ansprang und sich der hoffnungslos überladene Wagen souverän im schweren Gelände in Bewegung setzte.
Ich folgte der Fahrspur weiter talwärts und dann erregte eine verrostete Seilwindenkonstruktion zu meiner Rechten meine Aufmerksamkeit. Ich kletterte hinab um die Sache aus der Nähe betrachten zu können.

Bild: Höhle im Bükk Nationalpark Ungarn.

Die seillose Winde war vor einem steil abwärts führenden Stolleneingang aufgestellt. An der Stollendecke war ein breites Eisenband befestigt. Ich griff nach diesem Band, dann hängte ich mich mit meinem ganzen Gewicht daran. Scheint stabil zu sein!
Außerdem gab es eine schmale Leiter die in die Tiefe hinabführte. Lange, entrindete, Tannenstämme waren durch eingeschlagene Metallstreben, die die Sprossen bildeten, miteinander verbunden.
Die Konstruktion wackelte besorgniserregend als ich meine Füße darauf stellte. Ich griff nach dem an der Decke angebrachten Metallband und wippte auf und ab.
Wackelt, federt, schwankt. Aber die Leiter schien stabil zu sein. Dann kletterte ich in die Tiefen des Schachtes hinab.

Bild: Innenansicht einer Höhle im Bükk Nationalpark Ungarn.

Erst als unter dem Gewicht meines Körpers eine Leitersprosse aus dem morschen Holz der Stämme heraus brach und ich somit ins leere trat, abrutschte und mich nur noch mit den Händen festhielt bis meine Füße eine intakte Sprosse ertastet hatten, beschloss ich das die Erkundung dieses Stollens im Alleingang und ohne Ausrüstung zu gefährlich ist und kehrte um.
Hätte man eine Kletterausrüstung die man in das Metallband einhacken könnte und die einen, für den Fall das die Leiter abrutscht oder bricht, auffängt, man könnte sicherlich verhältnismäßig gefahrlos in die Tiefen des Stollens hinabsteigen. Leider besitze ich eine solche Ausrüstung nicht so dass ich mich nicht traute zu erkunden was es in größeren Tiefen als der von mir Hinabgekletterten zu entdecken gibt.
Ich gelangte an eine Kreuzung zweier Fahrwege. Von hier ging ein schmaler Pfad ab der durch orange aufgesprühte Pfeile markiert war. Ich folgte Ihm. Irgendwo bog ich links ab, dann rechts oder so ähnlich. Immer so wie ich Lust und Laune hatte. Dann blickte ich plötzlich auf diese idyllisch liegende Hütte.

Bild: Die Toldi-kunyho Hütte im Bükk Nationalpark Ungarn.

Die Türe war geschlossen, aber sie ließ sich nicht verschließen und so konnte ich einen Blick ins Hütteninnere werfen.

Bild: Innenansicht der Toldi-kunyho Hütte im Bükk Nationalpark Ungarn.

Fast so cool wie die Grotte! Auch hier gab es Betten und eine fest installierte Feuerstelle. Der Name dieses Platzes lautet "Toldi-kunyho". Das steht zumindest auf einem an der Hütte angebrachten hölzernen Schild.
Ich verweilte eine Zeit lang auf den als Sitzgelegenheit zurechtgeschnittenen Baumstämmen die vor der Hütte rund um eine Lagerfeuerstelle aufgestellt waren. Dann ließ ich mich von meinem GPS Gerät heimwärts führen.
Nach 18 Kilometern erreichte ich meinen Wagen. Ich entfachte ein Feuer in meinem Hoboofen um mein Abendessen, Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Rührei, zuzubereiten.

Bild: Mein Wohnmobil Stellplatz im Bükk Nationalpark Ungarn.

Am nächsten Morgen verdeckten tief liegende Regenwolken den Blick auf das Bergmassiv das ich am Vortag erreichen wollte aber irgendwie nicht erreicht habe. Drauf geschissen, es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Regenjacke in den Rucksack und auf geht's. Außerdem war es noch trocken.
Ich folgte wieder dem blauen Kreuz bis zu dem ersten Wegweiser. Diesmal entschied ich mich nicht für den Weg nach Stimetz-haz sonder ich folgte dem blauen Punkt Richtung Harps-kut Felle von dem ich allerdings bereits nach einigen Kilometern abwich da mich eine rechterhand liegende Felswand mehr interessierte als der Verlauf des Wanderweges. Dieser Weg war wieder durch solche aufgesprühten Pfeile markiert und ich hatte den Eindruck dass irgend Jemand hier den Waldboden des Weges gefegt hatte.

Bild: gefegter Waldboden in den Bükk Bergen.

Ich folgte diesem Weg bis er auf einen anderen, durch einen blauen Strich markierten Weg traf den ich für meinen weiteren Aufstieg nutzte.
Er führte mich auf den 949 Meter hohen Berg Tar-kö dessen Gipfel ich im strömenden Regen ganz ohne die Verwendung eines Sauerstoffgerätes erreichte.

Bild: Gipfel des Tar-kö Berges in den Bükk Bergen.

Aufgrund des starken Regens, der glücklicherweise bald aufhörte, war die Aussicht nicht die Beste.

Bild: Die Aussicht vom Gipfel des Tar-kö Berges in den Bükk Bergen.

Dennoch gelang mir eine Panoramaaufnahme.
Bild: Aussicht vom Tar-Kö Berg im Bükk Gebirge Ungarn.
Von hier beschloss ich dem blauen Strich weiter bis zum 6,6 Kilometer entfernten Bankut zu folgen.
Doch bereits nach kurzem Marsch führt ein durch ein grünes Dreieck markierter Weg Richtung Harom-kö. Ich hatte keine Ahnung wer oder was Harom-kö ist, aber die Entfernung war mit 300 Metern angegeben und deshalb beschloss ich einen kleinen Abstecher zu laufen. Harom-kö ist ein weiterer Berggipfel der mit seinen 906 Metern nur unwesentlich niedriger ist als Tar-kö.
Auch von hier war die Aussicht ein wenig Nebelverhangen.

Bild: Gipfel des Harom-kö Berges in den Bükk Bergen.

Ich ging zurück und lief Bankut entgegen. Immer wieder traf der Weg auf eine asphaltierte Nebenstrasse um sie bald wieder zu verlassen, einige hundert Meter parallel zu ihr zu verlaufen, dann wieder auf sie zu treffen und das Spiel zu wiederholen.
An einer offenen Schutzhütte für Wanderer verließ der Weg endgültig die Strasse und führte durch Nassgeregnete Wiesenlandschaft. Dann erreichte ich Bankut. Wer glaubt bei Bankut handle es sich um eine Ortschaft, der irrt sich. Bankut ist der Name eines einzeln stehenden Hotelrestaurants mit Wanderparkplatz. Unzählige Wanderwege führen von hier ab.

Bild: Wanderzeichen in den Bükk Bergen.

Miscolc, 16 Kilometer! Aber nach Miskolc wollte ich nicht und so sehr ich auch die ausgewiesenen Wanderziele mit der aushängenden Wanderkarte verglich fand ich außer dem Weg den ich gekommen war keinen anderen der zurück zu meinem Wagen führte. Also entschied ich mich dem Fahrweg zu folgen der mich laut meines GPS Systems in weitem Bogen zurück in die richtige Richtung führen sollte.
Es ging über ein Grassbewachsenes Hochplateau

Bild: Hochplateau in den Bükk Bergen.

Und dann erreichte ich wieder Wanderzeichen. Harom-kö, 2,6km. Doch ich entschied mich auf der für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrten Strasse zu bleiben und nicht über den Berggipfel nach Hause zu gehen über den ich hier her gelangt war.
Noch rund zwei Stunden bewanderte ich den Fahrweg bis mich dieser auf die Hauptstrasse führte. Hier gab es übrigens einen hübschen Wanderparkplatz der mein nächster Wohnort werden sollte. Aber an diesem Tag nutzte ich die Hauptstrasse um heimwärts zu wandern. Es war bereits dunkel und ich hatte Hunger als mich die Serpentinen der Strasse schwer verarschten. Ich marschierte eine Streck von geschlagenen drei Kilometer und mein GPS zeigte die ganze Zeit eine Luftlinienentfernung zu meinem Wagen zwischen 5- und 700 Metern.
Nach einer Strecke von 23 Kilometern erreichte ich um halb neun in der Nacht meinen Wagen.
Essen - Zähneputzen - Schlafen.
In der Nacht regnete es sich ein. Als ich erwachte hörte ich schwere Tropfen auf mein Dach prasseln. Ich drehte mich noch einmal um und schlief weiter. Gegen halb eins stand ich endgültig auf, kochte einen Kaffee auf der Gasflamme und schaltete den Rechner ein um endlich einmal meine Erlebnisse aus Eger niederzuschreiben. Aufgrund der Fülle dieser Erlebnisse gelang mir dies an diesem Tag jedoch noch nicht vollständig obgleich ich mit kleinen Unterbrechungen bis weit nach Mitternacht vor dem PC saß.
Am Morgen des 10. Septembers regnete es noch immer. Ich wäre daheim geblieben, hätte noch einmal den PC eingeschaltet, hätte einen gemütlichen gemacht. Vielleicht etwas gelesen oder ein Hörbuch gehört. Aber ich brauchte Internet. Es hatte sich mal wieder Besuch angesagt und ich musste diesem Besuch ja mitteilen wo er mich findet. Den nächsten Internetzugang werde ich hier wohl im 10 Kilometer entfernten Felsörtakany finden. Also rein in die Regensachen und auf geht's!
Ein Stück weit folgte ich der Hauptstrasse die ich hinaufgefahren war. Nach etwa einem Kilometer erreichte ich Tama-kutya. Hier ist das also! Ein einzeln stehendes Haus in dessen Garten zwei Zelte aufgebaut waren. Unmittelbar daneben eine öffentlich zugängliche Trinkwasserquelle. Direkt darüber die Hinweistafel zu einem Rundweg den ich unbedingt noch erwandern muss und schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite zeigte ein Wanderwegweise in den Wald. Felsörtakany, 10,5km immer dem grünen Strich hinterher. Ich folgte diesem Zeichen.
Das erste was mir auf diesem Weg begegnet ist, ist die Informationstafel zu der Zweiten periodischen Karstquelle die ich entdeckte.

Bild: Karstquelle in den Bükk Bergen.

Die Quelle fand ich jedoch nicht. Aber klar, nach der langen Trockenheit des heißen Sommers ist sie nicht aktiv. Da reichen die paar Regentropfen der vergangenen Tage wohl nicht aus und ein trocken liegendes Bachbett das hier unvermittelt begann, das konnte ich erkennen.
Der grün markierte Weg führte kurz hinter der Quelle nach rechts und kurze Zeit später nach links, vom befahrbaren Waldweg ab und steil bergauf. Der Rest des Weges verlief nur wenige Meter unterhalb des Bergkamms und bot häufig tolle Aussichten die heute jedoch durch graue Nebelbänke verschleiert worden.

Bild: Die Bükk Berge im Nebel.

Rund drei Kilometer vor Felsörtakany traf mein Weg wieder auf die Hauptstrasse der ich von hier an folgte. So paradox es klingen mag, aber hier wurde der Weg erst richtig interessant. Rechtsseitig der Hauptstrasse erhebt sich nämlich eine Felswand die von einigen Höhleneingängen perforiert ist.

Bild: Höhle bei Felsörtakany im Bükk Nationalpark.

Eine richtige Höhle habe ich an diesem Tag allerdings noch nicht gefunden. Nur kurze Grotten zu deren Erkundung man noch nicht einmal eine Taschenlampe benötigt. Nach ausgiebiger Erkundung der Felswand erreichte ich den Stadtpark von Felsörtakany.

Bild: Stadtpark von Felsörtakany im Bükk Nationalpark.

Auf der Suche nach einer unverschlüsselten W-lan Verbindung passierte ich noch die in Felsörtakany befindliche Tankstelle für Elektroautos.

Bild: Elektrotankstelle in Felsörtakany.

Da ich nirgends einen Geldeinwurfschlitz entdeckte und auch nichts das ich als Kreditkartenleser interpretiert hätte würde ich behaupten dass es Kraftstoff für Elektroautos in Felsörtakany kostenlos gibt. Diese Säule eignet sich sicherlich auch als Steckdose zum Laden der Versorgerbatterie von Wohnmobilen mit konventionellem Antrieb.
W-lan fand ich noch ein Stück weiter die Strasse hinab. Inklusive netter Sitzgelegenheit nebst Tisch. Genau in dem Moment als ich den Rechner einschaltete begann es wieder zu regnen. Mit meinem Körper schützte ich das teure Hightech Produkt vor den Tropfen und sendete die GPS Daten eines Treffpunkts mit der Bitte mir rund zwei Stunden vor Ankunft eine SMS zu schicken an meinen baldigen Besuch. Darüber hinaus informierte ich ihn darüber das ich an meinem Wohnort kein Mobilfunknetz empfange und das es deswegen von Nöten ist mir frühzeitig eine Nachricht zu schicken da ich nicht den ganzen Tag auf dem Berg mit Mobilfunkempfang warten wolle und nur sporadisch dort hinaufklettern werde. Danach klappte ich den Rechner wieder zu und machte mich auf den Rückweg.
Ich nutzte einen schmalen Weg der die Strasse, in Gehrichtung, auf ihrer rechten begleitet und größtenteils über Weideland führt.
Dann gelangte ich an einen Parkplatz auf dem ein Wohnmobil mit britischen Kennzeichen parkte. Ich kam mit dem Rentnerehepaar ins Gespräch das sechs Wochen lang das europäische Festland unsicher machte. Morgen, so der Mann, ginge es über die Grenze nach Rumänien. Ich erzählte von meinem Aufenthalt in dem Land und wurde auf einen Tee ins Fahrzeuginnere eingeladen um den Beiden Orte von denen ich sprach auf der Karte zeigen zu können.
Der Fußboden des Wohnmobils war mit Teppich ausgelegt den die Beiden bei dem Schmuddelwetter liebevoll mit Zeitungspapier abgedeckt hatten.
Wie kann man nur einen flurlosen Raum mit Teppichboden auslegen? Wenn Ihr mich fragt: "Das ist total bescheuert!"
15 Minuten später war ich wieder unterwegs. Da der schmale Weg an dieser Stelle rechtwinklig von der Strasse abführte, beschloss ich der Hauptstrasse zu folgen. Und wieder war die Hauptstrasse der interessanteste Teil des Weges.

Bild: Schlucht bei Felsörtakany im Bükk Gebirge.

Schon bald wurde es dunkel und gegen 21 Uhr war ich nach 28 Kilometern wieder daheim.
Der Folgetag wurde vor allem dadurch bestimmt einmal pro Stunde durch den strömenden Regen Richtung Mobilfunknetz zu stapfen. Gegen 22 Uhr trat ich diesen Weg das Letzte Mal an, dann zeigte ich meinem Besuch im Geiste den Mittelfinger. Was auch immer passiert war, man könnte ja mal einen kurzen Text an die Person senden von der man weiß das sie alle paar Minuten losrennt um nachzugucken ob eine SMS angekommen ist.
Gegen Mittag des 12. Septembers hörte es plötzlich auf zu regnen. Die Wolkendecke lichtete sich und vereinzelt drang sogar ein Sonnenstrahl durch sie hindurch. Nicht wie los und diesen Rundweg gehen den ich entdeckt hatte.
Den "Tamas Kutya Natur Interpretationspfad" wie ich von der englischsprachigen Informationstafel an der "Kis-som Quelle" (48 02.483N 20 29.229O) übersetze. Dort gibt es auch eine Wanderkarte auf die der Weg eingezeichnet ist. Wie allen öffentlichen Wanderkarten hier im Bükk Nationalpark fehlt ihr sowohl ein Pfeil der die Nordrichtung ausweißt als auch eine Maasstabsangabe. Wenigstens ist ausnahmsweise mal ein Wanderweg eingezeichnet. Zu dumm nur das die Kartenhersteller vergaßen auch das Wanderzeichen anzugeben dem man folgen muss wenn man den Weg wandern will.
Dafür kann ich dem Text eine Menge Informationen entnehmen. So zum Beispiel das mich der Weg an einer weiteren periodischen Karstquelle, der Imö Quelle, vorbeiführen wird die aus einer Höhle in dem unter Naturschutz stehenden Imö Felsen entspringt. Das ich durch das Lök Tal laufen werde und geschützte Flora und Fauna bewundern kann. Außerdem führt der Weg durch ein Gebiet in dem früher Holzkohle hergestellt wurde. Auf dem 7 Kilometer langen Weg für dessen Bewanderung ich 3,5 Stunden benötige werde ich eine Verbindung aus historischen und kulturellen Interessen bewundern können.
All das weiß ich jetzt, nur wo ich lang laufen soll, das weiß ich nicht.
O.k., der Weg folgt dem Bächlein das aus der Kis-som Quelle hervorgeht und biegt dann irgendwo rechts ab. Das steht im Text, einfach mal drauf los laufen, wird sich schon finden lassen.
Schnell erreiche ich die Tafel zu der trockenen Karstquelle die ich schon auf meinem Weg nach Felsörtakany passiert hatte. Heute habe ich Zeit, vielleicht ist das ja die Quelle die aus der Höhle entspringt. Passende Felsformationen hat es hier ja. Ich klettere die Felsen hinauf

Bild: Berg hinter der Karstquelle im Bükk Gebirge Ungarn.

Und gelange auf den Gipfel des Berges. Tolle Aussicht von hier oben!

Bild: Aussicht über Bükk Gebirge.

Nur eine Quelle oder gar eine Höhle habe ich nicht gefunden. Also wieder runter von dem Berg und den Wanderzeichen folgen. Ich habe den blauen Balken, der mich schon nach Felsörtakany führte, und einen diagonalen blauen Balken zur Auswahl und beide biegen nach rechts ab.
Schon bald erreiche ich die Stelle an der ich auf meinem Weg nach Felsörtakany links abbog. Der diagonale Strich hingegen führt geradeaus. Er wird es sein!
Scheki durchstreift das Unterholz und zerrt zielstrebig einen verwesenden Leckerbissen hervor.

Bild: Jagderfolg im Bükk Gebirge.

Igitt! Aber mein Hund darf Hund sein, auch wenn es mich ekelt. Guten Appetit Scheki! Nur Küschen, Küschen gibst du mir heute nicht mehr. Auch wenn du nicht verstehst warum.
Mit meinem fressenden Hund komme ich ein wenig schleppend voran und so dauert es seine Zeit bis ich endlich auf den in der Felswand liegenden Höhleneingang blicke.

Bild: Quellberg einer Karstquelle im Bükk Gebirge.

Die Quelle ist ausgetrocknet so dass ich mich ins Innere ihres Quellberges begeben kann.

Bild: Quellberg einer Karstquelle im Bükk Gebirge.

Doch nach wenigen Metern verjüngt sich die Höhle derartig das ich nur noch kriechend weiter komme und darauf habe ich keine Lust.
Wer sich für weiter Hintergründe dieses Ortes interessiert, bitteschön, keine Lust das alles abzuschreiben.

Bild: Die Imo-Kö Karstquelle. Informationstafel.

Wie auf der Wanderkarte angegeben gehe ich zurück und folge an der Weggabelung weiter der diagonalen Markierung. Nach ca. 2 Kilometern, ich hätte es fast übersehen, biegt mein Wanderzeichen plötzlich links auf einen schmalen Pfad ab. Und just an dieser Stelle befindet sich eine weitere Höhle.

Bild: Höhleneingang im Bükk Nationalpark.

Ich lege mich auf den Boden und leuchte hinein. Scheint irgendwie weiter zu gehen! Doch der Boden ist feucht und lehmig. Mein Ganzkörperhöhlenkondom das ich in Sighistel benutzt habe, habe ich nicht dabei und Lust mich gänzlich einzusauen habe ich auch nicht. Also lasse ich die Höhle links liegen und folge dem markierten Pfad der mich schon bald über die Hauptstrasse führen sollte.
Auf der anderen Straßenseite geht es wieder in den Wald, vorbei an englischsprachigen Informationstafeln die über den einstmaligen Schieferabbau informieren.
Dann ist der Weg durch umgestürzte Bäume auf eine weite Strecke derart versperrt das ich mich entscheide einen Anderen zu gehen. Dieser führt mich zurück auf die Hauptstrasse und dort sehe ich etwas das mir schlaflose Nächte bereiten sollte.

Bild: Heves Megye.

Heves Megye! So hieß doch der Fluss an dessen Ufern ich in Tizafüred geparkt hatte. Die Information dass der Fluss so hieß hatte ich von einem eben solchen Schild wie ich es hier sah. Ich muss mich geirrt haben, der Fluss an dessen Ufern ich in Tizafüred parkte hieß aller Wahrscheinlichkeit nach NICHT Heves Megye.
Nach weiteren zwei Kilometern Asphalt erreichte ich wieder meinen Wagen. Ich hatte kaum die Schuhe ausgezogen als ein sintflutartiger Schauer niederging.
Die nächsten beiden Tage regnete es sich ein. Ich schrieb meinen Reisebericht aus Eger zu ende, nähte einige Kleidungsstücke bei denen Knöpfe abgerissen oder Nähte geplatzt waren und vor allen Dingen heizte ich kräftig ein. Es war verdammt kalt geworden.
Am 15. Schien wieder die Sonne und ich wanderte ein letztes Mal bevor ich aufbrechen wollte Richtung Internet.
Bei meinem Rundweg hatte ich ein Schild entdeckt das einen Weg nach Felsörtakany beschilderte den ich noch nicht kannte.
Also, die Hauptstrasse hoch, nach zwei Kilometern rechts und dann stand ich vor dem Wanderzeichen.

Bild: Wanderzeichen im ungarischen Bükk Gebirge.

Felsörtakany 15,5 Kilometer. Den kurzen Weg kannte ich ja bereits.
Dieser führte hauptsächlich über eine verkehrsfreie Strasse

Bild: Nebenstrasse im ungarischen Bükk Gebirge.

Und bot hübsche Aussichten über die Bükk Berge.

Bild: Aussicht über die Bükk Berge.

Dort wo ich bei meiner Letzten Wanderung die Britischen WoMo Fahrer getroffen habe stößt er wieder auf die Hauptsrasse. (Wie gut das ich an diesem Tag nicht den Weg ausprobiert habe. Ich hatte ernsthaftig daran überlegt) Von dieser Stelle kannte ich den Weg und nach 19 Kilometern Fußmarsch war ich online. Auf dem Rückweg erwarb ich noch ein Päckchen Eier und dann nutzte ich die Hauptstrasse. Beim letzten Mal war ich den Parallelweg gegangen so dass ich nicht sah was kurz hinter dem Ortsausgang Felsörtakanys linksseitig der Hauptstrasse liegt. Aber diesmal nahmen es meine geschulten Augen war. Da ... Da ist doch ... Ich kletterte über die Leitplanke, sprang über ein kleines Bächlein, kletterte ein Stück den Berg hinauf und dann, dann blickt ich hinein.

Bild: Höhleneingang im Bükk Gebirge.

Schaut interessant aus und die Türe steht offen. Also, nix wie rein.

Bild: Höhleneingang im Bükk Gebirge. Innneansicht.

Rund 50 Meter war ich in den Berg hineingelaufen als ich im Licht meiner Taschenlampe ein reflektierendes Augenpaar wahrnahm. "Scheki, hier." flüsterte ich. Scheki hörte und ich nahm ihn an die Leine.
Ein reflektierendes Augenpaar in einer Höhle! Was kann das sein? Also Bären gibt es hier nicht. Angeblich zumindest. Welche Wildtiere leben in Höhlen und haben reflektierende Augenpaare? Die Augen blickten nach rechts, egal was es ist, es lebt!
Ein Wildtier das sich bedroht fühlt und nicht flüchten kann, und das dürfte in einer Höhle wohl der Fall sein, greift an.
Ich hatte Angst und verließ die Höhle. Aber was waren das für Augen verdammt? Scheki, mein Gefahrenwarner in Höhlen warnte mich vor nichts, er schaute nur neugierig in die Richtung der leuchtenden Augen. Was auch immer es war, es hat nicht versucht mich anzugreifen. Zugegeben, ich war auch noch weit von dem Augenpaar entfernt. Ein Mensch? Gefesselt und geknebelt, kurz vor dem Hungertod? Oder ein Straßenhund der sich zum sterben zurückgezogen hatte? Quatsch, ich bin in Ungarn, hier gibt es keine Straßenhunde! Also ein Mensch! Ein Opfer von Sexualverbrechern? Mann hört so vieles.
Ich hatte zwei Möglichkeiten:
1. Ich ruf die Bullen!
2. Ich ruf die Arschlöcher nicht an und gehe selber nachgucken welche Augen da leuchten.
Ich entschied mich für zweitens!
Wenn mich ein Wildtier angreift und tötet, oder ein überraschend zurückkehrender Sexualverbrecher erdrosselt, dann bin ich tot. Wenn ich die Bullen rufe muss ich hinterher wahrscheinlich stundenlang irgendwelche Papiere auf einer ungarischen Polizeistation ausfüllen. Was besser ist liegt sicherlich im Auge des Betrachters, ich jedenfalls entschied mich für Zweitens.
Vom Waldboden suchte ich einen dicken Ast der sich als Knüppel verwenden ließ, mein Pfefferspray liegt natürlich wieder im Wagen, und dann kletterte ich mit zitternden Knien wieder in die Höhle hinab.
Langsam und vorsichtig ging ich den Stollen entlang. Die Augen leuchteten noch an der gleichen Stelle an der sie vor wenigen Minuten leuchteten. "Hello" Keine Antwort. Die Augen schauten mich an. "Hello, you are ok?" Keine Antwort, keine Bewegung des Augenpaares. Ich hielt Schekis Leine in der Linken, den Knüppel umklammerte ich mit der rechten Hand. So näherte ich mich ängstlich dem Augenpaar. Ich kam näher, die Augen rührten sich nicht und das Licht meiner Lampe war noch immer nicht stark genug um zu erkennen wem die Augen gehörten. Noch einige Schritte, dann konnte ich es erkennen. Ein Mensch war das nicht, es war, es war ein Hund.
Ich ging noch näher heran. Nein, ein Hund war es auch nicht. Es war ein Dachs!

Bild: Dachsbau mit Dachs.

Ein Dachs, ein Wildtier! Aber der kleine Kerl saß total verängstigt an der Höhlenwand und war viel zu feige mich anzugreifen.
Entweder ich hatte Ihn durch mein Eindringen in seinen Dachsbau dermaßen verängstigt das er einfach nur wie versteinert da saß, oder das Tier hatte sich tatsächlich zum sterben hier her zurückgezogen und war für einen Kampf ohnehin viel zu schwach.
Ich ließ den armen Dachs in Ruhe und verließ die Höhle.
Ich würde mich freuen wenn mir ein ambitionierter Hobbyhöhlenforscher der diese Höhle in Zukunft betreten wird, mitteilt ob an deren Ende etwas herumliegt das ein Dachsskelett sein könnte. Danke!
Den Rest des Weges folgte ich der Hauptstrasse und um 21.08 Uhr erreichte ich nach 30,99 Kilometern meinen auf 13 Grad ausgekühlten Wagen.
Feuer machen und pennen gehen.
Dichte Nebelbänke umhüllten meinen Wagen als ich erwachte. Eigentlich wollte ich weiterfahren, aber bei dem Wetter, Igitt! Ein Blick aus der Türe verriet mir dass die Sichtweite wohl unter 10 Metern liegen dürfte. Außerdem war es schon wieder sacken kalt in meinem Wagen. Am Besten erst mal einheizen und eine frische Folienkartoffel frühstücken. Als ich damit fertig war hatte sich der Nebel verzogen. Es regnete zwar noch, aber wenigstens war die Sicht zum fahren gut genug. Ich ging meinen Hobo-Ofen einsammeln und blickte hinab auf den offiziellen Parkplatz.
Was war das? Da stand ein großes gelbes Zelt und der Platz war völlig zugeparkt. Am Besten ich gehe erst einmal zu Fuß schauen bevor ich mich mit meinem Truck da durchquetsche. Eine Durchfahrt mit meinem Truck wäre ein aussichtsloses Unterfangen gewesen, aus dem Zelt wurden Lebensmittel ausgeteilt und bei den Autos handelte es sich fast ausschließlich um auf Hochglanz polierte Oldtimer mit niederländischen Kennzeichen.
Die 78zigste Alpentourrally machte hier Station. Trotz einiger Versuche wie etwa "nice car" oder "can I make a picture" die wahlweise kurz und knapp entweder mit "Thanks" oder "jes" Beantwortet wurden, kam ich mit niemandem ins Gespräch. Ich hatte den Eindruck hier auf eine Gruppe Holländischer Millionäre gestoßen zu sein die absolut kein Interesse daran hatten sich mit einem deutschen Aussteiger zu unterhalten. Nachdem ich beschlossen hatte genügend Fotos für eine Bildergalerie aufgenommen zu haben ging ich zurück zu meinem eigenen Oldtimer ohne Oldtimerzulassung, kochte einen Kaffe und wartete darauf das die Ausfahrt frei wurde was gegen 18 Uhr auch der Fall war.
Am nächsten Tag fuhr ich dann exakt 7 Kilometer zu dem bereits zu Fuß entdeckten Wanderparkplatz.
Die Weggabelung zu diesem Ort war so auffällig das ich die Stelle an der ich links abbiegen musste ohne Probleme fand. Der abgehende Fahrweg, der nach wenigen Metern durch eine Schranke versperrt wurde, die man, wie ich später herausfinden sollte einfach mit einer vierzehner Nuss und einem Ratschenschlüssel entriegeln kann, teilte sich kurz vor der Hauptstraße in zwei "Arme". Einmal für die Menschen welche diesen Ort von Egger aus, und einmal für diejenigen die diesen Ort von Miskolc aus kommend erreichen wollen bzw. in diese Richtungen wegfahren möchten.
Rechtsseitig befinden sich hier einige Picknickbänke, angelegte Feuerstellen, eine geräumige Schutzhütte für Schlechtwettertage und, ganz wichtig, ein Plumpsklo dessen Türe allem Anschein nach in der Vergangenheit als Brennmaterial herhalten musste. Dieses Plumpsklo war der Hauptgrund warum ich diesen Parkplatz ansteuerte. Der Flüssigkeitsstand in meinem Fäkalienbehälter hatte nämlich mal wieder eine Höhe erreicht dass er bei scharfen Kurvenfahrten drohte überzuschwappen.
Da mein Abwassersystem so konstruiert ist das ich meine Scheiße nicht mit teuren und ökologisch bedenklichen Chemikalien vermischen muss damit nix stinkt würde ich hier meine Körperausscheidungen der letzten Monate reuelos entsorgen können.
Außerdem gibt es natürlich eine dieser maßstablosen Wanderkarten und die obligatorischen Informationen über den Bükk Nationalpark.
Nach ca. 100 Metern befindet sich linksseitig die steil abfallende Zufahrt zu einem wunderschönen Parkplatz.

Bild: Wohnmobilstellplatz im Bükk Nationalpark.

Den Lärm der Hauptstraße dämpft ein kleiner Nadelwald und das Parken mit Wohnmobilen scheint an diesem Ort obendrein auch noch ganz legal zu sein. Zumindest hatte der Parkranger, der mich nur wenige Minuten nach meiner Ankunft "kontrollierte" nichts gegen meine immerhin 8 tägige Anwesenheit einzuwenden.
Das war so:
Ich war gerade dabei einige der vielen dünnen Stöckchen zusammenzutragen die in dem Nadelwäldchen hinter mir herumlagen um sie über meinem Knie in Brennholzgröße zurechtzubrechen als einer dieser grünen Rangerjeeps aus dem schmalen Waldweg fuhr und der Fahrer hinter sich die Schranke verriegelte. Anschließen fuhr der Wagen zielstrebig auf den Stellplatz neben meinem Wohnmobil. Der Ranger schaute auf mein Kenzeichen und fragte mich als erstes ob ich Englisch spreche und anschließen was ich hier mache. "Holiday!" Er hätte meinen Wagen schon an der anderen Stelle rund fünf Kilometer von hier entfernt gesehen und geklopft. Ich hätte lange dort gestanden und das hier sei ein Nationalpark, ich dürfe unter keinerlei Umständen in den Park fahren. Sonst müsse er mich finden und mir Ärger machen auch wenn er das eigentlich nicht wolle. Erklärte mir der Ranger. "Aber hier ist O.K? Ich mag in meinem Urlaub die Bükk Berge durchwandern und ich wollte hier erst weg wenn es keinen Weg mehr gibt den ich noch nicht kenne und dann ist es durchaus möglich dass ich nicht weit fahre da es einige Kilometer weiter ja neue Wege gibt." Auf offiziellen Parkplätzen sei das kein Problem.
Der Ranger fuhr davon und belästigte mich nie wieder. Auch nicht als ich viele Tage später auf den Picknickbänken saß und professionelles Kameraequipment auf mich gerichtet wurde.

Bild: Filmaufnahmen im Bükk Gebirge.

Obgleich er ziemlich neugierig schaute was da so abgeht als er mit seinem Wagen den Weg hinunter kam der für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt ist.
Am nächsten Morgen ging ich wandern. Ich folgte der Hautstrasse Richtung Miskolc und bog nach rund 500 Metern rechts in den Wald ab. Der Weg war durch kein Wanderzeichen markiert, aber ich würde schon sehen wo er mich hinführt.
Tief ausgespülte Fahrrinnen führten mich talwärts und nach etwa 20 Minuten Marsch blickte ich über das Tal hinweg, in dessen Sohle sich die Ortschaft Repashuta befindet.

Bild: Blick auf Repashuta.

An der Hauptstrasse hatte ich einen Wegweiser passiert der ein Speiselokal in dieser Ortschaft bewarb. Die Entfernung war mit fünf Kilometern angegeben. Ich hatte eine Abkürzung entdeckt!
Einige Stichwege führten hinab zur Ortschaft doch ich beschloss dem Hauptweg zu folgen. Kurze Zeit später sichtete ich rechtsseitig ein Geländer. Auf ein Baum war ein Omega gepinselt. Meiner Erfahrung nach dass Zeichen führ Höhlen. Nichts wie rauf da! Tatsächlich, Minuten später stand ich vor einem Höhleneingang.

Bild: Die Balla Barlang. Höhle im Bükk Nationalpark Ungarn.

Es handelte sich um die Balla Barlang, also um die Balla Höhle, denn Barlang bedeutet Höhle. Im rumänischen heißt Höhle Pestera und im ungarischen eben Barlang. Es ist schon erstaunlich welch wichtige Worte einer Fremdsprache man als erstes erlernt und sich auch noch merken kann.
Die Balla Barlang wurde zwischen 1909 und 1913 von Jenö Hildebrand erschlossen. Unter den jetztzeitlichen 5-8 Schichten wurden in der Spätglatialzeit, dann in der mittleren Phase der letzten Kaltzeit endlich zuunterst während der Erwärmung zwischen dem unsrem Zeitalter vorangehenden Glazialzeiten, zur Zeit der sog. Riss-Würm Intergralzeit, abgelagerte Deposilien gefunden.
Las ich auf der deutschsprachigen Infotafel. Jetzt war ich schlauer! Ich versuchte die wichtigen Informationen aus dem Fremdwortgewirr herauszuextrahieren. Das waren 5-8 Schichten. Schichten = Ebenen? Ist die Höhle viel größer als sie auf den ersten Blick ausschaut? Ich suchte und suchte, aber außer dem kurzen Stückchen das Jedermann der diesen Ort gefunden hat auch ohne größere Suche findet, fand auch ich nichts. Schade! Nur ein rund 80 Meter langes Loch im Berg.

Bild: Die Balla Barlang. Höhle im Bükk Nationalpark Ungarn. Innenansicht

Nach ca. 2 Stunden verließ ich die Höhle und folgte weiter dem Hauptweg der mich am Ortsende von Repashuta auf die Asphaltstrasse führte. Ich schaltete den PC auf Netzsuche und spazierte durch den Ort. W-lan fand ich genau vor einem kleinen Tante Emma Laden der einige überdachte Sitzgelegenheiten für seine Kunden bereithielt. Ich kaufte mir ein Frühstück und tauchte ein in die weiten des Internets. Just in diesem Moment begann es zu regnen. Ein Wolkenguss, ein Unwetter mit Blitz und Donner. Aber ich saß im trockenen und hatte etwas zu tun. Das Unwetter endete etwa zeitgleich mit dem Moment in dem ich meine Arbeiten im www fertig gestellt hatte.
Ich folgte einem gelben Strich, dem Wanderzeichen, quer durch Repashuta. Am anderen Ende der "Stadt" führte es mich wieder in den Wald. Es ging vorbei an wunderschönen Pilzen

Bild: Pilze im Bükk Nationalpark Ungarn.

die ich allerdings nicht für essbar halte und einer historischen Gedenkstätte der Holzkohleproduktion.

Bild: Köhlerstätte im Bükk Nationalpark Ungarn.

Ich musste an meinen Aufenthalt in der Türkei denken. Hier ist einer dieser Köhlerstätten für Touristen als Denkmal aufgestellt und in der Türkei habe ich die Köhler live bei der Arbeit beobachten können, die luftdicht abgeschlossenen Holzhaufen waren nicht wie in einem Museum aufgeschlichtet, sondern sie rauchten und dort wurde tatsächlich wie in alten Tagen Holzkohle hergestellt.
Ich folgte weiter dem gelben Wanderwegweiser und erreichte rund 40 Minuten später eine weitere Höhle. Auch sie erzeugte in mir ein Dejawue. Es war nicht nur eine Höhle, es handelte sich um eine "Antiquelle". Das Wort Antiquelle habe ich selber erfunden. Aus einer Quelle entspringt Wasser und in einer Antiquelle verschwindet Wasser. Genau wie ich es während meiner 4 tägigen Rucksackwanderung, im rumänischen Nationalpark Apusenie, in der Nähe von Padis gesehen hatte, verschwinden hier die Wasser eines Baches einfach in der Tiefe.
Die Höhle heißt Ponorhöhle und der Bach heißt Geldbach. Einige Zeit beobachte ich den Bach, in der Hoffnung es würde Geld vorbei treiben. Aber ich hoffte vergebens.
"Die Ponorhöhle des Geldbaches ist wegen ihrer Größe, ihres Charakters und ihres Karstwasserschutzes eine Höhle mit besonderem Schutz. Besuch der Höhle ist nur mit einer Sondergenehmigung und wegen ihrer Gefährlichkeit nur mit einer besondern Ausrüstung und erfahrenen Begleitern möglich"
Steht auf dem Schild neben der Höhle. Erfahrene Begleiter?! Hab ich! Scheki, du kommst mit! Besondere Ausrüstung?! Damit meinen die sicher eine Taschenlampe. Hab ich auch, also nix wie rein in das Ding auf Genehmigungen scheiß ich ohnehin und ich wollte ja auch nicht in das Karstwasser pinkeln. Aber wie soll ich da rein kommen?

Bild: Die Pornorhöhle im Bükk Nationalpark Ungarn.

Das Wasser des Geldbaches passt dort hindurch, aber ich bin doch viel zu fett um mich durch den schmalen Spalt zu quetschen.
Ich schaute mich um und fand etwas höher gelegen tatsächlich einen Eingang der groß genug für meine Person war.

Bild: Der Eingang der Pornorhöhle im Bükk Nationalpark Ungarn.

Ich kletterte in die Tiefen hinab und schaute nach oben.

Bild: Innenansicht der Pornorhöhle im Bükk Nationalpark Ungarn.

Wasserplätschern drang aus der Tiefe hervor und mit ihm die mir vertraute "Kälte der Höhle". Noch einige Meter konnte ich in den Berg eindringen, dann befand ich mich vor einer schmalen Eisentüre.

Bild: Endstation in der Pornorhöhle im Bükk Nationalpark Ungarn.

Warum schreiben die so viele Worte auf eine Hinweistafel wenn der Eingang eh verschlossen ist? Erlaubt oder nicht, gefährlich oder ungefährlich, die Türe ist zu, wie soll ich da rein? Enttäuscht verließ ich die Ponorhöhle des Geldbaches und folgte weiter dem gelben Wanderwegweiser. Irgendwann führte mich mein Weg parallel zur Hauptstrasse. Da sich der Tag ohnehin dem Ende neigte überquerte ich die Strasse und folgte einem schmalen, unmarkierten Weg auf der anderen Seite wieder in den Wald. Schon nach wenigen Metern fand ich wieder etwas dass mein Interesse weckte. Kurzfristig hatte ich tatsächlich die Idee einfach mit dem Auto nach Hause zu fahren.

Bild: verrosteter Aro im Bükk Nationalpark Ungarn.

Der Aro hatte wohl mitten im Wald seinen Geist aufgegeben und wartete nun darauf von der Natur zersetzt zu werden. Die Batterie war ausgebaut, genau wie einige Motorteile und ein Scheinwerfer, der Tank war furztrocken. Anscheinend gibt es Menschen die dieses im Wald stehende Ersatzteillager kennen und auch nutzen. Ich betrachtete das Fahrzeug ausgiebig. Der Tank ist im Beifahrerfußraum montiert. Sehr lustig wie ich finde und wenn mich mein technisches Verständnis nicht anlügt, dann möchte ich festhalten dass dieser Fahrzeugtyp nur mir drei Zylindern ausgestattet ist.
Da der Wagen nicht wieder flott zu kriegen war ging ich zu Fuß weiter. Irgendwann endete der schmale Weg und ich marschierte quer Feld ein. Dann traf ich wieder auf einen Forstweg dem ich folgte. Und was stand da herum?

Bild: defekter Gaz-66 im Bükk Nationalpark Ungarn.

Ein Gaz-66, ein Fahrzeug russischen Fabrikates. Anscheinend hat es den ungarischen Ruf: "Achtung Baum fällt!" Nicht verstanden und konnte so nicht rechtzeitig wegfahren und wurde getroffen. Jetzt steht auch dieses Fahrzeug in der Natur und verrottet. Ob es je von dort abgeholt und auf einen Schrottplatz gebracht wird?
Selbstverständlich kletterte ich in das Fahrerhaus, betrachtete den Motor und schaltete an einigen Hebeln und Knöpfen herum. Aber auch von diesem Fahrzeug waren so viele Teile demontiert das es mir unmöglich war meinen Heimweg mit Motorkraft anzutreten.
Nicht schlimm, denn in einem schnell fahrenden Automobil hätte ich viel weniger Zeit gehabt die Herrliche Aussicht Richtung Repashuta zu genießen die mir der weitere verlauf des Weges bot.

Bild: Blick über die Bükk Berge in Ungarn.

Um 19 Uhr 34, nach 13,77 Kilometern erreichte ich wieder mein Wohnmobil.
Am Folgetag startete ich zu einer weitern Wanderung. Ziel war es den Wald auf der anderen Seite Repashutas zu erkunden. Also den Weg an der Höhle vorbei, bis auf die Asphaltstrasse, dann aber nicht in den Ort sondern gleich weiter in den Wald hinein.
An der Stelle wo ich von der Hauptstrasse abbiegen muss freundete sich mein Hund mit einem Beagel an. Die beiden spielten ausgelassen und ich kam mit dem Hundehalter ins Gespräch. Ein Deutscher!
Mein Landsmann war so eine Art Aussteiger. Er hatte Verwandte in Miskolc die er vor rund 10 Jahren einfach mal spontan besuchen gefahren ist. Dann gefiel es ihm hier in Ungarn und er ist einfach nicht mehr zurück. In Deutschland war er eh Bezieher staatlicher Sozialleistungen und er bemerkte recht schnell dass er mit diesem Geld hier viel besser leben kann. Regelmäßig reißt er über Mitfahrgelegenheiten nach Deutschland um die obligatorischen Amtsbesuche hinter sich zu bringen. Hier in Ungarn entdeckte er dann eine tolle Einnahmequelle wo ihm kein Arbeitgeber auf den Sack geht; wie er sagte. Er sammelte Trüffel. Sein Hund war ein ausgebildeter Trüffelsuchhund. Das Kilo verkaufe er an einen Händler in Miskolc für umgerechnet 100 Euro. Sein Hund kann 3 Mal am Tag je etwa eine Stunde suchen. Mit etwas Glück findet er in dieser Zeit um die 2 Kilo Trüffel. So gut wie heute sei es ihm finanziell noch nie gegangen meinte mein Landsmann. Und er müsse ja nur zur Trüffelzeit arbeiten, den Rest des Jahres habe er frei und auch wenn er "arbeitet" sei es egal ob er um 8 Uhr beginnt oder erst um 2.
"Ich bin frei, kein Chef, keine Steuern. Ich habs geschafft." Meinte er mit einer zufriedenen Selbstgefälligkeit die mich irgendwie an mich selber erinnerte.
So schaut er aus, der teure Speisepilz den mein Gesprächspartner niemals selber essen würde.

Bild: Trüffel, gefunden im Bükk Nationalpark Ungarn.

"Ist mir zu teuer, ich kauf mir lieber ne Pizza." So sein Statement.
Nach rund 2 Stunden netter Unterhaltung verabschiedete ich mich von meinem neuen Freund. Er machte Fierabend, sein Hund war vom Spielen ausgepowert, und ich ging weiter den Weg von dem ich mir vorgenommen hatte ihn zu gehen. Vorbei an Balla Barlang und dann in den Wald hinter Repashuta. Das Wanderzeichen das den breiten Forstwirtschaftsweg markierte war ein blaues Viereck. Lange lief ich nicht bis ich rechtsseitig abermals ein auf einen Baum gemaltes Omega wahrnahm. Ich weiß nicht was auffälliger war, das Omega das die Höhle markierte oder der verschlossene Höhleneingang selbst. Er lag direkt neben dem Weg, unübersehbar. Eine Informationstafel gab es hier allerdings nicht. Aber auch diese Höhle schien gefährlich zu sein den an der Stelle an die eine Informationstafel gehört befand sich ein Grabstein. Daneben der verriegelt und verrammelte Eingang in die Tiefen des Bükk Nationalparks.

Bild: Höhle bei Repasuta im Bükk Nationalpark Ungarn.

Über weite Hochebenen führte mich mein Wanderzeichen weiter in die Wälder des Nationalparks hinein.

Bild: Hochebene im Bükk Nationalpark Ungarn.

Bis ich abermals so ein Omega sichtete lief ich eine ganze Weile. Aber dann! Wie immer war es auf einen Baum gemalt, leicht zu übersehen. Hinter dem bemalten Baum erhob sich eine Felswand. Ich schaute mich um. Wo war die Höhle?

Bild: Höhlensuche im Bükk Gebirge.

Durch eine schmale Schlucht kletterte ich die Felswand hinauf.

Bild: Schlucht im Bükk Gebirge.

Irgendwie fehlten mir zwei Beine. Beim Autofahren ist es ja wirklich praktisch das die Evolution die Vorderbeine des Homo Sapiens zu Armen mit Händen ausgebildet hat, aber hier, beim laufen in der Natur, in steilen Bergschluchten und auf Geröll, musste ich mal wieder feststellen das der Mensch ein halber Krüppel ist. Vor allem dann wenn ich meinen Hund beobachtete der schwanzwedelnd am Gipfel auf mich wartete und sich wahrscheinlich dachte: "Ey Chef, wo bleibst du?"
Irgendwann erreichte auch ich den Gipfel. Doch eine Höhle fand ich nicht. Durch eine weitere Schlucht rutschte ich wieder talwärts. Dann stand ich wieder vor dem Baum mit dem Omega und schaute angestrengt durch das grüne Laubdach der Bäume. Da, da ist sie!

Bild: Höhle in luftiger Höhe im Bükk Gebirge.

Aber für mich lag sie leider mal wieder in unerreichbaren Höhen. Ich hätte eine Kletterausrüstung benötigt um dort hinaufzugelangen und vor allem das Wissen wie man mit so einer Ausrüstung umgeht. Schade!
An der nächsten Weggabelung verließ ich mein Wanderzeichen und ging nach gut dünken zurück in die Richtung in der ich meinen Wagen vermutete. Irgendwann sichtete ich dann ein Wanderzeichen nach Repashuta. 5,2 Kilometer stand darauf zu lesen. Ich folgte ihm und verlor es schon bald darauf aus den Augen.
Auf unmarkierten Wegen ging es weiter. Irgendwo hatten Waldarbeiter einige Baumstumpfen so abgeschnitten das sie Sitzgelegenheiten bildeten. An einem Baum hing sauber verpackt ein Tütchen Abfall. Ich setzte mich und machte Pause. Schon bald darauf vernahm ich Motorenlärm. Hier? Mitten im Wald?
Tatsache, ein Auto näherte sich. Neben mir stoppte der Jeep, elektrisch surrte das Beifahrerfenster hinunter und der Fahrer eröffnete ein Gespräch. Natürlich verstand ich kein Wort, aber ich erwiderte "Nyem Problem. OK, just a breack. Tourist, Holiday!" "Pst" flüsterte der Fahrer und hielt sich den Zeigefinger vor die Lippen. Dann zeigte er mir sein Gewehr und gab mir so zu verstehen dass er auf die Jagd gehen wolle.
Alles klar! Wenn der mit seinem Jeep durch die Pampa brettert, dann verscheucht das unter keinerlei Umständen das Wild. Aber wenn ich rede, dann ist das viel zu laut. Nach dieser Erklärung verschwand der Hilfsbereite Jäger, mit meiner Meinung nach viel zu hoher Geschwindigkeit, in den Tiefen des Waldes.
Ich hatte den knatternden und stinkenden Wagen nur rund 60 Minuten hinter mir gelassen als ich das sah was der Jäger sicherlich gerne gesehen hätte.

Bild: getroffen: Reh im Bükk.

Hast Glück gehabt Kleines, ich schieße nur mit Fotoapparaten. Das tut nicht weh.
Irgendwie endete mein Weg bald völlig. Ich kletterte durch ein trockenes Bachbett und hörte dann irgendwann die Hauptstrasse und begab mich in diese Richtung. Kurz bevor ich auf sie stieß hatte ich die beste Fernsicht des Tages.

Bild: Pannoramna der Bükk Berge.

Dann verarschten mich mal wieder tausende von Serpentinen und um halb neun erreichte ich nach 18 Kilometern meinen Wagen.
Meine Wanderung am nächsten Tag war sehr lehrreich. Endlich verstand ich etwas dass ich noch nie verstanden hatte. Nämlich warum es in Nationalparks verboten ist zu Zelten. Alle mit denen ich mich darüber unterhielt und die behaupteten diese Regelung zu verstehen begründeten das mit Naturschutz. Ich habe das nie so recht verstanden. Wie um alles in der Welt kann ich die Natur durch das Aufbauen eines Zeltes stören? Durch die Produktion eines Zeltes, ja! Aber durch seine Verwendung? Worum geht es bei diesem Gesetz? Um die platt gedrückten Grashalme die der Zeltboden hinterlässt? Oder fühlen sich die scheuen Wildtiere durch das laute Schnarchen des Zeltenden gestört? Ich habe es nie kapiert, aber auf meiner Wanderung am 20.09.2013 im ungarischen Bükk Nationalpark sollte ich es endlich verstehen und einsehen.
Das Zelten in Nationalparks ist verboten weil da sonst keine Hubschrauber mehr landen können!

Bild: Hubschrauberlandeplatz in den Bükk Berge.

Das leuchtet mir ein. Hätte da ein Zelt gestanden, der Sog des Hubschrauberrotors hätte es in die Luft gewirbelt. Das muss der Grund sein warum Zelten in Nationalparks verboten ist. Einen anderen gibt es nicht!
Das Ziel meiner Wanderung an diesem Tag war es der Hauptstrasse ein Stück weit Richtung Miskolc zu folgen um einen neuen Parkplatz zu finden. Deshalb beschloss ich den mir bereits bekannten Weg auf das Hochplateau hinaufzulaufen, den dort, so hatte ich bei meiner letzten Wanderung gesehen befand sich ein Wanderschild das Miskolc mit einer Distanz von 16 Kilometern auszeichnete. Ich wollte diesem Wanderzeichen folgen bis es auf die Hauptstrasse traf und von dort dann dem Asphalt zurück zu meinem Wagen folgen und so einen neuen Wohnort entdecken.
Unzählige Fahrradfahrer waren unterwegs als ich meinen Weg antrat. Neben meinem Parkplatz standen zwei Autos und von dort wurden Snacks und Getränke an die Radler verteilt. Irgendeine Art von "Volksfahrradtag". Ich lies mich nicht stören und wanderte Richtung Hochplateau das ich nach rund einer Stunde Marsch erreichte. Heute war das Wetter schöner und somit wirkte auch die Gegend eindrucksvoller.

Bild: Hochplateau in den Bükk Berge.

Auf diesem Hochplateau sah ich dann auch den Hubschrauber. Ich knipste ein Foto und ging kopfschüttelnd weiter. Die landen auch überall, mitten im Nationalpark. Mein Kopfschütteln verging mir allerdings als ich wenige Hundert Meter später einen Krankenwagen passierte. Neben dem Krankenwagen standen zwei Notärzte, 3 Fahrräder und zwei weitere Personen. Auf dem Boden lag ein großer grauer Müllsack der oben zugeschürt war. Den Dimensionen des Sackes nach zu urteilen lag in seinem inneren eine Person. Eine tote Person.
Ich muss unbedingt anmerken das ich es vollkommen richtig finde das Rettungshubschrauber in solchen Situationen auch in Nationalparks landen. Scheiß auf die paar aufgescheuchten Kaninchen, da brauchte ein Mensch Hilfe und zwar verdammt schnell. Leider kam diese Hilfe allen Anschein nach trotz Rettungshubschrauber zu spät.
Was ich weiterhin nicht verstehe ist warum das Zelten in Nationalparks, und eigentlich ja auch überall anders, verboten ist. Hätte an der Stelle an der der Hubschrauber landete ein Zelt gestanden, was ja auch ohne Verbot recht unwahrscheinlich gewesen wäre, dann hätte der Hubschrauber halt 50 Meter weiter links oder rechts landen müssen. Marktstände sind ja auch erlaubt obgleich auf dem Marktplatz theoretisch auch ein Rettungshubschrauber landen könnte.
Aus Gründen der Pietät fotografierte ich den Leichensack nicht sondern grüsste nur mit einem recht scheuen Kopfnicken und ging weiter.
Auf einer verdorrenden Blütenstaude taten sich einige Wanzen gütlich.

Bild: Wanzen in den Bükk Bergen.

Diese Tiere mit ihren kleinen rot-schwarzen Panzerschalen auf dem Rücken gibt es hier überall. Sie waren mir schon öfter aufgefallen so dass ich mir irgendwann einmal die Arbeit gemacht habe in einem Naturführer nachzuschlagen um welche Käfer es sich da handelt. Wenn ich das Bild im Buch richtig gedeutet habe, dann sind das Wanzen.
Ich überlegte daran ob ich einige dieser Tierchen einsammle um sie an Barack Obama und seine NSA zu verkaufen. Wie ich in den Nachrichten gehört habe, hat er und seine Geheimorganisation ja einen erhöhten Bedarf an Wanzen weil sie die in allen möglichen und unmöglichen Orten wie etwa Botschaftsgebäuden verstecken.
Leider habe ich keine Kontaktadresse zu Barack Obama oder der NSA, sonst hätte ich mal nachgefragt ob Interesse besteht.
Irgendwann traf mein Weg tatsächlich auf die Hauptstrasse. Ich warf einen Blick auf den Sonnenstand und beschloss dass es noch zu früh am Tag war um den Rückweg anzutreten. Also folgte ich der Strasse ein Stück weit talwärts und bog nach zwei Serpentinen wieder in den Wald ein. Es ging steil bergauf und dann erreichte ich Bükkszentkereszt.

Bild: Bükkszentkereszt, eine Ortschaft in den Bükk Bergen.

Auf der Suche nach so etwas wie einem Geschäft durchquerte ich erfolglos die Ortschaft. Zwar fand ich zwei kleine Läden, aber sie hatten geschlossen. Ich ging wieder zurück, folgte der Zufahrtsstrasse nach Bükkszentkereszt bis zur Hauptstrasse und dieser zurück zu meinem Wagen. Einige Male ging ich schmale Stichwege hinein und fand an dieser Stelle 48° 03.810N; 20° 34.591O tatsächlich einen wunderschönen Parkplatz mitten im nirgendwo, an einer Stelle wo mir der Ranger bestimmt Ärger machen würde wenn er mich dort fände. Aber ... ich bin fest davon überzeugt dass er mich dort nicht gefunden hätte.
Um halb neun in der Nacht erreichte ich nach über 28 Kilometern meinen Wagen. Ein Feuer brannte in der angelegten Feuerstelle als ich auf meinen Parkplatz einbog. Ich grüßte Freundlich und wurde erst einmal auf einen Wein eingeladen.
Meine Gastgeber waren ebenfalls Wohnmobilfahrer und hatten den Gleichen Parkplatz wie ich führ eine Übernachtung gewählt. Bis ca. 11 Uhr saßen wir beisammen, dann ging ich zu Bett.
Den Folgetag verbrachte ich vor dem PC und als ich am 22. nach Repashuta spazierte um noch einmal online zu gehen gelang mir das beste Rehbild das ich im Bükk Nationalpark aufnehmen sollte.

Bild: Reh in den Bükk Bergen.

Es wimmelt hier nur so von Wild. Ich habe noch nie in einer Gegend so viele Rehe in so kurzer Zeit gesehen. Auf dieser Seite zeige ich 3 Bilder. Gesehen habe ich mindestens 30 Tiere. Nachts, bzw. in der Dämmerung hört man die Hirsche Röhren. Jeden Abend, ausnahmslos!
Nachdem ich meine Arbeit im Netz beendet hatte machte ich mich auf den Heimweg und nutzte den Rest des Tages dazu meinen Wagen auf Hochglanz zu polieren. Denn morgen, am 23.09.2013 wollte das TV Team anrücken das vor hatte einen Kinofilm zu produzieren der unter anderem auch von meiner Person handelt.

Weiter geht es mit Dreharbeiten zum Film Into the wild :-)


Bild: Danke








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