Mit dem Wohnmobil durch Ungarn

Ungarn! Nicht zu verwechseln mit Unkraut oder Unfug. Das ist etwas gänzlich anderes. Bei Ungarn handelt es sich um ein rund 93000 Quadratkilometer großes Schwellenland in Mitteleuropa. Es bildet die Schwelle zwischen Ost- und Westeuropa.
Ungarn ist das Einzige Land weltweit das Grenzen zu seinen eigenen Hoheitsgebieten hat. Das bekomme ich hier im Land immer wieder erzählt. Die Menschen scheinen es noch nicht ganz verarbeitet zu haben das Ungarn nach den 1920 geschlossenen Friedensverträgen von Trianon, die formal den ersten Weltkrieg beendeten, große Teile seines Landes an seine heutigen Nachbarstaaten hat abtreten müssen.
Ich klopfe diesen Menschen dann immer freundschaftlich auf die Schultern und sage: "Hey, take it easy! Deutschland war auch mal größer."
Meine "Take it easy" Sichtweise führt dann häufig dazu das die Leute ihr internettaugliches Smartphone aus der Tasche ziehen, Trianon bei Google eingeben und mir mit dem Kommentar: "Guck mal, so groß war Ungarn früher!" Dieses Bild zeigen:

Bild: Friedensvertrag von Trianon Ungarn

Mir ist es egal wie groß Ungarn früher war. Ich lebe im "Hier und Jetzt" und im "Hier und Jetzt" habe ich mit meinem Wohnmobil gerade den ersten Grenzposten passiert und fahre etwas ängstlich dem zweiten Posten entgegen.
Ich fahre einen Kilometer, ich fahre zwei Kilometer. Auf der rechten Fahrbahnseite sehe ich Schilder mit der Aufschrift: "Matrica Vignete - Video Control". Kurz darauf sichte ich auf der anderen Fahrbahnseite das Großaufgebot einer bewaffneten Spezialeinheit. "Rendörseg" steht auf ihren Fahrzeugen geschrieben und kein Auto entkommt ihrer Kontrolle.
Autobahnvignette! In Ungarn soll man eine Vignette doch nur auf Autobahnen brauchen. Warum ist das hier, die einzige Strasse die von der Grenzkontrollstelle weiterführt, eine Autobahn? Wie passieren Fußgänger oder Radfahrer die Grenze? Und überhaupt, wo soll ich so eine blöde Vignette herholen? Ich habe keinen Pfennig Landeswährung, an der Grenzstation hat mir niemand etwas von einer Vignette erzählt und ich habe auch nicht nachgefragt da ich froh war diesen Grenzposten passiert zu haben. Überhaupt, wo verdammt ist die zweite Grenzstation?
Die zweite Grenzstation sollte nicht mehr kommen. Auf dem Weg von Rumänien nach Ungarn, immerhin handelt es sich hier um ein überschreiten der Schengenzone, scheint es nur einen Grenzposten zu geben. Heute weiß ich auch das Rendörseg keine Spezialeinheit ist sondern schlicht und einfach das ungarische Wort für Polizei. Das wusste ich am Anfang noch nicht, denn bis zum heutigen Tage hatte ich ausschließlich Länder bereist in denen Polizei irgendwie nach Polizei klang. Police, Policia vielleicht auch irgendetwas das nach Gandarmarie klingt. Aber das kennt man ja. Das Polizei plötzlich Rendörseg heißt, das muss einem ja erst einmal gesagt werden.
Die Ungarn wissen anscheinend das Ausländer mit diesem Wort Probleme haben, deswegen steht auf dem Rücken der Polizeiuniformen "Rendörseg - Police" auf den Autos steht das jedenfalls nicht zweisprachig und der unbedarfte Ausländer darf raten.
Glücklicherweise kontrollierten die staatlichen Raubritter den Verkehr der sich in die andere Fahrtrichtung bewegte und so konnte ich unbehelligt weiterfahren.
Flach wie ein Salzsee lag Ungarn vor und neben meinem Wohnmobil.

Bild: Flüchtende Hundefängern in Oradea

Große Maisfelder säumten den Straßenrand. Im Abstand von einigen Kilometern stand ein Schild neben den Anbauflächen. Mangels Sprachkenntnis konnte ich es nicht lesen. Aber ich schätze das es Auskunft über die angebaute Maissorte und deren Patentinhaber gibt den denn Wortbestandteil "Gen", den konnte ich auf allen Schildern entziffern.
Das ist EU Recht! Die europäische Bevölkerung lief und läuft ja Sturm gegen den Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut. Deswegen fühlten sich die Politiker zum Handeln verpflichtet. Es wäre ja sehr einfach sich als gewählter Volksvertreter dem Willen des Volkes zu beugen und den Anbau von Genpflanzen schlicht und einfach zu verbieten. Aber da gibt es ja auch wirtschaftliche Interessen, große Geldmengen die im Verborgenen von Industrie richtung machthabenden Politiker fließen und so haben sich die hohen Herren auf einen Kompromiss geeinigt:
Felder mit gentechnisch Verändertem Saatgut müssen gekennzeichnet werden! Jetzt können die Bienen das lesen und wissen dass sie an diesen Stellen Pollen mit von Menschenhand verändertem Erbgut sammeln. Die Bienen können somit selbst entscheiden ob sie dieses veränderte Erbgut sammeln und vor allem durch ihre Flugtätigkeit auf andere, nicht veränderte Pflanzen, übertragen.
Eventuell entstehende Mutationen im Tier- und Pflanzenreich die den Einsatz neuer Spritzmittel erfordern sind somit nicht mehr auf Menschenhand zurückzuführen, sondern ein völlig natürlicher Prozess. Schließlich waren die Bienen ja informiert und Bienen sind Natur. Unnötig zu erwähnen dass es die gleichen Firmen sind die später am Verkauf von Pestiziden verdienen wie die, die heute vom Verkauf von genetisch verändertem Saatgut profitieren. Ich fuhr weiter und erreichte die erste Ortschaft. Es war gerade "Mülltonnentag". In reih und glied waren die Abfallbehälter der einzelnen Häuser an den Straßenrand gestellt worden. Alle 50, 70 oder 80 Meter eine neue Tonne. Genau so wie ich es aus Deutschland kenne. So einen Quatsch habe ich das letzte Mal bewusst in Österreich wahrgenommen. Damals war ich mir noch nicht darüber im Klaren das es sich um Quatsch handelt. Schließlich kannte ich es nicht anders und irgendwie muss der Müll ja weg. Die Erfahrungen meiner Reise lehrten mich aber das andere Länder hier viel sinnvollere Entsorgungssysteme entwickelt haben. Egal wo man hinfährt, fast überall ist es normal das es an der Straßenecke, bei langen Strassen auch an den Kreuzungen dazwischen, große Abfallbehälter gibt die von allen Anwohnern dieser Strasse gemeinschaftlich benutzt werden. Jeder trägt seinen Müll halt einige hundert Meter bis zur Tonne und das Entsorgungsfahrzeug muss dann nicht im Abstand von 50 Metern halten, den fließenden Verkehr behindern und mit seinem laufenden Motor Luftemissionen verursachen, sondern nur alle 500 Meter. Eben nur an den Straßenecken. Die Arbeiter sind somit viel schneller fertig, verbrauchen weniger Sprit und Steuergelder werden eingespart. Aber einem deutschen oder auch einem ungarischen Staatsbürger scheint es nicht zumutbar zu sein seinen Dreck selber bis an die Straßenecke zu tragen.
Ich hielt nach so etwas wie einer Bank oder Wechselstube Ausschau, wurde aber nicht fündig. Dafür bemerkte ich beim durchfahren der zweiten oder dritten ungarischen Ortschaft ganz bewusst: "Verdammt, hier gibt es gar keine Straßenhunde!"
Viel schneller als gewollt erreichte ich das Ortseingangsschild Debrecen. Ich fuhr vorbei am Flughafen und wollte kurz hinter einem Aldi Markt links abbiegen. Dort, so schien es mir, würde ich einen geeigneten Parkplatz für mein Wohnmobil finden. Doch die Ampelanlage gab mir einfach kein Grünlicht. Bereits 3 Mal musste der mir entgegenkommende Verkehr aufgrund eines roten Lichtzeichens seine Fahrt unterbrechen und mir war ein Abbiegen noch immer nicht erlaubt worden. Unter normalen Umständen wäre ich beim dritten Mal einfach bei Rot gefahren. Was will man machen wenn die Ampelanlage defekt ist? Aber über dieser Ampel, die übrigens nicht an der Kreuzung zwischen Georg-Orwell-Strasse und Stasigasse errichtet war, hing eine Kammara die den Verkehrsfluss überwachte. Also setzte ich den Blinker rechts, ordnete mich wieder auf die Fahrbahn ein die geradeaus weiterführte und bog kurz vor der Brücke, die in der Nähe des Hauptbahnhofes über die Gleisanlage führt, nach rechts ab.
Noch rund 1500Meter steuerte ich mein Fahrzeug durch so etwas wie ein Industriegebiet. Aufgrund einer Baustelle war diese Strasse vorübergehend zur Sackgasse degradiert und kurz vor ihrem Ende fand ich meinen Wohnort dem ich während meines Debrecen Aufenthaltes treu bleiben sollte.

Bild: Wohnmobil Stellplatz Ungarn

Weiter geht´s in Debrecen


Bild: Danke








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