oder: Pazifist auf Wohnmobiltour

Es war bereits nach 18 Uhr als ich mein Wohnmobil geparkt hatte und mich aufmachte die Innenstadt von Debrecen zu suchen.
Ich folgte der Strasse zurück, ging über die Brücke und folgte den Schildern "Centrum" die mich von diesem Ort an über Strassen führen sollten die für Fahrzeuge mit mehr als 5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht nicht legal zu befahren waren.
Nach rund 60 Minuten Marsch erreichte ich die Fußgängerzone.

Bild: Debrecen, Fußgängerzone

Geldwechseln! Ich brauche zunächst einmal ein wenig Landeswährung und dann, nach dem nervenaufreibenden Grenzübertritt hätte ich unheimlich gerne ein Bier.
Wechselstuben fand ich in ausreichender Menge. Auch Banken gab es wie Sand am Meer. Dummerweise war es mittlerweile bereit kurz vor 8 Uhr am Abend und alle Lokalitäten an denen man normalerweise Geld wechseln oder abheben kann hatten geschlossen. Aber ich konnte die Wechselkurse lesen. Für einen Euro bekommt man 294,50 Forint.
Ich fragte eine Gruppe Menschen die sich gerade angeregt in meiner Landessprache unterhielt ob sie wüssten wo ich um diese Uhrzeit Geld aufgetrieben bekomme. Aber bis auf den Tipp: "Geldautomat" konnten sie mir nicht helfen und Geldautomaten werden von mir boykottiert. Wenn mich ein Bankangestellter bescheißt, dann kann ich einem Bankangestellten sagen: "Ey, das stimmt nicht, du hast mich beschissen!" Wenn mich ein Geldautomat bescheißt, dann kann ich gar nix tun. Das glaubt mir hinterher kein Mensch und die Scheibe von dem Ding ist aus Panzerglas.
Ich folgte lauter Musik die sich bis in die Fußgängerzone ausbreitetet und gelangte so zum Forum. Einer großen Shopingmal am Rande des Stadtzentrums. Dort war eine Bühne aufgebaut auf der eine Liveband ungarische Rockmusik spielte. Außerdem gab es dort eine geöffnete Wechselstube. Der Kurs betrug nur 1:293, aber ich errechnete das mich der Spaß beim Wechseln einer 100 Euro Note "nur" 150 Forint, also rund 50 Cent kostet.
Ich wollte ein Bier, also ging ich wechseln.
29300 Forint erhielt ich folglich. Darunter eine 10000 Forint Note. Ich nahm den Schein in die Hand und begann auf Englisch die vielen Nullen zu zählen. "Einer, Zehner, Hunderter, Tausender, Zehntausender" ah, Stimmt! Die Frau von der Wechselstube musste Lachen.
Draußen spielte die Rockband deren Musik mir ganz gut gefiel. Ein Zelt mit einem Bierausschank war aufgebaut.
"Una Bere!" Das würde in Rumänien funktionieren aber ich hatte die Landesgrenze zu Ungarn passiert und wie ich hier ein Bier bestelle, das wusste ich nicht. "One Beer, how much?" Versuchte ich es auf Englisch. Doch der Barkeeper verstand mich nicht. "One!" Ich deutete auf die Zapfanlage. "How much?" Ich rieb Daumen und Zeigefinger aneinander. Jetzt zeigte mir der Barkeeper Münzen im Wert von 360 Forint.
360 Forint! Das ist weit über ein Euro! Für ein Bier im Plastikbecher! Spinnen die?
Ich wollte, nein ich brauchte ein Bier also bestellte ich so ein Ding und setzte mich damit an eine freie Bierzeltgarnitur.

Bild: Bier in Debrecen

Zum Aufnehmen des Fotos stellte ich die Kammara auf den Nachbartisch und schon hatte ich Gesprächspartner.
Eine junge Frau und ihre Freunde. Die Frau war gerade von einem einjährigen Erasmusjahr aus den vereinigten Staaten zurückgekehrt und sprach somit ein sehr gutes Englisch. Sie war aber auch die einzige Person an diesem Tisch mit der ich mich unterhalten konnte. Nach dem obligatorischen "Woher? Wohin?" wurde dann auch die Frage gestellt wie mir Ungarn gefalle.
"Nu ja, ich bin erst seit ein paar Stunden hier aber es erinnert mich stark an Deutschland."
"An Deutschland?!" Entgegnete meine Gesprächspartnerin deutlich verblüfft.
"Ja, an Deutschland. Ich hab die letzten Jahre meines Lebens in Ländern wie Bulgarien, Rumänien, Moldawien und der Ukraine verbracht. Glaub mir, das hier ist fast wie Deutschland!"
"Warum?" wurde ich gefragt und ich erzählte von den guten Fahrbahnverhältnissen, dem sauberen und aufgeräumten Erscheinungsbild der Stadt, den Mülltonnen und den fehlenden Hunden.
"Ah, und das erinnert dich an Deutschland? Und sonst, wie gefällt es dir sonst?"
"Wie gesagt, ich bin erst heute Mittag über die Grenze gefahren. Viel kann ich dir echt nicht sagen. Aber ich habe das Gefühl die Menschen haben Angst!"
"Wie die Menschen haben Angst? Wo vor sollen die denn Angst haben? Wie kommst du darauf?"
"Schau dich doch mal um! Hier sind hunderte von Fahrrädern (seit meinem letzten Hollandaufenthalt hab ich nie wieder so viele Fahrräder auf einen Haufen gesehen wie in Debrecen) die fahren in einem hell erleuchteten und verkehrsfreien Bereich außerdem ist es noch nicht einmal richtig dunkel und ich sehe kein einziges Radel das ohne Beleuchtung fährt. Du kannst mir doch nicht sagen dass die Leute so gerne neue Batterien für ihre Fahrradbeleuchtung kaufen oder die Beleuchtung hier für notwendig erachten. Die haben Angst, Angst vor der Polizei. Eben, als ich hier in die Stadt gelaufen bin stand ich vor einer roten Ampel. Ich stand in der prallen Sonne und weit und breit war kein Auto in Sicht. Mit mir standen dort noch 5 oder 6 andere Leute. Ich war der Einzige der bei rot gegangen ist. Ich laufe seit 2 Stunden durch die Stadt und ich habe noch keinen Hund ohne Leine gesehen. Ich weiß nicht was hier in dem Land abgeht, aber normal ist das nicht das mein Hund an der Leine ist, wie du siehst halte ich die noch nicht einmal fest. Auch ich habe Angst!"
Es dauerte eine Weile bis meine Gesprächspartnerin das von mir gesagte verdaut hatte und mir bestätigte das die ungarische Polizei sehr schnell darin sei Strafzettel zu verteilen und das die Strafen für ungarische Einkommensverhältnisse gigantische seien und gerade einkommensschwache Menschen häufig vor ein existenzielles Problem stellen würden.
Wie hoch die Strafen hier in Ungarn sind und für was man so alles Strafzettel bekommen kann, das sollte ich allerdings erst einige Tage später erfahren denn an diesem Tag machte ich mich nach einem weiteren Bier, zu dem ich eingeladen wurde, auf den Heimweg.
Am nächsten Tag zog ich etwas zeitiger Los um die Stadt zu entdecken. Schließlich hatte ich keinen Annweg, musste keine Grenze passieren und brauchte keinen Parkplatz für mein Wohnmobil zu suchen.
Das Erste was mir im Stadtzentrum auffiel war eine Fotoausstellung mit dem recht perversen Namen "Postcards from Afgahnistan".

Bild: Fotoausstellung Postcards from Afgahnistan Debrecen

Auf den Bildern dieser Ausstellung konnte man schwer bewaffnete ungarische Staatsdiener sehen wie sie damit beschäftigt sind ein Land militärisch zu unterdrücken das ihnen niemals etwas zu leide getan hat.
Diese, meine, Denkweise teilen übrigens viele Ungarn und deshalb wird diese Fotoausstellung 24 Stunden täglich von zwei uniformierten ungarischen Militärangehörigen bewacht.
Auf den Bildern deutlich zu erkennen sind schwere, gepanzerte und mit dem Wort "ISAF" beschriftete Fahrzeuge wie sie todbringende Raketen abfeuern. Man sieht dass Mündungsfeuer der Flakbatterien, Soldaten die den Abzug drücken und somit in weiter Entfernung für den Tod anderer Menschen verantwortlich sind und die ich, dank eines deutschen Gerichtsurteils, das mich, so meine persönliche Überzeugung (man muss ja aufpassen was man sagt, deshalb persönliche Überzeugung), in meiner Meinungsfreiheit einschränkt, dennoch nicht Mörder nennen darf. Was man auf den Bildern nicht sieht, das sind verstümmelte und blutüberströmte Leichen, zerstörte Häuser und weinende Kinder. Eben das was übrig bleibt nachdem so eine Rakete detoniert ist.
Angewidert gehe ich weiter und gelange zu einem Platz dessen Name übersetzt wohl so viel wie "between the fishes" also "zwischen den Fischen" bedeutet. Schmale Wassergräben durchlaufen einen belebten und gepflasterten Platz. Kneipen und Kaffeehäuser haben bei diesen Temperaturen ihre Ausenterasen aufgebaut und Kinder spielen zwischen den unzähligen Wasserfontänen und in den schmalen Wassergräben die gerade in der Nacht einfach toll ausschauen.

Platz: between the fishes Debrecen

Ganz hinten rechts im Bild befindet sich das Kaffee "Mocca". Es wirbt mit einer großen Tafel "We love dogs". Als ich dieses Schild erblickte begann ich Sympathie für das Kaffe zu empfinden und schaute mich nach so etwas wie einer Preisliste um. Lange suchte ich nicht bis ich von einem Kellner angesprochen wurde. "Sorry, englisch? German?" Der Kellner sprach sehr gutes Englisch und brachte meinem Hund zunächst einmal ein Schälchen Wasser. Dann bot er mir einen Sitzplatz an. "Hey, sag mir erst mal was so ein Bier hier kostet!" 380 Forint erhielt ich als Antwort. "Sorry Kollege, das liegt außerhalb meiner Preisvorstellung da bringt es auch nix wenn mein Hund ein Schälchen Wasser bekommt. Ich mag die Geste zwar sehr, und ich fühle mich an Orten immer wohl an denen ich das Gefühl vermittelt bekomme das mein Freund willkommen ist, aber das ist mir dennoch zu teuer."
´ Der Kellner hatte Verständnis für meine finanziellen Verhältnisse und ich hatte einen Ort gefunden an dem mein Hund kostenlos seinen Durst löschen konnte. Wann auch immer ich dieses Kaffe passierte bekam mein Hund etwas zu trinken, oft auch ein kleines Leckerchen das die Bedienung dieses Ladens grundsätzlich in der Hosentasche zu haben scheint und einmal, es war schon spät in der Nacht und dementsprechend leer, bekam sogar ich ein Bier. Ich habe keine Ahnung womit ich es mir verdient habe, aber es reicht wahrscheinlich einen Hund zu besitzen und dem freundlichen Kellner zu sagen: "Euer Bier kann ich mir nicht leisten!"
Einer meiner Lieblingsplätze in Debrecen wurde die Parkanlage vor einem Museum. Sie liegt nur wenige hundert Meter entfernt von einem der beiden sich im Stadtzentrum befindenden 24 Stunden Läden und ist selbst spät in der Nacht noch von jungen Menschen bevölkert.

Bild: Museum Debrecen

Eine Büchse Köbanya kostet laut der Preisauszeichnung im 24 Stunden Laden 179 Forint. Am Ende muss man dann aber 195 Forint zahlen. Beim ersten Mal fühlte ich mich betrogen und fragte die Bedienung nach dem Grund für den Aufpreis. Leider sprach die Bedienung kein Englisch aber der Kunde hinter mir erklärte mir die Sachlage.
"Nach 10 Uhr - 10% Aufschlag!"
Preisgünstiger als das Büchsenbier im kleinen 24 Stunden Shop ist ein frisch gezapftes in der "Latin Bar". Auch nach 10 Uhr kostet dort ein Glas Bier "nur" 170 Forint.
Die Latin Bar liegt, genau wie das Roncs, in welchem ich an meinem ersten Abend in der Stadt mehr als das doppelte für ein Bier bezahlt hatte, ganz in der nähe der Shopingmal "Forum".
Ein Besuch lohnt sich, denn dort lernt man sehr nette Menschen kennen.

Bild: Latin Bar Debrecen

Park und Latin Bar scheinen übrigens die einzigen Lokalitäten in der Stadt zu sein die 24 Stunden am Tag geöffnet haben. Ja, kein Quatsch! Die Latin Bar ist rund um die Uhr für ihre Kunden geöffnet. Ich empfehle sie vor allem Menschen die im Stadtzentrum einmal müssen. Es gibt zwar öffentliche Toiletten im Stadtzentrum aber ihre Benutzung kostet 100 Forint. Das "vor den Baum pinkeln" kostet, wenn man erwischt wird, 30000 Forint. So erzählt es mir zumindest ein junger Mann den ich in dem Park kennen gelernt habe. Er macht eine Ausbildung als Bäcker und verdient knappe 50000 Forint. Als ihn die Polizei dann dabei erwischte wie er eine Notdurft verrichtetet, die uns alle in regelmäßigen Abständen heimsucht, durfte er gleich weit über die Hälfte seines Einkommens an den ungarischen Staatsapparat entrichten. Hoffentlich muss der arme Kerl nicht 2 Mal im Monat pinkeln, denn das könnte er sich nicht leisten.
Wenn ich mich also in der Stadt aufhalte, pinkeln muss und Angst vor der allgegenwärtigen Polizei habe die man, wenn sie gerade einmal nicht anwesend ist, auch sehr schnell über so genannte "Petzsäulen"

Bild: Petzsäulen Debrecen

rufen kann, (Da pinkelt einer gegen den Baum! Kommen sie schnell, bevor der sein Teil wieder eingepackt hat) dann kostet mich ein Bier in der Latin Bar nur noch 70 Forint den die Toilette gibt es für Kunden gratis. Im Gegensatz zu den öffentlichen Toiletten hat diese Toilette 24 Stunden täglich geöffnet und auch wenn der Laden wohl Steuern bezahlt gehen so wohl nicht ganze 100 Forint an den ungarischen Staat sondern nur einige wenige. Immer wenn ich musste bin ich entweder auf einen privaten Parkplatz in Zentrumsnähe gegangen (der Parkplatzheini hatte Verständnis für die Notdurft seiner Mitmenschen und man durfte kostenlos in den Grünstreifen hinter seinem Parkplatz pinkeln) oder eben in die Latin Bar.
Wenn ich nicht musste habe ich allerdings die Parkanlage bevorzugt auch wenn ein Bier dort auf den ersten Blick teurer erscheint. Bei genauerer Betrachtung ist es dort nämlich umsonst!
Jawohl, in Ungarn gibt es Pfandflaschen und diese werden von dem kleinen Laden akzeptiert. Auf Bierflaschen gibt es 25 Forint und auf Weinflaschen sogar 40 Forint. Es ist wirklich nicht besonders schwierig sich rasch ein Bier zusammen zusammeln. Eigentlich braucht man nichts weiter tun als in dem Park zu sitzen und immer dann aufzustehen wenn sich eine Gruppe Leute anschickt zu gehen. Die werfen dann nämlich eine Flasche Wein und 3 Bierflaschen in die Abfallbehälter. Schwups hat man schon über ein halbes Bier für Ume!
Auch für PET Flaschen und Aluminiumbüchsen bekommt man in Ungarn Bargeld. Diese Getränkeverpackungen werden aber nicht von allen Geschäften zurückgenommen sondern nur von den großen Megastores mit Annahmeautomaten.

Bild: Pfandflschenannahmeutomat Debrecen

Wie man lesen kann gibt es für 5 PET Flaschen 5 Forint, also 1 Forint pro Flasche wobei die Mindestabgabemenge 5 Flaschen beträgt. Für Büchsen erhält man 2 Forint pro Stück und auch hier liegt die Mindestrückgabemenge bei 5 Büchsen.
Ich habe es ausprobiert. Die Rückgabe von Büchsen geht noch recht einfach. Man schiebt sie, verbeult oder nicht, einfach durch ein rundes Loch hindurch auf so eine Art Förderband. Die Maschine zählt die Büchsen und wenn man fertig ist drückt man auf einen Knopf und bekommt eine Quittung. Diese kann man dann beim Einkauf verrechnen oder sich auch in Bar auszahlen lassen.
Ähnlich geht das auch mit PET Flaschen. Nur das man von jeder Flasche einzeln den Verschluss abschrauben muss um sie anschließend auf so einen konischen Zylinder zu stecken. Dann schließt sich ein Türchen, es hört sich so an als ob die Maschine die Flasche zuerst aufpumpt und anschließend zerstampft und dann öffnet sich die Türe wieder und man kann die nächste Flasche aufstecken. Wenn ich überlege das ich für einen Euro nicht nur 293 Flaschen sammeln, und dann zum Annahmeautomaten tragen muss, sondern auch noch 293 Mal geschätzte 7 Sekunden warten muss bis der Annahmeautomat bereit ist mir die nächste Pulle abzunehmen, dann bin ich zu dem Entschluss gekommen das es für mich lukrativer ist meine Zeit vor dem PC zu verbringen als Flaschen zu sammeln.
Aber Bier und Wein - das ist schon fein :-)
Am Abend des 15. Juni war ich dann mit Krisztina verabredet. Krisztina gehört zu meinen ungarischen Freunden die ich bereits in Sighistel kennen gelernt hatte. Dort sprachen wir unter anderem auch über den Verlauf meiner weiteren Reise und da Krisztina quasi auf dem Weg wohnte tauschten wir E Mail Adressen und Krisztina lud mich herzlich ein sie zu besuchen wenn ich in Debrecen vorbeikommen würde. Irgendwann, vor einigen Wochen hatte sie mir schon einmal geschrieben wo ich denn bleibe und ich antwortete das ich auf dem Weg sei aber noch etwas Zeit bräuchte. Als ich hier ankam gehörte es zu einer meiner ersten Amtshandlungen Krisztina von meiner Ankunft zu informieren. Jetzt waren wir verabredet und zwar um 8 Uhr vor der gelben Kirche.
Es war etwa 16 Uhr, ich saß im Park vor dem Museum und futterte einige Pfannkuchen die ich im Wagen vorbereitet hatte, als Krisztina plötzlich neben mir stand. Sie hatte mich aus dem Fenster eines Gebäudes gesehen in welchem Ihre Tochter gerade Tanzunterricht bekam und beschlossen hinunter zu kommen um "guten Tag" zu sagen. Da sie ihren Nachwuchs aber erst nach Hause fahren musste und noch einiges zu tun hatte trennten sich unsre Wege sehr bald wieder und wir trafen uns dann wie ursprünglich vereinbart um 8 Uhr vor der Kirche.
Von dort zogen wir zu einem außerhalb gelegenen Park weiter wo wir uns bis ca. 3 Uhr in der Früh über die Eigenarten der deutschen Sprache unterhielten.
Krisztina war dabei die deutsche Sprache zu erlernen. Ein Freund von Ihr arbeitet als Maler in Deutschland und er könne kein Wort Deutsch. Wenn sie dort ankomme und Deutsch spräche, dann könnte sie gleich in die Chefetage einsteigen. Träumte Sie.
Ich überlegte lange daran ob ich Ihr erklären soll dass sie da falsch denkt. Ihr Freund ohne Deutschkenntnisse, der kann sicherlich einen Pinsel halten und deshalb hat er einen Job bei einer Firma die Maler und Anstreicherarbeiten ausführt. Nicht jeder Deutsche kann mit einem Pinsel eine gerade Linie ziehen aber Deutsch zu sprechen, das ist in Deutschland keine besondere Qualifikation. Schließlich spricht dort jeder Deutsch und zwar entschieden besser als Krisztina.
Ich nahm davon Abstand meiner Freundin diesen Sachverhalt auseinanderzulegen. Stattdessen unterhielten wir uns über die deutsche Grammatik.
Krisztina konnte das alles begründen. Genitiv, Akkusativ, Plusquamperfekt … Was die für Worte drauf hat, wow!
Nur wann es der, wann es die und wann es das heißt, das konnte sie einfach nicht verstehen. Da ich ihr selbst auch nicht weiterhelfen konnte, und schon gar nicht mit Worten wie "Plusquamperfekt" schrieb ich sehr zeitnah den Forenbeitrag "Der, die, das - Deutsche Grammatik" Er enthält nicht nur die Bitte das mir irgend jemand eine Regel für dieses Phänomen nennt, sondern auch so in etwa den Verlauf unseres Gespräches denn die dort angeführten Beispiele sind auch die beispiele an Hand derer wir diskutierten.
Auch am nächsten Tag traf ich mich mit Krisztina. Sie war derzeit im Mutterschaftsurlaub und zeigte mir ihre Wohnung und die angrenzende Umgebung.
Einen Tag darauf war dann Autofahren angesagt. Um 14 Uhr trafen wir uns an der Kirche. Es war brütend heiß. Mit Krisztinas kleinem Suzuki Swift ging es dann zu einem rund 10 Kilometer entfernten Badesee. Dort müsse man, so informierte mich Krisztina, ein kleines Eintrittsgeld bezahlen aber ich sei eingeladen. Am Ende entpuppte sich das kleine Eintrittsgeld als 1000 Forint. Rund 3 Euro um in einem See schwimmen zu dürfen!
"Warum schwimmen wir nicht dort vorne? Da, neben dem Schwimmbad!"
Das sei nicht erlaubt, und wenn wir von der Polizei erwischt würden, dann müssen wir ein hohes Bußgeld bezahlen erwiderte meine Begleitung.
"Wer soll uns hier schon erwischen?!"
Glücklicherweise waren in dem kostenpflichtigen Bereich des Sees Hunde verboten und so kam es das wir doch neben dem Schwimmbad schwammen.

Bild: Badesee Debrecen

Das gemütliche beisammensitzen auf Kriztas Wolldecke und das verspeisen von Latcho (Lecso), einer ungarischen Tomaten, Zwiebel, Paprika Suppenpampe die sehr lecker ist und die Krisztina eigens für mich gekocht hatte, wurde von lustigem Vokabeltraining unterbrochen.
"Was macht der Frosch da?"
"Quacken!"
"Quacken?! Quacken, danke!"
Etwas später dann:
"Wie heißt dieser Vogel? Ente?"
"Äh … nö, ne Ente ist das nicht. Keine Ahnung, Wasservogel!"
"Ich dachte du kannst Deutsch?"
"Ja, kann ich ja auch. Aber ich bin doch kein Biologe oder Vogelkundler. Was weiß ich, Haubetaucher oder Moorhuhn oder so. Wasservogel, das ist ein Wasservogel! Schließlich kann der schwimmen und fliegen."
Im Gegenzug vertiefte ich meine Fähigkeiten im Gebrauch der ungarischen Sprache. Kösenem oder auch Kössi oder noch kürzer Köss, das hatte mit Krisztina schon beigebracht und es heißt Danke. Welches dieser drei Worte man benutzt, dass kann man sich frei aussuchen. Eigentlich heißt es Kösenem aber die andern beiden Worte sind auch gebräuchlich.
Hello, Hello hatte ich schon ohne Krisztinas Hilfe erlernt. Eigentlich ist Hello gar kein ungarisch. Aber es ist weit verbreitet und bedeutet, wie soll es anders sein: "Hallo".
Etwas witzig an der Sache ist das es auch "Auf wieder sehen" bzw. "Tschüss" bedeutet. Es kostet mich heute noch Überwindung anstelle von "God bye" "Hello" zu sagen. Aber hier in Ungarn ist das normal.
Hier am illegalen Teil des Badessees erlernte ich dann noch "Jo Kutschja." Das heißt so viel wie "guter Hund" oder auch "der beißt nicht" eigentlich wohl eher "guter Hund" und seit dem ich diese Worte kenne überlege ich daran in welchem anderen Land das ich während meiner Reise besuchte Hund ebenfalls Kutschja hieß. Bulgarien??
Ebenfalls sehr wichtig ist "bogje" Das heißt Entschuldigung. Gleich am nächsten Tag konnte ich dann erlernen wie man es anwendet. Ich stand an der Kasse eines Supermarktes. Vor mir 5 Leute, hinter mir 5 Leute. Eine Frau ging an der Schlange vorbei "bogje, bogje, bogje, bogje" erreichte die Kasse, reichte der Kassiererin ihre Einkäufe, zahlte und verschwand.
Wichtig auch: Egischegedere! Ja, so ein kompliziertes Wort haben die Ungarn für Prost. Ich wette dass die das mit 3 Promille selber nicht mehr aussprechen können. Aber man kann es auch im Sinne von "Gesundheit" oder "Guten Appetit" einsetzen.
Wenn man es aber für Prost einsetzen mag, dann muss man vorher ein "Schöre", ein Bier erwerben.
Wirklich einfache Vokabeln der Ungarischen Sprache sind: WC-Papier und Film. Ich glaube ich kann es mir sparen diese Worte für euch zu übersetzen.
Krisztina versuchte auch noch mir Ja und Nein beizubringen was adin und nem heißt. Aber das konnte ich mir an diesem Tag noch nicht merken.
(Bevor ich jetzt wieder mit Kritik überhäuft werde möchte ich anmerken das alle Ungarischen Vokabeln Rechtschreibfehler enthalten. Ich hab das so geschrieben wie ich denke das man es spricht. Die Ungarn haben so ganz komische Buchstaben die ich nicht auf meiner Tastatur finde und die einem Deutschen ohnehin nichts nützen da er im allgemeinen nicht weiß wie er sie auszusprechen hat)
Gegen 18 Uhr erreichten wir wieder das Stadtzentrum und unsere Wege trennten sich. Ich setzte mich auf die Stufen vor der Kirche, klappte den Rechner auf und beobachtete ganz nebenbei einige Kunstradfahrer die waghalsige Kunststücke mit ihren Fahrrädern vorführten.

Bild: Kunstradfahren Debrecen

Schon am nächsten Tag sollte sich mir selber die Möglichkeit bieten Debrecen aus der Perspektive eines Fahrradfahrers zu erleben.

Bild: Fahrradtour Debrecen

Wie gewohnt traf ich mich mit Krisztina an der Kirche. Von dort gingen wir zu ihrem Auto und mit dem fuhren wir zu ihrer Wohnung. Auf dem Weg sprang Krisztina rasch in ein Verwaltungsgebäude. Sie hatte einen Strafzettel zu bezahlen. 30000 Forint wegen falsch parken. Als wir ihr Wohnhaus erreichten zeigte sie mir wo sie geparkt hatte. Vor ihrem Haus, sie hatte ein schlafendes Kind nachhause zu tragen und parkte deswegen vor dem 9geschossigen Hochhaus in dem sie wohnt. Klar ist das nicht erlaubt. Aber es gefährdet und behindert auch niemanden. Krisztinas Wohnblock liegt hinter einer großen Wiese. Vor der Wiese gibt es einen großen Parkplatz und die Zufahrt zu der Asphaltstrasse die zu den Hochhäusern führt ist durch so einen Eisenpfosten versperrt. Aber mit einem Kleinwagen kann man diesen Pfosten bequem umfahren ohne Reifenspuren in der Grünanlage zurücklassen zu müssen. Auch in Deutschland würde ein solches Vergehen geahndet. Aber ich schätze eher mit 20 Euro und nicht mit 100 Euro. Ganz nebenher hat Deutschland ein ganz anderes Lohnniveau. Das die Ungarn schlicht und einfach ihr Leben in Angst vor Strafe verbringen, das scheine ich nach wenigen Stunden Aufenthaltszeit sehr richtig bemerkt zu haben.
Hier an Krisztinas Wohnhaus bekam ich jedenfalls das Fahrrad ihres Ehemannes geliehen und mit dem ging es erst zum Froschtümpel

Bild: Stadtpark Debrecen

Ja, das ist der Name dieses Sees wenn man ihn ins Deutsche übersetzt. Froschtümpel! Hallo Heinz *wink. Neuigkeiten vom Froschtümpel: Nach Umwanderung nicht mehr durstig.

Bild: kostenlose Kneipe Debrecen

Ihr merkt es am Datum, die Bilder sind an einem anderen Tag aufgenommen worden. An einem Tag an dem ich alleine unterwegs war. An diesem Tag hatte ich zum Fotografieren nämlich keine Zeit. Ich war schließlich damit beschäftigt mich zu unterhalten, Deutsch zu lehren und Ungarisch gelehrt zu bekommen.
Vom Froschtümpel ging es jedenfalls weiter in den "großen Wald" und der Wald ist wirklich groß. Nur rund 40 Minuten Fußweg vom Stadtzentrum Debrecens entfernt gibt es einen richtigen Wald. Keinen Park, sondern einen Wald. Zwar sind die Wege wie mit dem Lineal gezogen und es kommen einem auch recht viele Jogger entgegen. Aber es handelt sich dennoch um einen richtigen Wald den wir 6 oder 7 Kilometer durchradelten bis wir Debrecen-Pallag erreichten. Einen Außenbezirk von Debrecen wo wir uns in einem Glas Bier Geschäft stärkten bevor wie den Heimweg antraten.
Den Rückweg von Krisztina Richtung Innenstadt ging ich dann zu Fuß und auf diesem Weg entdeckte ich Tesco extra. "Nyitva 0-24" kann man auf seiner Fassade lesen. Also "geöffnet von 0-24 Uhr!"
Auch wenn Tesco rund 10 Minuten vom Stadtzentrum entfernt ist, so würde ich ihn als den dritten 24Stunden Laden in Debrecen bezeichnen. Im Gegensatz zu den anderen Beiden nimmt er nach 22 Uhr auch keine 10% Aufschlag. Tesco extra ist ein riesen Schuppen. Er hat nicht nur Annahmeautomaten für alle möglichen und unmöglichen Sorten von Pfandflaschen sondern in seinem Inneren kann man vom Motorskooter über Flachbildschirme bis hin zu Kartoffeln alles kaufen was man braucht und was man nicht braucht.
Ich brauchte meistens Käsebrötchen. Käsebrötchen, also mit Käse überbackene Brötchen gibt es in der hauseigenen Bäckerei für 35 Forint das Stück. Was wirklich praktisch an dem Laden ist, das sind die Selbstbedienungskassen. Sie bewahren den jungen Kunden, der mit dieser modernen Technik umgehen kann, nämlich davor sich an einer Kasse anstellen zu müssen.
Man spaziert also mit seinen Einkäufen zu dem Selbstbedienungsterminal und drückt zunächst einmal auf die Taste "Deutsch". Dann begrüßt einen die Kasse sehr freundlich mit den Worten: "Bitte scannen sie ihren ersten Artikel" Dummerweise haben Brötchen keinen Strichcode so das man statt dessen auf den Knopf für Backwaren drücken muss. Dann drückt man auf Brötchen und anschließend auf Käsebrötchen. Das ist ganz einfach, weil die Kasse ganz tolles Deutsch kann. Anschließend gibt man die Menge ein und legt seine Brötchen auf die "Einpackstation". Jetzt überprüft der Computer das tatsächliche Gewicht der Einkäufe mit dem Gewicht das in seinem elektronischen Gehirn gespeichert ist. Stimmt alles, dann ist er zufrieden. Hat der Bäcker es bei der Zubereitung der Brötchen allerdings sehr gut mit der Teigmenge gemeint, dann blinkt eine rote Lampe und das Ding fängt an zu piepen. Dann kommt ein Verkäufer angerannt und zählt die Brötchen nach. Stimmt alles ist er zufrieden und gibt so einen Verkäufersicherheitscode ein. So etwas passiert aber nur sehr selten, normal kann man nach der Mengeneingabe der Brötchen auf den Knopf "Abschluss, Zahlung" drücken, das Geqautsche "Bitte scannen sie ihre Clubkarte" getrost ignorieren und auf "Bargeldzahlung" drücken. Die Kasse hört nicht auf etwas von Clubkarte zu erzählen, das hat mich am Anfang verwirrt aber wenn man sie gekonnt ignoriert und einen Geldschein in den dafür vorgesehenen Schlitz schiebt, dann klappt das alles auch ohne Clubkarte. Mann bekommt sein Wechselgeld und kann gehen.
Ich kenne diese Art der Kassen aus Deutschland. Der Real Markt in dem ich gelegentlich eingekauft habe, der hat auch so etwas. Und schon damals fand ich die Teile entschieden besser als anstehen und warten. Außer in dem heimischen Real an der B1 Richtung Mülheim habe ich solche Kassen noch nirgendwo gesehen. Und jetzt sehe ich die Dinger in Ungarn wieder. Kein Wunder das mich dieses Land an Deutschland erinnert und das nicht nur weil ich wieder in das Gebiet der mitteleuropäischen Zeitzone eingereist bin.
Was man aber auf gar keinen Fall tun sollte ist auf den Gedanken zu kommen seine Einkäufe in einer der ausliegenden Plastiktüten zu verstauen. Dann nämlich wird man beim Verlassen des Kassenterminals von einem Securitymitarbeiter aufgehalten der einen behandelt wie einen Schwerverbrecher.
Plastiktüten muss man Scannen, sie kosten 35 Forint! Genauso viel wie ein Brötchen. Das diese Tüten etwas kosten steht aber nirgendwo. Zumindest nicht in einer Sprache die ich lesen kann.
Das hab ich auch versucht dem Security Menschen zu erzählen, aber der hat mich wie immer nicht verstanden.
In Ungarn gibt es Selbstbedienungskassen in den Supermärkten. Aber was das Bildungsniveau der Bevölkerung in Sachen Englischkenntnisse angeht, so würde ich Ungarn auf die Gleiche Stufe wie Moldawien setzen. Entwicklungsland!
Die Ungarn lernen zwar Englisch in der Schule, aber ihnen fehlt jegliche Praxis was wahrscheinlich nicht zuletzt auch daran liegt das die Ungarn, genau wie die Deutschen auch, vollsynchronisierte Filme schauen. Anders als die Rumänen, Bulgaren, Kroaten oder Griechen die Filme grundsätzlich in Originalsprache mit Untertitel schauen gucken die Ungarn Fernsehen auf Ungarisch. Wie in Deutschland eben.
Vielleicht zeige ich euch an dieser Stelle einfach mal ein Paar Bilder von Debrecen die ich zwar aufgenommen habe, zu denen ich aber nicht besonders viel zu erzählen hab.
Auch am Folgetag traf ich mich am Abend mit Krisztina. Diesmal lernte ich auch Peter, ihren Ehemann, kennen. Gemeinsam setzten wir uns in den kleinen Park vor dem Museum und Krisztina war voll damit beschäftigt für ihre bessere Hälfte zu übersetzen.
Die Nacht vom 20. zum 21. Juni 2013 verbrachte ich nicht in meinem Wohnmobil. Da es am Vorabend sehr spät geworden war schlief ich sehr lange. Danach verbrachte ich noch einige Stunden vor dem PC und so kam es das ich das Stadtzentrum erst gegen 20 Uhr erreichte.
Schnell waren einige Flaschen gesammelt die ich in ein köstliches Köbanyai eintauschte. Mit diesem Bier setzte ich mich wie gewohnt in den Park wo ich auf eine Gruppe junger Menschen traf mit der ich die Nacht verbrachte. Bis ca. 3 Uhr in der Früh saßen wir im Stadtpark und dann zeigten mir meine Freunde das Latin Kaffe. Gegen 8 Uhr am Morgen spazierten wir gemeinsam zu Tesco um ein Frühstück zu erwerben und so gegen 10 Uhr machte ich mich dann auf den Heimweg. Ich kam genau zur richtigen Zeit um einen Blick auf den großen Flohmarkt zu werfen der ganz in der Nähe meines Wohnortes stattfand.

Bild: Flohmarkt Debrecen

Ein Flohmarkt wie ich ihn aus Deutschland kenne war das nicht. Ich hatte eher den Eindruck das er ausschließlich aus Händlern besteht die ihre Waren auf deutschen Flohmärkten einkaufen. Die Privatanbieter die den Erbnachlass ihres verstorbenen Großvaters veräußern und bei denen man manchmal ein echtes Schnäppchen machen kann, die vermisste ich hier gänzlich. Jeder Anbieter hatte sich auf ein gewisses Sortiment spezialisiert und ich fand die Preise für gebrauchten Plunder mehr als gesalzen. Gebrauchtes Hollandrad ohne Gangschaltung aber in einem recht guten Zustand ab 20000 Forint, ein Asus Eee901, ein Netbook wie ich es mein eigen nenne mit starken Gebrauchsspuren aber anscheinend funktionsfähig 45000 Forint. Das sind 150 Euro! Mit etwas Glück bekomme ich das Teil für 250 neu mit Garantie.
Ich betrachtete die Waren und kaufte am Ende ein Kilo Kaffe für 1300 Forint. Das ist für Ungarn ein ganz guter Preis.
Gegen 13 Uhr Mittags war ich am Wagen. Es war viel zu heiß um zu schlafen, dennoch döste ich ein wenig in meinem eigenen Saft bevor ich am Abend zur "Nacht der Museen" wieder in die Stadt spazierte.
An diesem speziellen Tag kann man für einen geringen Preis ein Ticket erwerben mit welchem man dann freien Zugang zu allen Museen der Stadt hat. Außerdem haben die Museen an diesem speziellen Tag auch mitten in der Nacht noch geöffnet. Ich habe keine Ahnung wie gering der "geringe Preis" ist. Ich habe einen Hund und ein Hund ist in Museen nicht willkommen. Darüber hinaus glaube ich auch dass ich nicht besonders viel Freude daran hätte mir eine Ausstellung mit Bildern ungarischer Maler anzuschauen.
Deswegen zog ich es vor der Außenparty beizuwohnen.
In dem Park, in welchem ich sonst so gerne ein Bier trank, fand eine Feuershow statt.

Bild: Nacht der Museen Debrecen

Eigentlich handelte es sich um ein Theaterstück. Die Prinzessin wurde von einem bösen Drachen entführt und der tapfere Prinz hat den Drachen dann getötet. So oder so ähnlich.
Nach der Vorführung zog ich zum "modem" weiter. Das scheint auch so eine Art Museum zu sein und unmittelbar davor hatte die fahrende Robur Techno Disco ihre Lautsprecher aufgestellt.

Bild: Robur Techno Disco Debrecen

Arsch geile Karre, aber die Musik war schrecklich. Können die nicht mal Rock oder Punk spielen? Von diesem Techno Bum, Bum, Bum wirste ja meschugge in der Birne.
Im inneren des "modems" waren erwachsene Menschen damit beschäftigt Plakafarben auf aufgestellte Leinwände zu kleckern.
Ja, so was hat mir im Kindergarten auch Spaß gemacht.

Bild: modem Debrecen

Dafür fand ich Gefallen an diesem Fahrrad:

Bild: Fahrrad, fahrender zaun

Fahrrad ist wohl das falsche Wort. Zaun mir Pedalen wäre wohl zutreffender. Aber das Ding fuhr, man konnte es ausprobieren.
Sehr lange blieb ich der "Nacht der Museen" nicht treu. Ich hatte in der vergangenen Nacht kein Auge zu getan und meinen Schlaf während des Tages konnte man aufgrund von unerträglicher Hitze im Wageninneren nicht wirklich Schlaf nennen. Darüber hinaus wusste ich auch am Folgetag nicht unbegrenzt ausschlafen zu können. Denn um 10 Uhr in der Früh war ich mit Krisztina am Froschtümpel verabredet. Dort wartete sie mit einer Freundin und einem weiteren Fahrrad auf mich. Mit den Rädern fuhren wir rund 10 Kilometer zu dem kleinen Schrebergarten den Krisztina und ihre Familie ihr Eigen nennt.
Zuerst wurden über dem offenen Feuer Nudeln mit Gulasch gekocht. Ein typisches ungarisches Gericht wie ich erzählt bekam. Aber da musste ich meine Gastgeber eines besseren belehren. Nudeln mit Gulasch gibt es auch in Deutschland was sich jetzt allerdings nicht irgendwie negativ auf dem Geschmack des Gerichtes auswirkte.
Anschließend wurde mit der gesamten Familie nebst mir und einem befreundeten Pärchen "Activity" gespielt.

Bild: Activity, Geselschaftsspiel Debrecen

Activity ist ein Spiel bei dem man, je nach dem auf welchem Spielfeld man mit seinem Figürchen gelandet ist, Worte entweder zeichnerisch, pantomimisch oder umschreibend darstellen muss. Ich spiele im realen Leben sehr häufig Activity. Nur das mich kein Regelwerk bevormundet ob ich das Wort das ich ausdrücken möchte nun zeichnerisch, pantomimisch oder umschreibend ausdrücke. Wenn ich mich mit einem Menschen unterhalte mit dem ich keine gemeinsame Sprache finde nutze ich alle drei Möglichkeiten gleichberechtigt nebeneinander. Nur das ich normalerweise Worte umschreibe die ich kenne und nicht Worte mit wohlklingenden Namen wie: "Haszunkulus" oder "tirgisbucfenc".
Krisztina übersetzte zunächst einmal die Worte für mich in das Deutsche und dann begann ich zu zeichnen oder halt auch zu reden. Selbstverständlich in Deutsch so das ich meine Dolmetscherin richtig forderte. Ich zeichnete sogar ein Wort das übersetzt soviel wie "Hirschpilz" bedeutete. Ich hab das sogar geschafft! Obgleich ich bis zum heutigen Tage nicht habe herausbekommen können was um alles in der Welt ein Hirschpilz ist.
Mit einer Runde "Gartengolf" ließen wir den Tag ausklingen.
Gartengolf wird folgendermaßen gespielt: Man legt eine Frisbee oder einen andern Flachen Deckel als Golfloch auf die Wiese. In einiger Entfernung davon legt man einen Fußball. Jetzt muss jeder Teilnehmer versuchen den Ball mit möglichst wenigen Tritten in das Golfloch zu befördern. Gar nicht mal so einfach wie es sich anhört.
Auch an den folgenden Tagen traf ich mich mit Krisztina. Wir fuhren noch einmal zu dem Badesee und auf dem Rückweg stieg meine Freundin an einer Ampelanlage, die unmittelbar vor uns von grün auf gelb umsprang, derart in die Eisen das mein Hund fast durch die Windschutzscheibe geflogen wäre.
"Bis du verrückt? Bei so einer Situation trete ich auf das Gas und nicht auf die Bremse. Du kannst doch nicht versuchen einen Wagen innerhalb von 30 Metern von 70km/h zum stehen zu bringen nur weil die blöde Ampel da umspringt. Stell dir mal vor da wäre einer hinter uns gewesen."
"Guck mal was da oben hängt" Krisztina deutete auf eine Kammara "Ich kann es mir echt nicht leisten noch einmal 30000 Forint Strafe zahlen zu müssen."
Die sind bescheuert die Ungarn! Gelb ist wahlweise dunkel grün oder hell rot. Da kann ich als Autofahrer verkehrsbedingt entscheiden was ich tue und wenn bremsen mit quietschenden Reifen verbunden ist, dann entscheide ich mich für Gas!
Die Meiste Zeit verbrachte ich aber zusammen mit dem dreijährigen Nachwuchs meiner Deutschschülerin auf irgendwelchen Kinderspielplätzen der Stadt und an den Abenden trafen wir uns mit einer Gruppe junger Leute in der Parkanlage vor Krisztinas Wohnblock.
Dabei lernte ich Birgi kennen. Im Gegensatz zu Krisztina deren Deutsch zwar verständlich aber doch … nun wie soll ich es sagen? … doch sehr gewöhnungsbedürftig ist sprach Birgi meine Muttersprache Akzentfrei und sie hatte auch keine Probleme die drei deutschen Artikel richtig anzuwenden. Sie hatte einige Jahre ihrer Kindheit in Deutschland verbracht und arbeitete nun in einem Callcenter der deutschen Telekom. Ihr Job war die Kundenbetreuung.
Menschen die sich einen Internetanschluss der deutschen Telekom anschaffen und anschließend mit der komplizierten Technik nicht klarkommen wählen die Servicehotline für technischen Support und aller Wahrscheinlichkeit nach landen sie dann in Ungarn und mit etwas Glück bei Birgi die ihnen dann freundlich erklärt wo die Fritz Box ihren An- und Ausschalter hat.
"Braucht ihr da nicht noch Leute?"
"Doch klar, wir suchen immer Leute die gutes Deutsch sprechen. Hast du etwa vor hier zu arbeiten?"
"Wenn es sich ergibt würde ich schon so ein halbes bis ganzes Jahr pausieren und ein wenig Geld verdienen. Von irgendetwas muss ich schließlich tanken."
"Ja dann!" Birgi war hell auf begeistert was wahrscheinlich nicht zuletzt daran liegt das die Telekom ihr eine Vermittlungsprovision in Höhe von knapp 200 Euro für die Anwerbung eines neuen Mitarbeiters zahlt. "Dann brauchen wir einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben von dir. Warte …" Birgi kramte nach ihrem internettauglichen Mobiltelefon, verband sich mit dem allgegenwärtigen WiFi Netzwerk "Debrecen-Free" recherchierte die E Mail Adresse für Bewerbungen und gab sie mir.
"Zunächst wirst du 3 Wochen lang geschult. Aber in der Zeit verdienst du schon ganz normal. Die Telekom zahlt dir 400 Euro/Monat und 100 weitere Euros in Lebensmittelgutscheinen. Damit kannst du zum Beispiel in der Kantine essen gehen, dir eine Pizza in der Stadt kaufen oder sie einfach bei Aldi ausgeben."
Am nächsten Tag schickte ich meinen Lebenslauf nebst "Motivationsschreiben" an die Adresse die ich von Birgi erhalten hatte. Dann war warten angesagt.
Am 26. traf ich mich ein Letztes Mal mit Krisztina. Lebwohl sagen stand auf der Tagesordnung. Normalerweise ist es ja so das ich es bin der irgendwann weiterzieht und seine neu gewonnen Freunde zurücklässt, aber diesmal war es anders herum. Krisztina hatte ein Bahnticket zu ihrem Freund in München. Mit ihm wollte sie sich treffen um alle wichtigen Dinge zu besprechen damit sie als deutschsprachige Mitarbeiterin schon bald in die Chefetage des Malerbetriebes einsteigen kann. So oder so ähnlich.
Gemeinsam spazierten wir durch das nächtliche Debrecen und erreichten bald die Universität.

Bild: Universität Debrecen

Ob ich noch da sei wenn sie zurückkäme? "Kommt drauf an ob das mit dem Job klappt oder nicht. Im Grunde verspüre auch ich Lust das Weite zu suchen."
Gegen Mitternacht verabschiedeten wir uns dann endgültig und ich trat, wie so oft in den letzten Tagen, meinen rund 7 Kilometer langen Heimweg an der mich mehr oder weniger vollständig von Süd nach Nord quer durch ganz Debrecen führt.
Da es aller Wahrscheinlichkeit nach das letzte Mal sein sollte das ich diesen Weg laufe beschloss ich ein wenig zu fotografieren. Vielleicht hat ja jemand Lust mich auf diesem Weg virtuell zu begleiten:

Als ich die Türe aufschließe schaue ich auf die Uhr. Es ist 3 Uhr und 30 Minuten am Morgen.
Den Folgetag verbringe ich in meinem Wagen. Aufräumen, spülen, duschen, einmal den Boden wischen und natürlich auch vor dem PC sitzen. Der einzige Weg der mich vor die Türe führt ist eine verhältnismäßig kleine Gassirunde mit meinem Hund.
Aber am 27., am 27. war ich natürlich wieder in der Stadt. Als ich den Kirchenvorplatz erreichte war ich geschockt.
Schockiert, entrüstet, empört!
Ich machte einige Fotos und setzte mich dann vor meinen PC um das Erlebte absolut zeitnah meinen VIP Lesern zu berichten. Was ich da so zeitnah in einer kurzen Statusmeldung schrieb, das möchte ich hier gerne einmal zitieren da ich glaube das es mir nicht gelingt das Erlebte mit besseren Worten wiederzugeben als mit jenen die ich am späten Nachmittag des 27. Juni 2013 im Zentrum der Stadt Debrecen, auf einer öffentlichen Bank sitzend und noch unter dem Einfluss des soeben erlebten stehend niedergeschrieben habe.

Als ich heute in die Stadt gekommen bin dachte ich mal wieder es sei Krieg ausgebrochen.

Bild: Kriegsausbruch Debrecen

Aber nein! Noch leben wir in Friedenszeiten.
Es handelte sich lediglich um eine Propagandaveranstaltung der ungarischen Armee. Geschickt wird hier dafür gesorgt dass den Mächtigen des Landes auch morgen und übermorgen noch todesmutige Kämpfer zur Verfügung stehen die ihr Leben dafür opfern die Mächtigen an der Macht zu halten.
So lernen die jüngsten der jungen ganz beiläufig Kriegsgerät und Tötungsmaschinen mit Spaß und Freude zu verbinden und dürfen, gleich nachdem ihnen ein freundlicher Clown das Gesicht geschminkt hat einmal unter fachmännischer Anleitung Kriegswaffen in der Hand halten

Bild: Kind mit Kriegswaffe Debrecen

oder sich im werfen von Handgranatenattrappen üben.

Bild: Kindersoldat Debrecen

Ich kann nicht nachvollziehen warum der Clown lustige Tiergesichter schminkt.
Einschusslöcher, Knochenbrüche und amputierte Gliedmaßen fände ich in diesem Sinnzusammenhang die weitaus passenderen Motive die man mit der Schminke malen könnte.
Fakt ist das es auch in Ungarn verantwortungslose Eltern gibt die mit ihren Kindern solche Veranstaltungen besuchen. Ich kann mich noch daran erinnern dass ich so etwas im Rahmen des Schulunterrichtes betrachten musste.
Ich hoffe die lassen das schöne Ersatzteillager

Bild: Wohnmobil Ersatzteile Debrecen

Über Nacht da stehen.
Ich gehe jetzt mal nach Hause und hohlen einen Schraubenzieher :-)

Ich habe natürlich keinen Schraubenzieher geholt. Schließlich gibt es in der Debrecener Innenstadt im Abstand von 30 Metern Überwachungskammaras die sicherlich auch mit so etwas wie einer Nachtsichtfunktion ausgestattet sind.
Mein Rechtsempfinden sagt mir zwar das ich etwas sehr gutes tue wenn ich den Wagen zerlege (Ob ich das nun tue um Ersatzteile zu verwenden oder ob ich das Ding einfach nur abfackele ist dabei völlig unerheblich) aber ich war schlicht und einfach zu feige. Ich hatte Angst, Angst vor denen die den Mächtigen helfen an der Macht zu bleiben. Angst vor der Obrigkeit, Angst vor dem Staatensystem das seine Bevölkerung dank militärischer Überlegenheit unterdrückt und terrorisiert.
100 Euro Strafe wegen Pinkeln gegen einen Baum. Niemand, wirklich niemand kann mir erklären dass das rechtens ist.
Ich fühle mich in meiner Anschauungsweise übrigens durch eine höhere Macht bestätigt. Ich mag diese Macht nicht Gott nennen, aber irgendwer oder irgendetwas hat dafür gesorgt das die Veranstaltung ins Wasser viel und die militärischen Propagandaredner nur spärliche Zuhörer fanden.

Bild: Militärpropaganda fällt ins Wasser

Die nächsten Tage verliefen mehr oder weniger nach einem gleichmäßigen Muster. Im Grunde wollte ich weiterziehen. Aber es war warten angesagt, warten auf eine E Mail oder einen Anruf. (Birgi hatte mir eine alte SIM Karte geschenkt und seit dem trug ich wieder so ein blödes Telefon mit mir herum um für potenzielle Arbeitgeber erreichbar zu sein) Würde ich den Job bekommen? Noch einmal so ein richtiger Job, das wäre schon nicht verkehrt. Auch wenn eine 5 Tage Woche a 8 Stunden bei einer Vergütung von nur 500 Euro nach deutscher Betrachtungsweise ein wenig unterbezahlt erscheint. Aber in Ungarn ist das schon eine ganz gute Entlohnung. Ein Kellner oder eine Kassiererin im Supermarkt verdient weit weniger.
Ich versuchte also die Zeit sinnvoll zu nutzen. Und das tat ich natürlich im Internet.
Debrecen bot mir nicht nur eine gratis Internetanbindung, sondern in der Nähe des "modems" obendrein auch noch eine Steckdose. Nicht das ich nicht genügend Solarstrom gehabt hätte, aber es schont doch den Akku meines Rechners wenn ich ihm einige Ladezyklen erspare. Ich beschäftigte mich mit einer Arbeit die in Fachkreisen "Linkbuilding" genannt wird. Das bedeutet das ich das Internet gezielt nach aufgeworfenen Fragen durchsuchte auf welche meine HP eine Antwort gibt. Hatte ich eine solche Frage gefunden registrierte ich mich in dem entsprechenden Forum und hinterließ einen Beitrag der selbstverständlich auf meinen Webspace verwies.
Dabei muss man natürlich darauf achten nur wirklich hilfreiche Beiträge zu schreiben und nicht einfach irgendwelche Foren oder Kommentarfunktionen in Webblogs mit Spam zu übersähen. Sonst wird der Link erstens schnell gelöscht und zweitens ist es bei einer so persönlichen HP wie meiner auch peinlich.
Ein bis zwei Links schaffte ich in 5 oder 6 Stunden die ich täglich vor dem PC verbrachte. Erlebnisse in der realen Welt fanden während meines weiteren Aufenthaltes in Debrecen meist in der Nacht statt.
Wie beispielsweise am frühen Morgen des 3. Julie 2013. Es muss so gegen Mitternacht gewesen sein. Ich saß mit einem von Pfandflaschen gekauften Bier auf den Stufen der Kirche und schaute mir das bunter Treiben an. Eine Gruppe junger Frauen schloss Freundschaft mit meinem Hund und so kamen wir ins Gespräch. Es dauerte nicht lange bis ich eingeladen wurde der Gruppe ins "Barka" zu folgen. Vom "Barka" habe ich bereits berichtet, das ist der Laden wo auch früh am Morgen noch Leute vor stehen. Ich hatte schon alleine Versucht den Laden zu betreten, aber ein recht resoluter Türsteher hatte mich wegen meines vierbeinigen Freundes herauskomplimentiert. Genau das erzählte ich den Mädels und sie meinten nur recht trocken: "Komm einfach mit, wenn wir dabei sind kommst du rein!" Na ja, ich bin denen dann einfach hinterher gelaufen und wie ich es erwartet hatte stand da wieder der Türsteher der mich hinauswerfen wollte. Doch nachdem die Mädels einige Worte mit ihm gewechselt hatten durfte ich dann doch hinein.
"Was habt ihr dem gesagt?" Fragte ich im Inneren des Ladens.
"Wenn der Hund nicht rein darf gehen wir alle. Willst du 5 Hübsche Frauen in deinem Laden oder sollen wir gehen?" Antwortete mir meine Begleitung.
Normal sehen mich Lokalitäten die mich einmal mit meinem Kumpel hinausgeworfen haben nie wieder. Ob mit oder ohne Hund, das ist mir egal. Aber mal ganz ehrlich, bei der Begleitung kann man Prinzipien auch mal über den Haufen werfen.

Bild: Barka, eine Disko in Debrecen

In meinem VIP Bereich habe ich die Vermutung geäußert das junge ungarische Frauen auf unrasierte Typen mit Hund stehen. Ob das stimmt weiß ich jetzt so nicht. Fakt ist aber das ich noch nie in einer Stadt innerhalb von so kurzer Zeit so viele verschiedene Frauen im Arm hatte.
Frauen hin oder her, am Abend des 8. lernte ich eine Gruppe Jungs kennen. Nach einem kurzen Plausch fragten sie mich ob ich schon einmal Palinka mit Honig getrunken hätte. Das musste ich verneinen und schon hatte ich eine Einladung zum Palinka mit Honig trinken für den Folgetag.
Das Treffen warf dann einige Probleme auf, denn der Kerl der den Palinka mit Honig mitbringen wollte war irgendwie verhindert.
"Ah egal! Lass einfach ein Bier trinken" Aber damit kam ich nicht durch. Die Jungs hatten mich auf Palinka mit Honig eingeladen und sie legten größten Wert darauf dass ich auch Palinka mit Honig trinke. Deswegen wanderten wir spät in der Nacht durch halb Debrecen um einen Laden zu erreichen der a) Palinka mit Honig führt und bei dem die Jungs b) Kredit hatten.
Was soll ich sagen? Palinka mit Honig ist etwas erträglicher als Palinka ohne Honig. Irgendwie verdünnt der Honig das Gesöff, der Alkoholgehalt liegt somit nicht mehr bei 52% sondern nur noch bei geschätzten 45%. Wenn ich noch nen halben Liter Orangensaft dazukippe und den Alkoholgehalt somit auf ca. 5% senke könnte das Zeug sogar schmecken. Ich revanchierte mich mit einer Flasche Bier. Das muss ich zeigen da es sich um ein denkwürdiges Ereignis handelt, mein erstes richtiges Bier in Ungarn:

Bild: Bier in Ungarn

Die großen Flaschen sind hier nicht so in Mode wie etwa in Rumänien. Das ist hier eher mehr wie in Deutschland. Bier gibt es in 0,5Liter Flaschen.
Mein Kumpel erzählte mir von seinem Simson Motorrad dem er erst kürzlich einen neuen Motor verpasst habe und das er jetzt nur im Schleichgang fahren könnte da die Maschine neu eingefahren werden müsse.
"Brauchen diese 50cc Maschinen hier kein Kenzeichen?" Fragte ich ihn. Ich sah in diesem, so aufgeräumt und sortiert wirkenden Land, wo es noch nicht einmal ein Fahrrad ohne Rücklicht gibt, so viele Scooter ohne Kenzeichen das ich mich fragte was es damit auf sich hat.
Aber nein, 50cc Motorräder brauchen in Ungarn kein Kennzeichen. Man benötigt einen Führerschein dazu aber sie sind Steuer und Versicherungsfrei und benötigen deshalb auch kein KFZ Kennzeichen.
Ich frag mich jetzt vor welche Probleme ein ungarischer Vespabesitzer stößt wenn er seinen kennzeichenlosen Roller zum Beispiel auf der Hecktraverse seines Wohnmobils nach Deutschland bringt und dort dann mit dem augenscheinlich nicht angemeldeten Fahrzeug zum Bäcker fährt?
Ein weiteres Phänomen ungarischer KFZ Kenzeichen ist es das man anhand ihrer Anfangsbuchstaben nicht den Zulassungsraum bestimmen kann. Ich Deutschland und überall anders wo ich bis heute war kann man das. HH=Hansestadt Hamburg, M=München und so weiter. In Ungarn gibt es 3 Buchstaben gefolgt von 3 Zahlen auf den Autokennzeichen. Die Vergabe der Buchstaben und Zahlen ist dabei völlig willkürlich nur der Polizei-, oh Entschuldigung, der Rendörsegcomputer kann ermitteln in welcher Stadt das Fahrzeug daheim ist.
Mein Freund erzählte mir auch noch von einem Bußgeld das er einmal bezahlt habe. Seine Straftat lautete: "Bier trinken nach 22 Uhr!"
In Rumänien ist das Bier trinken in der Öffentlichkeit ja gänzlich verboten. Die Ungarn handhaben das ein wenig anders. Bis 22 Uhr kann ich auf einer öffentlichen Bank sitzen und ein Bier trinken. Tue ich das Gleiche nach 22 Uhr begehe ich eine Ordnungswidrigkeit die, wie soll es anders sein, mit einem Bußgeld von 30000 Forint geahndet werden kann. Meistens drückt die Polizei ein Auge zu. Aber wenn der Bulle lange keinen Sex mehr hatte, meinte mein Freund, und dem entsprechend schlecht gelaunt ist, dann kann es dir passieren dass du zahlst.
Es ist an dem Abend wirklich spät geworden und als ich am späten Nachmittag des nächsten Tages wie gewohnt zu meinem "Arbeitsplatz" gehen wollte musste ich meine Pläne aufgrund eines starken Regengusses ändern.

Bild: Regen in Debrecen

Rund 3 Stunden verbrachte ich unter dem kleinen Vordach eines Geschäftes. Dann hörte es auf zu regnen und ich ging Heim.

Bild: Heißluftballon über Debrecen

Dieses hübsche Bild schoss ich am 3. Julie. Genau einen Tag nachdem ich den Froschteich umwandert hatte. Bei der Froschteichumwanderung sichtete ich ein anderes Fluggerät das ich aufgrund seiner Geschwindigkeit allerdings nicht fotografieren konnte. Es handelte sich um einen kleinen einmotorigen Doppeldecker. Dieses Flugzeug flog im Zick Zack über die Stadt und zwar im Tiefflug! Das Teil flog so tief das ich den Eindruck hatte das der Pilot die Kiste vor einem Hochhaus oder Kirchturm in die Höhe zieht.
"Was macht der da? Ist der bescheuert, das kann doch nicht erlaubt sein!" Fragte ich einen Hundehalter mit dem ich mich eh gerade am unterhalten war.
"Der spritzt son Zeug in die Luft das die Mücken sterben." Entgegnete der Hundebesitzer.
Der spritzt son Zeug in die Luft das die Mücken sterben?! Das Luftmopped versprüht im Tiefflug irgendwelche Insektengifte über einer Großstadt?! Das kann doch wohl nicht wahr sein! Da hab ich lieber Mücken!
Auch andere Menschen die ich nach dem Flugzeug fragte bestätigten mir dass da irgendetwas gegen Mücken gesprüht wird. Was, das konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Auch die Meinungen ob das Sprühmittel die Mücken vertreibt oder tötet variieren von Gefragtem zu Gefragtem.
Mein schönes Turorudi.

Bild: Turorudi

Der Flieger hat Gift auf mein Turorudi gesprüht. Ich habe Turorudi mit Insektengift gegessen!
Ähnlich wie Latcho, Gulasch, Palinka mit Honig oder Schlambutz … Schlambutz, hab ich euch von Schlambutz erzählt? *nachles Nein, hab ich nicht! Kommt später, jetzt ist erst mal Turorudi an der Reihe. Ähnlich wie die anderen Dinge ist Turorudi jedenfalls eine ungarische Spezialität. Jeder kennt es und jeder fragt einen ob man es schon mal probiert habe. Verneint man diese Frage läuft irgendjemand los und kauft so ein Teil damit man Ungarn unter keinerlei Umständen verlässt ohne Turorudi probiert zu haben.
Turorudi ist irgend so ein Käse- Jogurt Krempel der mit Schokolade überzogen ist. Wirklich sehr lecker, sollte man einmal probieren. Turorudi kostet nicht viel und man kann es in der Kühltheke eines jeden Supermarktes kaufen. Pöttyös, bedeutet übersetzt übrigens so viel wie getupft oder gesprenkelt. Ich hab mir das erklären lassen. Mein Hund heißt ja Scheki und ich werde immer wieder gefragt ob dass eine Bedeutung habe und ich erkläre dann dass es übersetzt ins englische wohl Spotty heißen würde. Weil Scheki von dem deutschen Wort gescheckt abgeleitet ist und gescheckt im englischen spottet heißt. Wenn ich also aus spottet einen Namen kreiere käme wohl Spotty dabei heraus. Tja, im Ungarischen heißt mein Hund dann Pöttye und siehe da, diese junge Frau

Bild: Hundehalterin Debrecen

hat daheim einen Hund der Pöttye, also Scheki heißt.
Schlammbutz, ich wollte noch von Schlammbutz erzählen! In den Genuss Schlammbutz zu probieren kam ich am späten Nachmittag des 22.6. Wir radelten gemeinsam von Krisztinas Schrebergarten zurück in die Stadt und machten noch einen kurzen Abstecher zu dem Schwager des Bruders (oder irgendeinem anderen Verwandten). Diese Menschen saßen gerade in ihrem Garten versammelt und hatten in einem großen Topf Schlammbutz über dem offenen Feuer zubereitet. Selbstverständlich musste ich probieren. Da nutzte es auch nichts dass es alleine bei dem Gedanken an den Wortbestandteil Schlamm in Schlammbutz zwischen meinen Zähnen knirschte.
Schlammbutz besteht hauptsächlich aus Bandnudeln, Schlamm ist da gar keiner drin und deswegen knirscht das beim Essen auch nicht zwischen den Zähnen. Neben Bandnudeln findet man in dem Essen auch noch Kartoffeln, Zwiebeln, kleine Speckwürfel und ich hätte mal gesagt das da auch noch Sahne und Kümmel drin ist.
Schlammbutz ist wirklich lecker, das kennt man so in Deutschland nicht und wer mal nach Ungarn kommt und in einem Restaurant vor der Entscheidung: Schlammbutz oder Wiener Schnitzel steht, dem empfehle ich Schlammbutz. Auch wenn er das nicht kennt!
"Meine Tante/Schwester/Schwägerin will wissen was du den so isst wenn du weder Latcho noch Schlammbutz kennst." Übersetzt Krisztina für mich die Worte ihrer Verwandtschaft.
"Palatschinken!" Ha, so viel Ungarisch hatte ich bereits in Österreich erlernt. Um Pfannkuchen zu sagen brauch ich keinen Dolmetscher.
Mehr erzählenswertes ist eigentlich nicht geschehen bevor ich am 15.7 mein Wohnmobil startete um Debrecne zu verlassen.
Gegen Abend des 6.Julies hatte ich eine E Mail mit folgendem Wortlaut in meinem Postfach:

Kedves Stefan Hack
Köszönjük érdeklodését cégünk iránt. Jelentkezése jelenleg elbírálás alatt van.
Amennyiben további információra lenne szükségünk, HR-osztályunk egy munkatársa kapcsolatba lép önnel.
Üdvözlettel,

Hä? Hab ich gedacht und googel Translation um Hilfe gebeten.

Lieber Stefan Hack
Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Unternehmen. Ihr Antrag wird derzeit geprüft.
Sollten Sie weitere Informationen benötigen, wird ein außerordentlicher HR-Abteilung kontaktieren.
Grüße,
IT Services Hungary HR-Team

Dann hab ich noch einmal über eine Woche gewartet. Kein Anruf, keine weitere Mail. Dann bin ich einfach abgehauen. Wie lange soll ich noch warten?
Ja, der 6.! Das war der gleiche Tag an dem ich mich mit den 5 syrischen Asylbewerbern angefreundet habe. Wen diese Geschichte interessiert, der kann sie HIER in meinem VIP Bereich nachlesen.
Jetzt überlege ich ob ich mich zurückhalte oder ob ich noch rasch von den Erlebnissen am 5.7 berichte.
Drauf geschissen, wer mich nicht mag, der mag mich ohnehin nicht. Ich erzähle das!
Als ich am 5.7 Die Stadt erreichte standen keine Panzer am Straßenrand. Nein, es spielte eine ganz friedliche Blaskapelle auf einer Bühne.

Bild: Blaskapelle Debrecen

Ich betrachtete eine Weile die Musiker und zog dann weiter da Blasmusik jetzt nicht unbedingt so mein Fall ist. Als ich wegging fand ich eine kleine Broschüre auf dem Boden die ich aufhob und las. Und was stand dort in ungarischer und englischer Sprache?
"18. internationales militärisches Band Festival - Debrecen" Gleich auf der Titelseite!
Ich blätterte das Heftchen auf und dort begrüßte mich das Antlitz von Dr. Böröndi Gabor, Kommandant der 5. "Istfan Bocskai" Infanrty Brigade.
Er erzählt in ungarisch und englisch. Ich übersetze in Auszügen:

Die Brücke der Musik Ich erinnere mich, ich war 6 Jahre alt als ich zum ersten Mal militärische Musik auf einen Festival in Kaposvar hörte.

Dies hatte einen enormen Einfluss auf mich.

Seit dieser Zeit weiß ich dass ein Militärmusiker gleichzeitig ein extrem disziplinierter und qualifizierter Soldat ist.

Ja, diese Junge hier

Bild: Kindersoldat2 Debrecen

Ist auch ca. 6 Jahre alt und eventuell hat das spielen mit dieser Tötungsmaschine auch auf ihn einen enormen Einfluss.
Schließlich lernt er gerade die Handhabung eines solchen "Werkzeugs" mit Spaß und Kartoffelchips zu verbinden.
(liebe Kritiker, liebe Gerichte! Bevor ihr mich verklagt und rechtskräftig verurteilt möchte ich festhalten das es sich um meine persönliche Meinung handelt das das auf dem Bild zu sehende Schnellfeuergewehr eine Tötungsmaschine ist. Es mag Leute geben die die Meinung vertreten dieses Gerät sei bauartbedingt dazu geschaffen seinen Kaffe umzurühren und ich vertrete eben die Meinung dass es bauartbedingt dazu geschaffen ist zu töten. Also, es handelt sich um eine Meinungsäußerung, nicht um eine Tatsache! Vielleicht ist das Ding ja wirklich zum Kaffe umrühren)
Liebe Eltern: Wenn ihr auch nur einen Hauch von Verantwortungsgefühl euren Kindern gegenüber besitzt, meidet solche Veranstaltungen! Meldet eure Kinder krank wenn der der Besuch einer solchen Propagandaveranstaltung auf dem Stundenplan der staatlichen Erziehungsanstalt (kurz Schule) steht. Wie wir am Beispiel von Dr. Böröndi Gabor, Kommandant der 5. "Istfan Bocskai" Infanrty Brigade gut erkennen können sind Kinder formbar und in ihren Charakterzügen noch nicht gefestigt genug der spychologischen Kriegsführung unserer Staaten zu entgehen.
Verärgert ging ich weiter. Als ich einige Stunden später abermals den Platz des Geschehens passierte spielte eine Band gerade den "Radetzky Marsch" bekannt geworden ist er wahrscheinlich durch die Bonduell Werbung: "Der Mais, der Mais, der Mais kommt an" Erinnert sich jemand? Im Grunde wollte ich schnell weitergehen um der Propaganda zu entfliehen. Aber irgendwie hatte diese Musik auch auf mich einen enormen Einfluss und nach wenigen Sekunden begann ich im Geiste mitzusingen:

Ich tö, Ich tö, Ich töte Dich
Ich tö, Ich tö, Ich töte Dich
Ich drück den Knopf
Die Bombe fällt
Bezahlt - bezahlt wird das von Steuergeld.

Weiter geht es in einem Vogelschutzgebiet.

Derzeit im Chat :



Bild: Danke








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