Mit dem Wohnmobil von Ungarn in die Slowakei

Als ich fertig war folgte ich bei bedecktem Himmel der Hauptstrasse bis Malynka.

Bild: Malynka

Nachdem ich die zwei kleinen Ortschaften erkundet hatte neigte sich der Tag dann auch schon seinem Ende. Am 22. regnete es unaufhörlich so dass ich erst am 23. aufbrechen konnte um einen Wohnmobilstellplatz am Seeufer zu erkunden.
Dass ich an diesem Tag gefühlsmäßig rund 30 Jahre altern würde, das wusste ich noch nicht, als ich am Morgen der Hauptstrasse Richtung See folgte. Rund 30 Minuten bewanderte ich die wenig befahrene Asphaltstrasse bis ich links auf eine Nebenstrasse einbog. Abermals 10 Minuten später stand ich auf der Staumauer und blickte über den See.

Bild: Stausee Malynka

Weiter als bis zur Staumauer kam ich aber nicht.
Trinkwasserschutzgebiet! Mit Videokammaras überwacht - und große Schilder: "Hunde verboten". Es dauerte dann auch keine 10 Minuten bis mich so ein Sicherheitsfutzi vertrieb. Ich hatte keine Lust auf Stress und hab mich vertreiben lassen. Ich weiß, das ist politisch nicht korrekt. Ich hätte ihm den Mittelfinger zeigen, und einfach weitergehen sollen. Ich schäme mich ja auch. Aber … man ist ja Egoist. Ich kann einfach zu einem anderen See fahren, und das Wohl der lokalen Bevölkerung, die zwar einen See vor der Haustüre hat aber Unmengen Emissionen verursachen muss und den Staat durch Kraftstoffsteuer bereichert, so das er die Leute bezahlen kann von denen sie hinterher unterdrückt werden wenn sie mal schwimmen gehen wollen, na ja, die waren mir in dem Moment egal.
Trinkwasserschutzgebiet: Hunde verboten! Ob die auch alle Rehe, Hasen und Igel abknallen damit sie nicht auf die Idee kommen an dem Trinkwassersee zu trinken??
Na ja, ich bin dann einfach gegangen. Der Rückweg führte mich wieder über die Hauptstrasse und ich beschloss meinen Hund anzuleinen.
Dann hatte ich Durst und ließ die Leine fallen um meine Hände frei zu haben so dass ich mir einen Schluck zu trinken aus dem Rucksack hohlen konnte.
Dann, dann wollte ich die Leine wieder aufheben. Und in dieser Sekunde geschah es:
Ein stechender Schmerz im Rückrat, ich dachte ich sei gelähmt. Ich klappte ein und lag wie eine lebendige Leiche im Strassengraben. Ich konnte nicht aufstehen, zu starke Schmerzen! Autos fuhren an mir vorbei, niemand hielt an und offerierte mit Hilfe. Ich lag bestimmt 30 Minuten und versuchte meinen Hund davon abzuhalten mir Küsschen zu geben. Dann kroch ich Heimwärts und quälte mich irgendwie in meinen Truck.
Leihendiagnose: Hexenschuss!
An diesem Abend schlief ich mit Hose. Ich hatte versucht sie auszuziehen, aber ich konnte mich nicht bücken und der Versuch sie von den Füßen zu schütteln misslang.
Jetzt kann ich froh sein das ich so etwas schon einmal hatte. Damals war ich 19 und am Tag darauf ging es mit meinem Wohnmobil nach Polen um es restaurieren zu lassen. Damals hatte ich mich im Fahrzeug gebückt um den Wegzeugkoffer an seinen vorgesehenen Platz zu stellen und dabei passierte es. Neben den Schmerzen hatte ich unbeschreibliche Ängste. Irgendwie krabbelte ich damals zu meinem Mobiltelefon und rief meine Eltern an. Ich schilderte die Symptome und erhielt "Hexenschuss" als Antwort. Ich war beruhigt, denn an einem Hexenschuss stirbt man nicht, der geht von alleine Vorbei. Und damals, damals war am nächsten Tag auch alles wieder gut. Diesmal war ich einige Jahre älter und sollte über eine Woche an den Symptomen zu knabbern haben.
Die ersten zwei Tage ging es mir richtig dreckig. Ich konnte nicht sitzen, ich konnte nicht liegen, ich konnte nicht stehen. Mir tat mein Kreuz weh, und zwar gewaltig!
Wie ein alter Mann kletterte ich unter Zuhilfenahme meiner Hände aus dem Wagen um ein Stück Brennholz hereinzutragen oder meine Blase zu entleeren. Der Weg in mein Badezimmer war eine Tortur, genau wie alles andere auch. Ich dachte: "Das wars, jetzt brauchst du einen Altenpfleger!" Aber nach zwei Tagen ging es wieder einigermaßen. Ich hatte zwar noch Schmerzen, vor allem die ersten 2 Stunden nach dem Aufstehen, aber ich konnte mich in einer leicht gebückten Schonhaltung auf zwei Beinen fortbewegen.
Am dritten Tag meiner Erkrankung beschloss ich in einem Moment in dem ich fast schmerzfrei war, den Motor zu starten um die wenigen Kilometer zurück nach Dedestapolscany zu fahren um meine Wohnung im Einflussbereich des dortigen W lan Netzes zu parken.
Wenn ich mich schon nicht bewegen kann und eh nur wie ein blöder auf der Couch sitze dann will ich wenigstens Internet im Wagen.
Die nächsten Tage verbrachte ich also vor dem PC, und damit neues Wasser für die Wärmflasche zu erhitzen, die ich mir regelmäßig zwischen Pulli und Rücken klemmte. Am 30., 7 Tage nach dem mich der Hexenschuss aus heiterem Himmel ereilte, beschloss ich wieder gesund zu sein. Im Grunde tat mir zwar noch jede Gräte weh, aber: Angriff ist die beste Verteidigung! Hatte ich einmal gehört, und deswegen schnürte ich meine Wanderstiefel um auszuprobieren ob man den See vielleicht von der anderen Seite her umwandern kann. Und siehe da, nach den ersten Kilometer war ich annähernd schmerzfrei.
Ich hatte auf google maps gesehen dass es noch einen anderen Zugang zu dem See gibt. Nicht an der Staumauer vorbei sondern durch das Dorf hindurch. Da standen keine Kameras, von dort konnte man sich auch mit Hund dem See näher.
Kaum hatte ich mein Ziel erreicht verschmutzte mein vierbeiniger Begleiter das Trinkwasser im Trinkwassersee durch Trinken. Sollte ein unschuldiger Ungar demnächst an einem Hundehaar im Trinkwasser ersticken, so liegt die Schuld definitiv nicht bei einer unzureichenden Filteranlage sondern ich nehme sie voll und ganz auf mich.
Ich habe den See dann auch umwandert. Herrlich! Eine hübsche 5 Stunden Tour durch nette Landschaft.

Bild: Stausee Malynka

Ich kam bis zur Staumauer. Dann traf ich auf den Trinkwasserschutzbeauftragten der mich verscheuchte. Das war mir aber gleichgültig, ich war ja eh um den See drum rum.
Ich hab dann wieder die Hauptstrasse genutzt und diesmal ohne mir dabei einen Hexenschuss zu hohlen.
Für den Folgetag hatte ich mir dann fest das Weiterfahren vorgenommen. Nur eins wollte ich noch tun bevor ich meinen Motor starte: Meinen Auspuff reparieren!
Irgendwie hatte die schlechte Strasse hier dafür gesorgt das die Schlacke aus den recht professionellen Schweißnähten die ich in Rumänien angefertigt hatte herausgebröselt ist. Das sorgte für einen recht sportlichen Klang meines Fahrzeugs. Vor allem bei Bergauffahrten.
Diese Löcher wollte ich nur sehr fachmännisch mit 2Komponenten Knete zustopfen.
Ich hätte das schon längst getan, aber mir tat das verdammte Kreuz weh und ich hielt es für keine gute Idee damit unter dem LKW herumzukrabbeln.
Ein wenig Knete in ein Paar Löcher schmieren, das ist ja auch nur eine Sache von wenigen Minuten wenn man sich bewegen kann. War es dann auch. Womit ich nicht gerechnet hatte war das ich über 4 Stunden lang die verdammte Knete suchen würde.
Aber am Ende war es dann fertig.

Bild: Wohnmobilauspuff

Ich werde darüber berichten wie lange es hält *gg
Weitergefahren bin ich dann erst am 4. September. Ich hatte Internet im Wagen und das fesselte mich an meinen Standort. Ich war wieder soweit fitt das ich schmerzfrei vor dem Rechner sitzen konnte und die Validierung meiner Seite die ich in Tizafüred begonnen hatte war erst für recht kleine Teile meiner HP vollendet. Ich hatte also zu tun.
Wenn meine Batterien nicht nach Generatorstrom verlangt hätten, ich wäre diesem Ort wahrscheinlich noch eine weitere Woche lang treu geblieben. Aber irgendwann ging mir der Strom aus und somit ging mein Motor an.
Ohne Zwischenstopp fuhr ich bis Putnok, dem letzten ernstzunehmenden Ort vor der Slowakischen Grenze. Dort suchte ich mir einen abgelegenen Wohnort auf dem ich so viel Zeit verbringen kann bis ich die letzten 2400 Forint unter das Volk gebracht hatte.

Bild: Wohnmobilstellplatz Putnok

Ungeachtet des leichten Nieselregens, der an diesem Tag unaufhörlich niederging, brach ich augenblicklich nach dem Motorabstellen auf zur nahen Grenzstation zu laufen.
Ich fürchte mich ja immer ein wenig vor diesen bewaffneten, und vor allem überaus neugierigen Menschen, die an diesen Kontrollposten in meinem Garten herumstehen und glauben einen unheimlich wichtigen Job auszuüben. Irgendwann, so meine größte Befürchtung, zerlegen die auf der Suche nach Waffen, Drogen, deutschen Wirtschaftsflüchtlingen oder sonst irgendetwas das sie für illegal halten, noch einmal mein ganzes Auto.
Nach rund 2 Stunden erreichte ich völlig durchnässt die Grenzstation und staunte nicht schlecht. Da gab es keine schwer bewaffneten Menschen die mich beim Erkunden meines Gartens stören könnten. Nur ein Paar Handwerker die dabei waren das alte Grenzgebäude zu demontieren.

Bild: Grenzstation Ungarn - Slowakei

Überall standen Bauzäune, die alten Zollhäuschen waren abgesperrt, kein Zöllner weit und breit. Nur ein Schild: "Willkommen in der Slowakei" und die dazugehörende Informationstafel mit den landesüblichen Geschwindigkeitsbegrenzungen.
Zugegeben, auf ungarischer Seite stand eine Polizeistreife herum und lotste den ein oder anderen aus der Slowakei kommenden LKW auf eine Wage. Mehr aber auch nicht.
Spontan musste ich an die Worte eines Pfaffen denken die ich kürzlich in den Nachrichten gehört hatte. Dieser Paffe meinte Deutschland müsse sich seiner Verantwortung stellen und mehr Flüchtlinge aus … Jordanien? War es Jordanien? Aufnehmen.
Ich denke die ganze friedliche Welt sollte sich dieser Verantwortung stellen. Wir müssen die weltweit vorhandenen Zollhäuschen nicht abreisen, sondern zu Flüchtlingsunterkünften umbauen! Überall! Zollbeamten raus - Flüchtlinge rein! Obgleich ich Abreißen immer noch besser finde als von Steuergeldern bezahlte Nichtstuer dort zu beschäftigen die mich und andere in ihrer Reisefreiheit einschränken.
Ich war freudig überrascht und spazierte einige Kilometer ins Landesinnere. Dort betrat ich einen kleinen Lebensmittelmarkt. Einfach nur mal schauen was hier so die Dinge kosten. Und was sehe ich? Hinter den Zahlen auf den Preisschildern erkennt man ganz klar und deutlich ein Eurozeichen.
Ich hatte keine Euro bei mir, deswegen machte ich mich beruhigt auf den Rückweg. Endlich noch einmal eine Grenze die einem keine Probleme bereiten wird.
In den nächsten Tagen erwanderte ich in kleinen Runden das Umland. Länger als 3 oder 4 Stunden konnte man nicht unterwegs sein. Die Schauerpausen waren einfach zu kurz. Der Bükk Nationalpark lag zwar hinter mir, aber die Umgebung von Putnok war leicht hügelig und bewaldet. Das wahrscheinlich schönste Bild das ich bei dem diesigen Wetter aufgenommen habe entstand am 9.11 und zeigt ein Panorama über die Berge hinweg Richtung Slowakei.

Bild: Umland Putnok

Viel Zeit verbrachte ich auch in Putnok selbst. Das Häuschen einer Bushaltestelle bot Wetterschutz beim Internetsurfen und Putnok war irgendwie ganz und gar nicht so wie ich Ungarn kennen gelernt hatte. Schrieb ich noch in meinem ahref Reisebericht Miskolc ganz erfreut meinem ersten ungarischen Straßenhund begegnet zu sein, so musste ich in Putnok feststellen das die Strassen voll sind von umherstreunenden Vierbeinern. Gerade so als wenn ich in Rumänien oder Bulgarien wäre.
Die winzige Fußgängerzone des Ortes erstrahlt zwar in westlichem Glanz

Bild: Putnok

doch kaum verlässt man das Zentrum nur wenige hundert Meter befindet man sich in einer Gegend die böse Zungen wohl "Getto" nennen würden.
Halb verfallene Häuser. Mit Brettern vernagelte Fensterscheiben. Undicht wirkende Dächer. Umherlaufende Hunde, Katzen und Hühner sowie spielende Kinder an jeder Ecke. Auffällig für diese Gegend ist das die dort lebenden Menschen eindeutig eine dunklere Hautfarbe haben als die Leute die in den herausgeputzten Gegenden des Landes beheimatet sind.
Ich habe immer ein wenig Hemmungen in einer solchen Umgebung zu fotografieren. Ein Bild habe ich dennoch.

Bild: Putnok Getto

An den Abenden nutzte ich die Unmengen Regenwasser die ich hier zur Verfügung hatte für einen kleinen Waschgang. Nie zu viel auf einmal, wegen der Luftfeuchtigkeit die beim Trocknen zwangsläufig in den Raum gelangt, aber jeden Tag ein wenig.
Am 13. geschah dann das was in einem Zollgrenzbezirk schon längst hätte passieren müssen. Plötzlich und unerwartet stand die Polizei vor meinem Wagen.
Eine Polizeistreife bog mit einem weißen Lada Nivera auf meinen Parkplatz ein und hupte. Was ich hier mache? Wurde ich gefragt. "Urlaub!" Wie lange ich schon da sei? "Keine Ahnung, 3 oder 4 Tage?!" Nein, das könne nicht sein. Ich müsse schon länger da stehen. "Ja was weiß ich, muss ich mal auf meine Fotos gucken wann ich hier angekommen bin." Ich kramte den Fotoapparat aus der Tasche. Doch die Polizei unterbrach mein Handeln durch weitere Fragen: "Why here?" "Ich muss noch die letzten Forint ausgeben. Zurückwechseln ist ein schlechtes Geschäft und das hier ist wohl der letzte Ort vor der Grenze." Ich wurde aufgefordert Pass, Führerschein und Fahrzeugpapiere zu übergeben und dann zückte ein Polizist sein Mobiltelefon und gab meine Daten an einen andern Menschen weiter, der aller Wahrscheinlichkeit nach überprüfte ob ich von Interpol gesucht werde. Dieser Vorgang dauerte rund 20 Minuten. Dann verabschiedeten sich die Polizisten mit den Worten: "You are a good guy, du bist ein guter Junge!"
Ich verweilte unbehelligt noch einen weiteren Tag und dann startete ich den Motor um das Land zu verlassen.
Ich hatte je geglaubt das würde alles sehr unproblematisch. Aber da hatte ich mich getäuscht. Schon das Ausparken und die wenigen Meter bis zur befestigten Asphaltdecke entwickelten sich zu einem schwerwiegenden Problem

Bild: Wohnmobilstellplatz

und die Grenze sollte ja erst noch kommen.

Weiter geht es in der Slowakei

Derzeit im Chat :



Bild: Danke








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