www.animallife.ro/de

Sonntag, 16. Dezember 2012. Es ist kurz nach Drei Uhr am Nachmittag. Alle Hunde sind versorgt. Ich war heute der Einzige der im Tierheim gefüttert hat und den Hunden neues Wasser brachte.
Heute ist der erste Tag seit langem wo ich wieder alleine bin. Gestern Abend sind sie abgereist. Mein Mexi und Milow. Mexi wohnte alles in allem knapp einen Monat bei mir und auch Milow beherbergte ich weit über eine Woche.
Ich habe sie lieb gewonnen, alle Beide. Gestern Nacht, oder besser heute Morgen, denn es war schon nach ein Uhr in der Früh, habe ich sie in die Obhut ihrer Taxifahrerin gegeben. Heute Abend wird diese mit meinen Schützlingen die deutsche Grenze überqueren.
Es war eine Zeit die mich Nerven gekostet hat. Würde alles klappen? Oder würde ich am Ende auf zwei Hunden sitzen bleiben? Hunderte von E Mails habe ich in den vergangenen Wochen geschrieben. E Mails mit Interessenten für einen Hund, E Mails mit den Leuten die den Transport organisieren. E Mails mit der hiesigen Tierheimleitung.
Doch wenn ich in zwei oder drei Tagen die ersten Bilder von meinen Tieren bei ihren neuen Menschen geschickt bekomme, dann werde ich wissen dass sich die Arbeit gelohnt hat. Ich habe gewiss keine Berge versetzt. Aber zwei Hunden habe ich in eine neue Zukunft verholfen. Einer davon wäre ohne meine Hilfe gewiss nicht mehr am Leben und die Zukunft des andern hätte sich auf einem schlammigen Tierheimgelände mit wenig bis überhaupt gar keinem Menschlichen Kontakt abgespielt. Und ob Hungerhaken Milow hier den Winter überlebt hätte, das ist auch noch die Frage.
Jetzt ist es vorüber, jetzt bin ich wieder mit meinem Scheki alleine. Wenn das Tauwetter weiter anhält, dann kann ich in einigen Tagen diesen Ort verlassen und meine Reise fortsetzen.
Aber ich sollte vorne anfangen zu berichten. Seit ich Mexi halb tot im Strassengraben gefunden habe hatte ich einfach keine Ruhe mehr mich vor meinen PC zu setzen und meine Erlebnisse niederzuschreiben. Ein knapper Monat ist seit dem vergangen und meine letzten Aufzeichnungen enden mit meiner dokumentierten Bildergalerie über meine Hochalpinwanderung durch die verschneiten Kaparten am 8. November 2011.
Am nächsten Morgen zogen wider dichte Nebelschwaden über meinen Truck. Leichter Sprühregen ging nieder. Als ich erwachte schaute ich aus dem Fenster und beschloss liegen zu bleiben. So ging es die nächsten 4 Tage weiter. Selbst die Mikrowellen die mir hier Zugang zum Internet beschafften hatten es schwer durch die diesige Suppe zu dringen. Immer wieder brach meine Verbindung ab und ich beschloss ein Buch zu lesen.
Johannes Mario Simmel! Uralte Dreigroschenheftchen aus dem Erbnachlass meines Großvaters. Ich habe meine Mutter schon gebeten mir keinen Konsalik mehr mitzubringen. Jetzt bekomme ich Simmel. Ich weiß wirklich nicht was schlimmer ist. Nachdem ich "Das geheime Brot" irgendwo bei Seite 45 auf den Brennholzstapel befördert hatte beschäftigte ich mich anschließend mit "Dem Stoff aus dem die Träume sind". 637 Seiten niveaulose Unterhaltung. Aber man freut sich ja wenn man überhaupt irgendetwas zu lesen hat das einem nicht nur als pdf Datei zur Verfügung steht.
Kennt sich jemand aus? Gibt es einen Simmel ohne Nutten? Oder einen Konsalik ohne Krankenhaus? Bitte informiert mich, ich würde mich aufraffen und es lesen.
Am Morgen des 13. wirkte das Wetter besser und ich schnürte noch einmal die Wanderstiefel. Ich folgte dem kleinen Gebirgsbach an dem ich parkte. Diesmal wählte ich nicht den ausgezeichneten Wanderweg der hinter Poina Neamtului links abging, sondern ich entschied mich auf dem unbefestigten Fahrweg zu bleiben. Fahrwege haben ja meist ein Ziel. Das Ziel dieses Fahrweges war allerdings ein Wendepunkt den ich nach ca. einer Stunde Marsch erreichte. Ich ärgerte mich ein wenig mit meinem Truck nicht bis hier her gefahren zu sein, es wäre mit Sicherheit ein noch schönerer und noch ruhigerer Wohnort gewesen. Ein kleiner Trampelpfad führte von dem Wendekreis weiter bergan. Ich nutze ihn und stand Minuten später vor dem Bach.

Bild: Gebirgsbach

Deutlich sah ich dass der Weg am anderen Ufer weiterführte, aber ein Überqueren des Baches war mir trotz langwieriger Suche nicht möglich.
Hätte ich rücksichtslos einen Fuß in die Fluten gesetzt, dann hätte der Bach die Oberkante meiner Stiefel überspült. Nasse Füße wären die Konsequenz gewesen. Einige Stellen boten sich zwar an um von Stein zu Stein zu hüpfen, aber die Steine waren bemoost, glitschig und teilweise von einer dünnen Eisschicht überzogen. Ein Abrutschen hätte ebenfalls nasse Füße bedeutet und vielleicht, bei einem unglücklichen Sturz, obendrein noch ein Paar gebrochene Knochen. Ich war nicht bereit dieses Risiko einzugehen, deshalb kehrte ich um.
Als ich die Abzweigung zu dem Ausgeschilderten Weg erreichte war es bereits nach 12 Uhr am Mittag. Tag vorbei!
Am nächsten Morgen machten die Wetterverhältnisse einen erneuten Aufbruch unmöglich. Ich schnitt das Brennholz, das ich bereits bei meiner Ankunft trocken in einem der Leerstehenden Gebäude gelagert hatte, in handliche Stücke und lagerte es im Fußraum meiner Beifahrerseite.
Auch am nächsten Tag regnete es. Frustriert startete ich den Motor und fuhr zurück nach Arvig.
Strahlender Sonnenschein begrüßte mich dort und ich machte mich auf die kleine Ortschaft zu erkunden die fast ausnahmslos aus unbefestigten Wegen besteht.
Ein Blick zurück auf mein Bergmassiv von dem ich aufgebrochen war erklärte mir den Grund für das schlechte Wetter das ich dort erlebte. Während hier in Arvig die Sonne schien konnte ich deutlich erkennen wie sich an dem Punkt an welchem ich vor wenigen Stunden aufgebrochen war dichte Wolken sammelten. Alle Wolken und Nebelbänke aus der Region wurden vom Wind an den Fuß meines Bergmassives gedrückt. Dort konnten sie nicht weiter und regneten deshalb genau über meinem Wohnort ab.
Ich hätte dieses Schlechtwettergebiet schon früher verlassen sollen.
Am 16. November startete ich dann meinen Wagen. Ein kurzer Stopp bei Lidl, und dann ein weiterer an der öffentlichen Trinkwasserstelle.

Bild: Wassertanken Wohnmobil

Ich beschloss der G105 vorbei an Racovita nach Talmaciu zu folgen. Dort wollte ich meiner Strasse treu bleiben und weiter über Sadu und Rau Sadului dem Naturpark Cindrel entgegensteuern.
Wenn ich dort am Straßenrand parken würde, dann hätte ich sowohl links als auch rechts von mir 2000er die ich erklimmen könnte. Die Strasse dort hin ist rund 30 Kilometer lang und den größten Teil unbefestigt wurde mir erzählt. Allerdings soll ein vorsichtiges Befahren mit meinem Truck wohl möglich sein.
Eine unbefestigte Strasse, eingeschlossen von 2000ern. Der Perfekte Ort um den Weltuntergang am 21. Dezember 2012 abzuwarten. Ich glaube zwar nicht daran, aber ich hoffe darauf. Es ist wirklich höchste Zeit das sich etwas verändert und irgendwie fühle ich mich auserwählt diese Veränderung zu überleben.
Von Arvig aus folgte ich also der Ausschilderung Racovita. Nach ca. 30 Minuten Fahrzeit ging es dann nicht mehr weiter.

Bild: Höhenbegrenzung

Wieder einmal war diese, für große Fahrzeuge unpassierbare Stelle, nicht ausgezeichnet und man bemerkte erst dass sich dieser Weg als Sackgasse entpuppt wenn man vor der Höhenbegrenzung stand.
Ich hätte es wissen müssen. Schließlich bin ich schon einmal mit meinem Vater zusammen auf dieser Strasse gefahren. Damals hatten wir einen Leihwagen der unter den Betonstempeln hindurchpasste. Aber ich hatte mich nicht daran erinnert.
Ich war gerade dabei mein Fahrzeug zu wenden als ein Kleinbus neben mir hielt. Auch er war zu hoch um unter der Begrenzung hindurchzupassen. Der Fahrer deutete mir an ihm zu folgen.
Es ging über unbefestigte Baustellenwege. Schweres Arbeitsgerät stand am Fahrbahnrand. Mehrfach geriet mein Fahrzeug ins schlingern wenn ich es mit Anlauf durch über 10 Zentimeter tiefe Schlammzonen steuerte. Dann erreichten wir eine Brücke ohne Höhenbegrenzung. Diese Brücke befand sich im Bau und eine rot-weiße Barke verwährte uns die Weiterfahrt.
Mein ortskundiger Guide drückte auf die Hupe, kurbelte das Fenster hinunter und wechselte einige Worte mit einem sich nähernden Bauarbeiter. Dann wurde die Barke beiseite geräumt und wir konnten passieren.
Kurze Zeit später erreichte ich Talmaciu. Aber wo war die G105?? Meine Strasse führte mich auf die Hauptstrasse, dort bog ich rechts ab und suchte nach einer Ausschilderung die in meine gewünschte Richtung deutete. Zwei mal fuhr ich mit meinem Truck durch die Ortschaft. Ergebnislos! Dann parkte ich und beschloss die Sache zu Fuß zu ergründen. Verhältnismäßig schnell fand ich die passende Strasse, aber einmal geparkt beschloss ich hier die Nacht zu verbringen. Ein Fehler! Denn am nächsten Morgen, ich wollte eigentlich nur rasch ein Brot kaufen um ein ausgiebiges Frühstück einnehmen zu können bevor ich in die Einsamkeit der Natur weiterziehen wollte, fand ich am Straßenrand meinen Mexi. Halb tot, total aphatisch und eindeutig hilfsbedürftig.
Wie ich bereits am Anfang dieses kleinen Erlebnisberichtes schrieb ist Mexi mittlerweile in Deutschland.
Um liebevolle Halter für das Tier zu finden schrieb ich den Forenbeitrag "Hund sucht Herrchen". In Ihm erzähle ich die Geschichte vom Fund das Tieres, über die nervenaufreibende Suche nach professioneller Hilfe, bis hin zur Operation und der Suche nach neuen Haltern für meinen Schützling. In einem Update erzähle ich davon dass Halter gefunden wurden und berichte von der erstaunlichen Gesundheitsverbesserung in Wort, Bild und Video.
Auf diesen Forenbeitrag möchte ich an dieser Stelle verweisen.
Ich stand also wieder im Stadtzentrum von Sibiu. Diesmal nicht in der Nähe des Marktes, sondern in der Nähe des Hauptbahnhofes.
Mein mobiler Haushalt wurde von einem frisch operierten Hund ergänzt der sich kaum bewegen konnte. Also war die ersten Tage hauptsächlich im Bus sitzen angesagt. Erst als sich der Gesundheitszustand von Mexi deutlich besserte begann ich wieder vor die Türe zu gehen. Sehr weit konnte mein Schützling nicht laufen, deshalb war der Weihnachtsmarkt im Stadtzentrum ein beliebtes Ziel. Bis dort konnte mein Mexi laufen und einmal dort angekommen konnte man langsam an allen Ständen vorbeilaufen, mit einem ofenwarmen Gogos in den Händen eine Pause einlegen und an den Wochenenden traf man hier auch die Menschen von "animal life Sibiu". Sie reisten mit einem ganzen Schwung Junghunden an und versuchten hier neue Menschen für sie zu finden.

Bild: Tiervermittlung

Ich verweilte lange bei den Hunden und beobachtete auch eine Vermittlung. Ein Schutzvertrag wurde ausgefüllt und dann wechselte ein junges Tier seinen Besitzer. Angeblich fährt irgendwann ein Mitarbeiter von animal life Sibiu bei den neuen Haltern vorbei und führt eine Nachkontrolle durch.
Auf Facebook grassieren Bilder mit Beschriftungen wie: "Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke" und hier werden junge Hunde auf dem Weihnachtsmarkt verschenkt. Ich möchte das unter keinerlei Umständen verurteilen. Man muss immer die Gegebenheiten berücksichtigen unter denen gehandelt wird. Die Tierheime hier sind voll. Finanzielle Mittel sind ebenso wenig vorhanden wie Platz. Die Tiere müssen weg. Und wenn nur einer von 10 wirklich ein gutes Zuhause findet, dann ist etwas Gutes geschehen. Denn andernfalls würden 10 von 10 ihr Leben hinter den Gittern eines Tierheimes fristen.
So verstrichen viele Tage. An den Vormittagen ließ ich die Tiere kurz auf den Grünstreifen hinter den stillgelegten Gütergleisen und am Nachmittag oder am späten Abend ging es zum Weihnachtsmarkt. Vor allem in den Nächten ärgerte ich mich wie jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit über die maßlose Energieverschwendung.

Bild: Ennergieverschwendung Weihnachtsbeleuchtung

Die Kinder denen die Weihnachtliche Beleuchtung vor allem Freude bereiten soll müssen die folgen der Verantwortungslosigkeit der heutigen Erwachsenenwelt dann später Ausbaden. Jedes Kind erhält nach Vollendung seines 18. Lebensjahres einen alten Plutoniumbrennstab zur Aufbewahrung und gut ist.
Abwechslung kam in mein Leben erst am 29. November 2012. Wie jeden Abend war ich auf dem Weihnachtsmarkt nur diesmal wurde mein frisch geretteter Mexi Opfer eines Hundefängers.

Bild: Hundefänger Rumänien

Da dieses sehr nervenaufreibende Erlebnis dafür sorgte das ich meinen Wohnort zum Tierheim von animal live Sibiu verlagerte und ich, angetrieben von meinem Vermittlungserfolg bei Mexi, eine neue Tiervermittlung startete, erzähle ich auch dieses Erlebnis auf der ausgekoppelten Seite "Privater Hundevermittlungsversuch - Helfe einem Tierheimhund" die nur 5 Tage nach diesem Erlebnis online ging. Schließlich kann man einen Hund nicht mit der Hilfe einer Homepage vermitteln die einen Zeitversatz von über einem Jahr hat.
Was auf dieser Seite nicht steht, das ist der Grund warum die Hundefänger ausschließlich unter Polizeischutz arbeiten. Ich wusste es zu dem Zeitpunkt als ich die Seite schrieb selber noch nicht. Aber, so habe ich später erzählt bekommen, muss es wohl in der Vergangenheit so gewesen sein, das diese Hundefänger häufig Opfer des Zornes der Bevölkerung geworden sind. Mehr als einmal muss einer von ihnen krankenhausreif geprügelt worden sein. Deswegen arbeiten sie heute nur noch in Begleitung von mit Gummiknüppeln und Faustfeuerwaffen ausgestatteten Polizisten. Es scheint in jedem Land das Gleiche zu sein: Politik gegen den Willen der Bevölkerung. Die staatlichen Machtapparate setzen ihre exekutiven Gewalten gegen die Menschen ein die sie durch ihre Steuergelder finanzieren. Wo Argumente versagen gilt das recht des Stärkeren und stärker ist derjenige dem das Staatssystem das Tragen und Einsetzen von Waffen gestattet.
Gerade das von einem deutschen regierte Hermanstadt hat ja viel Geld übrig um seine Bevölkerung zu unterjochen. Schließlich werden notwendige Sanierungen an Verwaltungsgebäuden durch deutsche Fördergelder finanziert.

Bild: Steuergeldverschwendung

Was auf dieser Seite auch nicht steht, das ist das ich den Polizisten noch einmal wieder getroffen habe. In Zivil, bei Kaufland, als ich mich für einen längeren Aufenthalt am Tierheim eindeckte.
Ich räumte gerade ein Packet Eier in mein Einkaufswägelchen als ich angesprochen wurde. "Wehere are your dog´s?" Ich schaute den fettleibigen Typ an der mich da blöd von der Seite anquatschte und fragte: "You are the police oficer?" Mein Kontrahent nickte. "I don´t like to talkt to you!" Hastig schob ich mein Wägelchen zu einem anderen Ort und hörte im Weggehen nur noch die Worte: "You are a god troubele macker!"
Irgendwie war ich erleichtert. Würden die tatsächlich nach mir suchen wäre diese Begegnung bestimmt nicht so glimpflich für mich abgelaufen.
Ich war also wieder an einem Tierheim gestrandet. Außer dem üblichen Füttern, Streicheln und Häufchen sammeln stand diesmal auch noch die Vermittlung von hoffentlich zwei Tieren auf meiner "to do Liste".
Ich fotografierte, schrieb, veröffentlichte, sprach meinen Text mit der Tierheimleitung ab, revidierte meine Worte und veröffentlichte letzten Endes offiziell.
Eine Flut von E Mails prasselte auf mich ein. Binnen weniger Stunden wurde mein Text über 200Mal auf Facebook geteilt. Rund 4000 Besucher zählte mein Statistiksystem binnen von 2 Tagen auf meiner Vermittlungsseite.
Nach meiner Erfahrung mit Mexi hatte ich den Text extra auf meiner HP veröffentlicht und nicht im Forum. Letzteres wäre einfacher für mich gewesen, allerdings hoffte ich darauf mithilfe einer Facebook Kommentarfunktion den Verwaltungsaufwand in Grenzen zu halten. Aber die Kommentarfunktion die ich extra eingefügt hatte wurde kaum genutzt. Die Meisten Anfragen kamen per Mail.
Ich fotografierte weitere Tiere, fand heraus ob es sich um Mädels oder Jungs handelt, versuchte mehr Informationen über den Charakter der Tiere zu erfahren für welche sich Menschen interessierten und lud Videos bei YouTube hoch damit sich potenzielle neue Halter die Tiere in Aktion anschauen konnten. Wer Spaß daran hat 8 Minuten lang Welpen in ihrem Auslauf zu beobachten, der kann das hier tun und wer die Tiere außerhalb ihres Auslaufes in Bewegung sehen möchte, der sollte sich dieses Video anschauen. Es vermittelt obendrein auch noch einen netten Überblick über die örtlichen Gegebenheiten der Tierheimanlage.
Neben den vielen Stunden die ich vor dem PC verbrachte war ich natürlich auch bei den Hunden selber. Hier kommt nur einmal täglich ein Mitarbeiter der füttert und neues Wasser bringt. Den Rest des Tages sind die Tiere alleine. Ihre Ausscheidungen werden nur am Wochenende aufgesammelt, dann wen die ehrenamtlichen Helfer Zeit dazu haben. Ich habe mir fest vorgenommen während meiner Anwesenheit täglich die Ausscheidungen zu entfernen. Für diese Arbeit benötige ich etwa 5 Stunden. Eine Stunde arbeit, eine Stunde öffnen und schließen der mit Draht zugetüdelten Gehegetüren und Drei weitere Stunden zum knuddeln, schmusen und spielen mit den Tieren.
Schon bald brach der Winter über mich und meine Schützlinge herein.

Bild: Wintereinbruch

Jetzt konnte ich am eigenen Leibe erleben wie schnell das Wasser einfriert. Und wie gierig sich die Tiere auf Flüssigkeit stürzen wenn man ihnen welche anbietet. Laut wetter.com fielen die nächtlichen Temperaturen auf -18Grad. Mein Wagen war eingeschneit, an ein Wegfahren war nicht zu denken.

Bild: Wohnmobil im Schnee

Neben der Arbeit am PC und der mit den Tieren musste ich auch an mich selber denken. Das Heranschaffen neuer Brennholzvorräte ist bei diesen Temperaturen eine existenzielle Notwendigkeit. Ganze Baumstämme schleppte ich zu meinem Fahrzeug

Bild: Feuerholz tragen

um sie dort in handliches Brennholz zu zerlegen.

Bild: Heizmaterial am Tierheim

In einem Bürocontainer der als Lagerraum des Tierheimes dient und der bis vor kurzer Zeit noch von einer Obdachlosen bewohnt wurde die, so wurde mir erzählt, immer mit einer großen Scharr Hunde im Schlepptau durch die Stadt gezogen sei und das Futter für die Tiere in Abfallkübeln zusammengesucht habe, fand ich etwas das mir fast genauso leid tat wie die Hunde.

Bild: defekte Versorgerbatterie

Schaut euch das an! Die schöne Batterie! Leer gesaugt bis auf 5,05 Volt. Tiefenentladen steht sie im bitteren Frost. Jetzt ist sie nur noch ein Fall für die Sondermüllannahmestelle. Auch wenn es sich bei der Batterie um tote Materie handelt, so blutet mein Herz.
Batteriemörder sind sie - diese Tierschützer! Aus Unwissenheit zerstört. Welchem Wohnmobilfahrer tut diese wunderbare Versorgerbatterie nicht leid?
Ich könnte heulen! Wäre das Ding noch in Ordnung gewesen, ich hätte sie augenblicklich gegen 200 Kilo Hundefutter eingetauscht. Das wäre sowohl für mich als auch für die Tiere vor Ort ein gutes Geschäft gewesen.
Nachdem es fest stand dass ich für einen weiteren Hund eine neue Heimat in Deutschland gefunden hatte wuchs die Zahl der Tiere die ich in meinem warmem Fahrzeug beherbergte an. Neben Scheki und Mexi beherbergte ich jetzt auch Milow, den kleinen Hungerhacken von meiner Vermittlungsseite, der der gut und gerne ein halbes Kilo mehr auf den Rippen vertragen kann. Friedlich schlafen meine vierbeinigen Schützlinge auf meinem Sofa und nur mit viel Glück finde ich selber noch einen Sitzplatz.

Bild: schlafende Hunde

Im Gegensatz zu Mexi war Milow nicht vom ersten Tag an Stubenrein. Auch ansonsten war er nicht so lieb und unproblematisch. Es handelte sich halt um einen Junghund, einen halben Welpen. Ein Tier im neugierigen Entdeckungsalter das gerne mal nachschaut ob man die Couchkissen aufessen kann oder ob sich ein Loch in die Fußmatte buddeln läst.
Aus diesem Grund beherbergte ich den kleinen Kerl nur während der Nächte. Tagsüber, wenn ich mich selbst nicht im Wagen aufhielt brachte ich ihn zurück zu seinen Geschwistern. Zumindest die ersten 3 Tage lang. Danach hörte klein Milow gut genug auf mich das ich ihn, genau wie die anderen einfach frei herumlaufen ließ.
Ich hätte ihn bis zu seiner Abreise ja auch ganz im Tierheim lassen können. Aber er war eh schon der Schwächste von allen und ich wollte unter allen Umständen verhindern dass er so endet:

Bild: erfrorener Hund

Als ich das Tierheim erreichte hab ich den Kerl noch hinter dem Ohr gekrault. Es war einer von den Freigängern. Also einer von den Hunden die außerhalb des Geländes frei umherstreunerten.
Als ich ihn das Erste mal in diesem Zustand sah zog ich gerade einen Schlitten. Wie bereits erwähnt war das Tierheim eingeschneit. Jeder Liter Wasser und jedes Kilo Futter wurde nun rund 700 Meter von der Hauptstrasse aus auf einem ganz gewöhnlichen Kinderschlitten herangezogen. Genau diesen Schlitten zog ich zusammen mit einem Mitarbeiter des Heims als wir den Kadaver des Hundes entdeckten. Das erste Opfer des Winters! Wir stoppten unsren Transport und trugen das tote Tier hinter die Bahngleise. Zu diesem Zeitpunkt war der Hund noch an einem Stück.
Als ich den Kopf des Tieres ein zweites Mal sah, befand er sich in der Schnauze meines eigenen Hundes. Nach kannibalischer Art machte es sich Scheki gerade mit diesem leckeren Kauknochen im Schnee gemütlich. Zum Glück sah ich die Sauerei früh genug und konnte meinem Hund den Schädel abnehmen.
Das restliche Skelett des Tieres fand ich dann wenige Stunden später. Die anderen Freigänger waren dabei es zu beseitigen. Die Natur ist schon grausam.
Am 11. ging es dann zusammen mit Michei, dem Mitarbeiter des Tierheims in den Baumarkt und zum Mobilfunkladen. In letzterem erwarb ich eine Prepaid Simkarte um weiterhin Zugriff auf das Internet zu haben. Die Internetverbindung die ich geschenkt bekommen hatte war nur bis zum 12. Dezember gültig. Durch die Welle die ich mit meiner Hundevermittlung losgetreten hatte brauchte ich aber weiterhin Internet.
Die Korrespondenz mit potenziellen neuen Haltern war noch nicht abgeschlossen und auch zur Koordination des Transportes war es unvermeidbar weiterhin Zugang zu den Weiten des www zu haben. Die Nutzung von W lan war hier unmöglich. Zu weit war die nächste menschliche Siedlung entfernt um sie zweimal täglich anzusteuern. Also erkundigte ich mich erstmalig was es kostet über einen Mobilfunkanbieter online zu gehen. Ein passendes Modem hatte ich ja geschenkt bekommen. Dummerweise war das Modem durch ein Sim lock gesperrt. Was sollte ich tun? Ich hatte die Sache begonnen und um sie zu Ende zu führen brauchte ich Internet. Umgerechnet 35 Euro bezahlte ich für ein neues Modem und eine SIM Karte nebst 10 Euro Startguthaben die mich einen Monat lang ins Netz bringen würde. Die Datenbeschränkung liegt bei 3GB. Der Anbieter: Cosmote.
Im Baumarkt erwarb ich OSB Platten, Styrepoor und Dachlatten.
Am 12. Dezember fror ich mir dann die Finger beim bau einer Hundehütte ab. Durch meine Tiervermittlung wurden ungezählte Tierfreunde auf meine Seite aufmerksam. Das war ja auch so gewünscht, wenn man ein Tier vermitteln will, dann ist es wohl notwendig möglichst viele Menschen zu erreichen und ihnen vom Schicksal der entsprechenden Tiere zu erzählen. Diese Aufgabe ist mir ja ganz gut gelungen. Ein angenehmer Nebeneffekt war der das ich innerhalb von 5 Tagen 6 neue VIP Leser dazu gewann. Unter normalen Umständen benötige ich 2 Monate um 6 neue VIP Leser zu erhalten. Irgendetwas konnte hier also nicht stimmen. Da ich also davon ausging das mindestens 4 der 6 VIP Leser im Grunde gar kein Interesse an meiner HP haben sondern nur deshalb VIP Leser geworden sind weil ich Spenden in Sachen Tierschutz in dem privaten E Mail Verkehr ablehnte, sie mir aber dennoch eine kleine finanzielle Aufwandsentschädigung zukommen lassen wollten, beschloss ich dieses Geld nicht nur in eine notwendige Internetverbindung zu investieren sondern den Hunden hier obendrein auch noch 2 oder 3 neue Häuser zu sponsern.
Haus Nummer 1 baute ich am 12. Dezember. Hier ein Bild des provisorischen Aufbaus:

Bild: Hundehüttenbau

Anderthalb Stunden später nahm das Häuschen schon Formen an. Deutlich erkennt man die Isolierung an der Rückwand der Hütte. Am Boden und an der linken Außenwand verschwindet das Styrepoor schon hinter einer zweiten Holzplatte.

Bild: Hundehüttenbau2

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit steht das Häuschen dann fertig vor meinem Wagen. Alle 6 Seiten sind mit 2cm Styrepoor Isoliert. Das Dach ist über ein selbstgebautes Scharnier aufklappbar um die Hütte besser reinigen zu können.
Einen Tag später wanderte ich dann nach Cinadi. Eigentlich wollte ich Mexi und Milow mitnehmen. Doch Mexi streikte bereits nach 100 Metern Tiefschneewanderung so dass ich ihn zurück ins Auto brachte. Im Zweiten Anlauf kam ich etwa 500 Meter weit. Dann entschied sich Milow zurückzulaufen und sich für einen Schlafplatz in der brandneuen Hundehütte zu entscheiden. Ich wollte den Kerl nicht so lange unbeaufsichtigt draußen alleine lassen, und im Wagen wollte ich ihn auch nicht haben. Also kam er noch einmal zu seinen Geschwistern.
Sechs Kilometer später erreichte ich dann das eingeschneite Cinadi.

Bild: Cinadi

In einem Geschäft kaufte ich neue Eier, dann lief ich noch einmal durch den Ort und mit Einbruch der Dunkelheit erreichte ich wieder meinen Wagen.
Am Abend hatte ich dann einen 30 Euro Werbegutschein für Werbeanzeigen auf Facebook in meinem E Mail Eingang. Gutscheine sollte man nicht verfallen lassen, also beschäftigte ich mich damit eine Werbeanzeige zu erstellen. Als ich den Vorgang abschließen wollte erfuhr ich dann dass das Mindestvolumen zur Schaltung von Werbung 31 Euro beträgt. Nun gut, einen Euro, das kann man ja mal bezahlen. Mit PayPal! Doch mein PayPal Account war gesperrt. Angeblich wurde ich nach einem Zufallsprinzip ausgewählt und musste nun 2 Sicherheitsfragen beantworten. Sicherheitsfragen! Die Schwachstelle jedes LogIn Systems. Unter anderem wollte das System von mir wissen wie mein erstes Haustier hieß. Jeder aufmerksame Leser dieser HP kennt die richtige Antwort. Wenn man die Richtige Antwort kennt, dann kann man auf den Knopf "Passwort vergessen" drücken und ein neues Anfordern. Kein Wunder das ich solche Fragen niemals wahrheitsgemäß beantworte. Aber ohne die Antwort auf diese Frage zu kennen war es mir nicht möglich eine Zahlung vorzunehmen. Ich kontaktierte den Support. Einen Tag später hatte ich Antwort. Er wolle mich anrufen und ich solle ihm meine Telefonnummer mitteilen. Ich teilet mit kein Telefon zu besitzen und PayPal hielt es 4 Tage lang nicht für nötig mir noch einmal zu antworten. Ich schrieb eine bitterböse Beschwerdemail und PayPal antwortete. Ich brauche ein Telefon! Ohne Telefon komme ich nicht an mein Geld.
Was soll ich tun? Auf meinem Account sind über 300 Euro. Einen Teil davon hatte ich schon für eine Hundehütte ausgegeben. Jetzt war mein Zugang gesperrt. Also wanderte ich noch einmal nach Cinadie und kaufte eine SIM Karte. 10 Euro habe ich ausgeben müssen damit mein Geld nicht von einem Großkonzern beschlagnahmt wird. Leider habe ich noch nicht raus bekommen wie man diese verdammte SIM Karte aktiviert so das mein Werbegutschein wohl verfallen wir.
Am 15. sollten dann meine Tiere abgeholt werden. Der 15. war ein Samstag. 8 Helfer waren den ganzen Tag im Tierheim. Wir schraubten Teppichreste vor die Eingänge der Hütten, machten Großputz auf dem Gelände, statteten die Hundehäuser mit neuem Heu als Einstreu aus, reparierten unter der Schneelast zusammengebrochene Wetterschutzdächer in den Gehegen und führten andere Arbeiten aus. Irgendwann bekam ich ein Mobiltelefon gereicht. Am anderen Ende Andrea, die Leiterin des Tierheims. Sie hatte mit der Taxifahrerin gesprochen und diese vermutete mich in Pitesti. "Was? Wie? Ich hab doch tausendmal Sibiu geschrieben. Was ist denn da schief gelaufen??" Mir rutschte das Herz in die Hose. Bleibe ich jetzt doch auf 2 Hunden sitzen? Klappt das alles nicht?
Aber es klappte. Um ein Uhr in der Nacht traf ich mich mit Andrea an der Hauptstrasse. Von dort ging es mit meinen 2 Schützlingen an Board in ihrem Wagen zu einer nahe gelegenen Tankstelle. Dort warteten wir noch etwa 30 Minuten. Dann hielt neben uns ein Mercedes Vito. Das Taxi war da, beladen mit 7 weiteren Hunden die es aus Constanza mitgebracht hatte und die ebenfalls neue Halter oder Pflegestellen in Deutschland hatten. Wir unterhielten uns eine Weile mit der symphatischen Tierfreundin, führten die sich an Board befindlichen Hunde Gassi und dann war es Zeit meine Tiere einzuladen.

Bild: Hundetransport

Mittlerweile haben wir schon den 19. Dezember 2012. Meine Schützlinge sind gut in Deutschland angekommen und es grassieren schon die ersten Bilder auf Facebook.

Bild: Vermittelter Hund (Mexi)

Die Temperaturen liegen wieder deutlich im Plus bereich, der Schnee ist soweit geschmolzen das ich theoretisch das Weite suchen könnte. Aber gleich geht es noch einmal zum Baumarkt. Ich vertraue fest darauf dass es mir gelingen wird meinen PayPal Account zu entsperren und somit verfüge ich noch über Finanzmittel um 2 weitere Hütten zu bauen. Das würde ich gerne tun bevor ich von hier verschwinde und hoffentlich pünktlich zum Weltuntergang zwischen meinen beiden 2000ern parke.

Ich parkte nicht pünktlich zum Weltuntergang zwischen meinen beiden 2000endern. Die Welt ist ja auch nicht untergegangen. Schade!
Am frühen Abend des 19.12.2012 ging es dann mit Michei und seiner kleinen Tochter Stephana zum nahen Baumarkt. Ich hatte genau ausgerechnet wie viele Platten ich in welcher Größe benötige um die Hütten zu bauen. Ganz schön kompliziert. Grundplatte = 80X100. Die Zweite Platte braucht somit eine Größe von 80X100-2Mal Plattenstärke-1Mal Dachlattenstärke. So oder so ähnlich sah die Berechnung für jede Wand der 6 Hüttenseiten aus. Stunden habe ich daran gerechnet. Bauen fällt mir einfacher - Architekt habe ich nie gelernt. Aber ich habe eingesehen dass der Typ im Baumarkt mit seiner teuren Wandsäge einfach sauberer und einfacher sägen kann als ich mit meiner Stichsäge auf einem wackeligen Campingtisch.

Bild: Hundhüttenbau3

Alle Maße hatte ich auf einen kleinen Zettel geschrieben. 12 Platten pro Hütte. Im Baumarkt überlegte ich dann daran wie man die passenden Platen so auf den 2,5 Mal 1,25 Meter großen OSB Platten, aus denen ich bauen wollte, verteilt damit es möglichst wenig Verschnitt gibt. Ursprünglich wollte ich aus Siebdruckplatten bauen. Aber diese Platten kosten 6 Mal soviel wie OSB. Zugegeben, sie sind auch besser aber man muss ja auch an die Kosten denken.
In komplizieren Bildchen erklärte ich Michei was ich brauchte und er erklärte es dem Herrn vom Zuschnitt in seiner Landessprache.
Dummerweise sind wir hier in Rumänien, und so große Mengen kann man nicht direkt mitnehmen. Morgen sei das Material abholbereit erklärte mir Michei mit Händen und Füßen. Tatsächlich, am Vormittag des nächsten Tages klopfte es an meiner Türe. Draußen stand Michei und in seinem Wagen lagen haufenweise OSB Platten in den passenden Größen. Gemeinsam trugen wir das Zeug vor meinen Wagen.

Bild: Material für Hundehütten

Augenblicklich machte ich mich an die Arbeit. Fließbandbetrieb. 3 Hütten würden es werden, für 3 Hütten hatte ich Material gekauft. Erst 3 Bodenplatten fertig stellen, dann 3 Rückwände, dann 6 Mal die Seiten.
Am späten Nachmittag standen 3 halbfertige Hundehütten vor meinem Wagen. Der Baufortschritt war bei jeder der gleiche.

Bild: Hundehüttenbau4

Am 21. widmete ich mich dann der Isolierung und der Dächer.
Am Abend, so gegen 21 Uhr, ich saß in meinem Wagen und wartete sehnsüchtig auf den Weltuntergang, klopfte es dann auf einmal. Ich blickte aus dem Fenster. Draußen stand ein Typ den ich noch nie gesehen hatte. Ich steckte mein Pfefferspray in die Hosentasche und verließ das Fahrzeug. Ein Wortschwall Kauderwelsch drang auf mich ein. "Sorry, englisch? German? Ich bin Deutscher, Njt comprende. Njematz!"
"Njematz?! Alles Gute kommt von oben!" Erwiderte mein stark angetrunkener Gesprächspartner lallend. "Alles Gute kommt von oben", seine einzigen Deutschen Worte. Pünktlich zum Weltuntergang! Ich blickte in den Himmel und dachte: "Wann kommt es den??"
Dann wechselte mein neuer Bekannter wieder in die rumänische Sprache. Ein Redeschwall stürzte über mich herein. Der Kerl plapperte in einer Geschwindigkeit dass ich wirklich garnix verstand. Außerdem unternahm er nicht den leisesten Versuch mir seine Worte durch international verständliche Gebärden zu verdeutlichen. Erst als er eine Flasche Schnaps aus einer Plastiktüte zog, einen tiefen Schluck nahm und mir die Flasche entgegenhielt verstand ich was er wollte. Ich lehnte ab. Erstens mag ich keinen Schnaps und zweitens hoffte ich noch immer darauf dass irgendetwas passieren würde. Und wenn dann irgendetwas passiert, dann wollte ich Herr meiner Sinne sein, ich fühle mich nämlich auserwählt den Weltuntergang zu überleben und überleben tut man nüchtern sicher besser.
Es dauerte eine Weile dem Kerl begreiflich zu machen dass ich keinen Schnaps möchte. Mindestens genauso lange dauerte es seine Einladung ihm zu seiner Hütte zu folgen auszuschlagen. Ich hätte ja wirklich gerne mal geschaut wo der Typ hier wohnt. Ein Haus kann das nicht sein. Hier gibt es keine Häuser. Das kann nur eine dieser provisorisch zusammengenagelten Bruchbuden sein die etwa 300 Meter hinter dem Tierheim am Flussufer stehen. Der Kerl schaut schon aus wie ein Penner und ist mindestens so besoffen wie man es von einem Penner erwartet. Ich hätte wirklich gerne mal geguckt, ich hätte es auch in kauf genommen deswegen diesen widerlichen Schnaps zu saufen der sicherlich blind macht. Aber nicht heute, heute ist Weltuntergang, und am Weltuntergang gucke ich keine selbstgebauten Obdachlosenherbergen und vor allem trinke ich am Weltuntergang keinen Alkohol. Irgendwann begriff der Kerl, verabschiedete sich mit den Worten: "Alles Gute kommt von oben" und ließ mich alleine.
Bis etwa 3 Uhr in der Nacht wartete ich auf das Gute das von oben kommt. Aber es kam nicht.
Scheiße, ich werde mich auch in Zukunft mit Visabestimmungen und anderen Staatlichen Schikanen Auseinadersetzen müssen.
Am 22. wurden die Dächer gedeckt. In dem alten Bürocontainer auf dem Tierheimgelände fand ich dünne Aluminiumbleche. Leider waren sie zu klein um sie einfach auf ein Dach zu schrauben. Ich überlegte eine Weile wie ich das Problem am besten löse, dann hatte ich eine Idee. Ich würde jeweils 4 Bleche miteinander Verpfalzen so dass sie ein großes Blech würden. Ich legte die Bleche also auf das Dach einer Hütte, und zwar genau so dass 1,5cm des Bleches über den Dachrand hervorstehen. Dann schraubte ich mit zwei Schraubzwingen eine Dachlatte bündig zum Dachrand über das Blech. Jetzt konnte ich das Blech sauber um 90° abkanten. So verfuhr ich mit 16 Blechen. Anschließend legte ich die 90° Winkel sauber zu 180° Winkeln um. Jetzt steckte ich die Bleche ineinander und setzte die Pfalz mit einem zurechtgeschnittenen Hartholzstück durch. Ein Pfalzeisen nenne ich leider nicht mein eigen. Als ich damit fertig war hatte ich 8 große Bleche. Jeweils 2 davon müssen noch miteinander vereint werden. Ich verfuhr genauso wie beschrieben. Dort wo sich die Pfalze treffen hatte ich Probleme, es ist ein wenig schief geworden. Aber für eine Hundehütte die bei Minusgraden auf einem wackeligen Campingtisch gebaut wurde vollkommen ausreichend.
Jetzt verschraubte ich eine Seite des dünnen Bleches unter dem Dach und bog es in einem geschwungenen Winkel vorsichtig über die Hütte.

Bild: Hundehüttenbau - Das Dach

Dann musste das Blech sauber um die äußere Dachplatte gebogen werden. Ich nahm wieder mein Hartholzstück zur Hilfe in welches ich eine leicht zu kleine Aussparung gesägt hatte die ich anschließend ausfeilte.
Anschließend wurden die restlichen 3 Dachseiten bearbeitet. Kurz vor Sonnenuntergang standen dann 3 fast fertige Hütten vor meinem Wagen.

Bild: fast vertige Hundehütten

Am nächsten Tag baute ich herausnehmbare Trennwände in die Hütten. Die Idee war folgende: Eine Hundehütte braucht einen Eingang. So ein Eingang läst sich nicht isolieren. Wenn der Wind auf dem Eingang steht, dann wird dem, in der Hütte liegenden Hund, ständig eiskalte Luft um die Nase geweht. Deshalb eine Trennwand, eine Hundehütte mit Flur sozusagen. Der Hund betritt sie durch den Eingang, läuft bis an das Ende der Hütte und kann dort durch einen zweiten Eingang in die eigentliche Hütte krabbeln. So müsste der kalte Wind um die Ecke wehen wenn er zu dem Hund will. Klar, das wird der Wind auch tun, aber wohl in weitaus geringerem Maße als wenn er direkt in den Wohnraum wehen könnte. Wenn man es besser machen wollen würde, dann könnte man es mit einer Zentralheizung versuchen. Aber ich glaube man kann auch alles übertreiben.
Pünktlich zu Weihnachten, pünktlich am 24. Dezember bekamen die Hunde dann ihre neuen Häuser die sie bereits erforschten noch bevor sie vollständig zusammengebaut waren.

Bild: Hund entdeckt Hundehütte

Doch auch nachdem der Deckel auf dem Dach lag freuten sich die Tiere über das kleine Weihnachtsgeschenk das ich ihnen bereitet hatte.

Bild: Hund entdeckt Hundehütte2

Ich wollte abreisen. Mexi und Milow waren in Deutschland, die Hundehütten die ich bauen wollte fertig gestellt und bei den Tieren. Doch ich wurde gefragt ob ich über Weihnachten nicht das Füttern übernehmen könne.
Wenn ich es nicht tun würde, dann würde es schon wer anderes machen. Verhungern lassen die die Tiere bestimmt nicht. Aber dieser andere wird es unter Stress tun, schließlich wird er es eilig haben und zu seiner Familie wollen. Ich hingegen habe es nicht eilig, mir geht Weihnachten am Arsch vorbei und … na ja, 80 Hunde, das ist doch eine prima Gesellschaft um das Fest zu verbringen. Ihre Zuneigung ist wenigstens ehrlich und nicht so intrigant geheuchelt wie es zu Weihnachten allgemein üblich ist.
Also blieb ich.
Ich blieb auch noch am 27., am 28, und am 29. Ich wartete auf Menschen die ich kannte um mich offiziell zu verabschieden. Ich wollte das nicht per E Mail machen. Diese Menschen traf ich am 28.
Am 29. war ich dann damit beschäftigt meinen Wagen aufzuräumen. Stichsäge, Felx und anderes Werkzeug stapelten sich auf meinem Fahrersitz, unter den Wagen hatte ich eine alte Palette gelegt um auf ihr Brennholz stapeln zu können und das Restliche Bauholz das übrig geblieben war stand auch noch vor meinem Wagen.
Ich hatte gerade angefangen als 3 Helferinnen eintrafen um sich um die Hunde zu kümmern. Also ließ ich meinen Krempel liegen und half ihnen.
Füttern, Häufchen aufschaufeln und in einem gekonnten Bogen über den Zaun schleudern (ja, so wird das hier gemacht), das Eis aus den Wasserbehältern klopfen und frisches Wasser einfüllen das auch bald gefroren sein wird. Dort wo die Hunde das Heu aus ihren Hütten gescharrt haben neues Heu einfüllen usw. Das übliche halt. Um kurz nach 4 knipsten wir ein Abschiedsfoto

Bild: Abschiedsfoto Tierheim Sibiu

und ich erhielt ein Geschenk. Einen kleinen weißen Porzellanengel der einen Blumenstrauß in seinen Händen hält.

Bild: Geschenk Porzelanengel

Wunderschön! Das Geschenk erinnert mich ein wenig an die kleine Kerzenhalterballerina in schickem rose die ich in Dubrovnik geschenkt bekommen habe.
Ich habe mich trotzdem gefreut. Es geht sich hier ja nicht um materielle Werte sondern um die Geste und dieser kleine Porzellanengel hat so eine Mitgliedskarte von Animal life um den Hals hängen. Auf ihr steht mein Name. Alle Leute dort haben solche Karten und wenn sie in der Öffentlichkeit auftreten, zum Beispiel bei Vermittlungsaktionen auf dem Weihnachtsmarkt, dann tragen sie sie.
Jetzt habe ich auch so eine Karte, ich bin quasi Ehrenmitglied. Den Porzellanengel stelle ich in das Regal zu meinem Nähzeug und der neuen Zöllnerschreckdose. Irgendwann wird er herunterfallen und zerbrechen, genau wie die Ballerina in schickem rose heruntergefallen und zerbrochen ist, dann werde ich ihn wegschmeißen. Aber die Karte, die Karte werde ich in den kleinen Pappkarton legen den ich besitze und in dem ich alle möglichen Zettel mit Telefonnummern und Kontaktmöglichkeiten zu Menschen aufbewahre die ich während meiner Reise kennen gelernt habe.
Am 30. setzte ich dann meine Arbeit fort. Gegen 15 Uhr war ich fertig. Der Fußboden war frisch gewischt, das Geschirr abgespült und auch ich hatte eine Dusche genommen. Im Fahrerhaus stapelte sich kein unsortiertes Werkzeug mehr sondern neu eingelagertes Heizmaterial.

Bild: Brennholz im Wohnmobil

Ich startete den Motor und parkte kurze Zeit später zum dritten Mal auf dem Parkplatz von PennyXXL, schräg gegenüber von Kaufland.
Die Geschäfte waren brechend voll. Es war als würden sich die Menschen für den Weltuntergang eindecken wollen. Dabei war der Weltuntergang doch bereits vorüber und es stand nur ein ganz gewöhnlicher Jahreswechsel vor der Türe. Bei Penny erwarb ich ein Brot und etwas Aufschnitt. Geschlagene 40 Minuten wartete ich an der Kasse. Dann wurde gegessen und anschließend bin ich zu Kaufland. Dort war es noch voller. Noch nicht einmal ein Einkaufswägelchen konnte ich ohne Wartezeit ergattern.
Ich verschob meinen Einkauf auf den Folgetag und ging heim. Am nächsten Morgen war es leerer. Viel brauchte ich ohnehin nicht. Ich hatte mich ja bevorratet um den beginn einer neuen Weltordnung zu überleben. Aber einige Dinge die man frisch braucht, und die das Leben einfach schöner machen, wollte ich erwerben. Kartoffeln etwa. Ich esse Kartoffeln halt lieber als Nudeln. Außerdem ist es immer eine gute Idee die Sonderangebote zu checken wenn schon die Container hinter dicken Vorhängeschlössern verriegelt sind. Eigentlich bojkotiere ich ja Geschäfte die ihre Abfälle wegschließen. Aber wenn ich mich in Rumänien an diesen Bojkot halten würde, dann müsste ich verhungern. Im Angebot gab es Sojaschnitzel. Sojaschnitzel sind lecker, einfach zuzubereiten und man kann sie ewig einlagern. Deshalb kaufte ich alle die im Angebot waren. Über 3 Kilo für umgerechnet 4,3Euro.
Dann brachte ich die Einkäufe zu meinem Wagen und dann, dann wollte ich noch einmal rasch Geld wechseln gehen. So ganz ohne Kohle aufzubrechen ist sicher keine gute Idee. Vor allem dann nicht wenn man noch ein wenig Elektrizität in form von 5 Litern Normalbenzin erwerben möchte. Mit 453Lei, dem Geld das ich für eine Einhunderteuro Banknote erhalten hatte in der Tasche passierte ich das Schaufenster eines Elektronikmarktes. In diesem Schaufenster lag ein Tablet PC. "Offerta: 399Lei" stand auf dem Preisschild daneben. Ein W lan Scanner im praktischen Mobiltelefonformat! Ich betrat das Geschäft. Das Objekt meiner Begierde war auch ausgestellt. Es war an das Stromnetz angeschlossen und mit so einer Alarmanlage gesichert wie es in großen Elektronikmärkten üblich ist. Aber man konnte das Gerät testen. In Ruhe! Keiner ging mir auf den Sack. Betriebssystem: Android. Was ist das den für ein Käse?? Wie funktioniert den der Scheiß? Ich brauchte bestimmt 10 Minuten bis es mir gelang die Tastensperre zu entriegeln. Dann abermals 10 Minuten bis ich auf den Bildschirm gelangte wo die Programme zu finden sind. Programme im Android System nennen sich dann übrigens Apps. Wieder was gelernt! Es waren viele Apps auf diesem Tablet PC installiert. Vor allem Spiele. Eine Spielkonsole wollte ich aber nicht kaufen, ich interessierte mich für einen portablen W lan Scanner und ein ultra-stromspar Textverarbeitungsprogramm. Eingangsspannung: 5Volt steht auf dem Typenschild. Das Ding kann keinen Strom verbrauchen, das kann 24 Stunden am Tag eingeschaltet sein, immer auf Bereitschaft. Schreiben wann und wo man will, wie so ein gutes altes Notizbuch mit Kugelschreiber nur das man auch nach Wochen seine Schrift noch lesen kann.
Irgendwann fand ich die Funktion W-lan Suchen. Ich hab es auch gleich geschafft mich mit dem Netzwerk des Kaufhauses zu verbinden. Super, dann googeln wir doch gleich was Vernünftiges: "Goclever TAB R75" Vielleicht finde ich ja eine deutsche Bedienungsanleitung im Netz. Ich fand sie nicht. Dafür gleich 5 Läden die das Ding ebenfalls für unter 100 Euro verkaufen. In der Produktbeschreibung stehen die gleichen, mir unverständlichen, Fachworte die ich schon im rumänischen nicht lesen konnte. Dafür finde ich heraus wie und wo man diese Apps herbekommt und installiere gleich eine Textverarbeitung. Das ging echt einfach! Danach noch ein weiteres App und schon hatte das Teil deutsche Umlaute auf der Tastatur. Zu Testzwecken schrieb ich einen kurzen Text. Für unterwegs ist das Touchscreen ganz brauchbar, aber um seitenlange Berichte zu schreiben bräuchte es eine externe Tastatur. Ich betrachtete das Gerät und stellte fest das ihm so etwas Ordinäres wie ein USB Anschluss fehlt. Wie soll ich da meine Tastatur einstecken?? Bluetoth erklärt mir googel. Eine Bluetoth Tastatur besitze ich nicht, ich besitze nur eine mit USB Anschluss. Darüber hinaus besitze ich zum Datentransfer entweder einen USB Stick oder eine SD Karte. Mit beiden Speichermedien ist der kleine Tablet nicht kompatibel. USB schon mal gar nicht und bei Speicherkarten frisst er nur eine minni SD.
Nach rund 3 Stunden Testzeit hängte ich das Gerät frustriert zurück in seine Halterung und verließ das Geschäft ohne einen Cent auszugeben.
Dann startete ich den Motor und fuhr unbekannten Zielen entgegen.

Weiter geht es auf dem Weg zur Salina Turda.

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Bild: Danke
Bei Gilbert von Sandblech.com für die Aufnahme meiner Reiseberichte in seine Linkliste.



Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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