Tierheim Nikitie (www.animalpardnet.de)

Am Eingang der Station ein Schild: "Fremde habe ich zum Fressen gerne" Daneben die Karikatur eines Hundes. Unmittelbar hinter dem Zaun die Augen des Teufels.

Bild: animalpardnet; Hund Richi

Nicht viel langsamer als Richie, der Besitzer der Teufelsaugen, ist eine junge Frau. "Du musst Stefan sein!?" "Ja, der bin ich. Und du bist Samira?" "Nein, ich bin die Heike, Samira kommt gleich. Komm doch erst mal rein." Die Türe öffnet sich, ich weise meinen Welpen an draußen zu warten, und betrete das Stationsgelände. Tatsächlich, Teufelsauge Richie hat mich zum Fressen gern. Nicht auf die Art und Weise wie er einem dicken Knochen zu Leibe rücken würde, sondern eher in der Art wie ich ein Hörnchen Speiseeis zu verzehren gedächte. Ohne mich je gesehen zu haben hüpft das gutmütige Tier an mir hoch und übersäht mich mit feuchten Hundeschmatzern. Schon hab ich Ihn auf dem Arm, drehe ihn auf den Rücken und lege ihn behutsam auf dem Boden ab um seinen Bauch zu kraulen. Die Rangordnung wäre geklärt, der tut mir nix. Dann kam Samira, die Leiterin der Station. "Das ist ein ganz lieber, steckt nur leider in der falschen Haut," lässt sie mich wissen. Nach einer kurzen Begrüßung erfahre ich das Richie wohl Dauergast werden würde. In Deutschland falle er unter die Kampfhundeverordnung, eine Vermittlung sei somit nahezu ausgeschlossen und bevor er hinter den Gittern eines Deutschen Tierheimes ende, dürfe er einfach hier bleiben. Ich schaue mich um, Gitter gibt es hier nicht. Überall sind Hunde. Die einen schlafen friedlich in der Sonne, andere spielen ausgelassen miteinander und keiner ist an einer Kette oder hinter einem Zwingergitter eingesperrt. Klar gibt es hier Zäune die die einzelnen Ausläufe voneinander abgrenzen, aber hinter diesen Zäunen befindet sich nicht der Beton einer Zwingeranlage sondern Erdreich, Wiesen und Bäume. In Gruppen zwischen 2 und 15 Hunden teilen sich die Tiere riesige Ausläufe in welchen sie sich frei bewegen können. "Wir wollen heute Abend essen gehen, weil Heike Geburtstag hat. Möchtest du mitkommen?" "Wenn ich die Kleine mitnehmen kann. Ich hab ja auch noch den Großen, bin mir gar nicht so sicher ob Ihr den bekommt. Ist so ein lieber Kerl." "Klar kann die mit, ich gehe nirgendwo hin wo ein Hund nicht willkommen ist. Wo sind die eigentlich?" "Schecki sitzt im Auto, dem ist schlecht und die kleine turnt da draußen irgendwo rum." Schon fange ich mir einen Anschiss ein. "Wie, die ist da draußen irgendwo! Da unten ist die Strasse, außerdem gibt's hier `nen Schäfer. Seine Hunde sind nicht ohne, die machen kurzen Prozess mit deiner Kleinen." Ich kenne Schäferhunde ja nur als ausgeglichene, äußerst friedfertige Zeitgenossen. Die sich den ganzen Tag an der frischen Luft bewegen und mit allem und jedem lieb und umgänglich sind. Aber vielleicht gibt es ja Ausnahmen. Ich setze Möff in den Wohnraum und trage den Großen in die Station. Zusammen mit einer frisch kastrierten Hündin zieht er erst einmal in den so genannten Aufwachraum. "Wir müssen gucken ob der gesund ist bevor er mit den anderen zusammen darf. Schließlich ist er nicht geimpft." Einige Minuten beobachten wir ob sich Schecki mit seinem Artgenossen verträgt, dann schließen wir die Türe des etwa 2,5 mal 5 Meter großen gefliesten Raumes von außen. Schecki tut mir leit. Er kommt von der Strasse, kennt seine Freiheiten und jetzt wird er in diesem kleinen Raum eingesperrt. Aber ja, es ist wohl das Beste für ihn. Möff kommt in meinen Rucksack und dann fahren wir mit dem Stationsfahrzeug Richtung Speiserestaurant.
Gesprächsthema sind die Tiere. "Bist du mit der Entwurmung durch? Geben wir der XY diese oder jene Tabletten? Der YX wird auch immer frecher." Ich kann nicht mitreden. Ich kenne weder die Tiere noch habe ich eine Ahnung von Tiermedizin. Aber anscheinend meine Tischnachbarn. Ich nutze die Gelegenheit und zeige die Röntgenbilder meiner toten Hündin. Fachsimpeln beginnt. "Schau mal hier der (eigenartiger Fachausdruck den ich mir nicht merken konnte) schaut komisch aus. Hatte die mal ´nen Unfall?" Ich antworte, dass ich es nicht glaube aber nicht zu 100% ausschließen könne. "Doch ganz sicher, das ist ein Unfallhund! Wie, Du weißt nicht ob dein Hund `nen Unfall hatte?" Ich erkläre dass ich das Tier nicht 24 Stunden am Tag beaufsichtige und ich nicht wüsste was passiere wenn sie alleine unterwegs sei. "Wie die ist alleine unterwegs?" Recht schnell bemerke ich, dass meine Art der Hundehaltung in Tierschützerkreisen auf Unverständnis und Abneigung stößt. Ich erkläre dass so ein Tier ein freies Wesen sei und ich es nicht für gut heiße es einzusperren. Dass es bei mir alle Freiheiten habe die es haben wolle, und darüber hinaus jemanden der es füttert, ihm einen warmen Schlafplatz zur Verfügung stellt und im Bedarfsfall die Tierarztkosten übernimmt. "Siehst Du ja was du davon hast, `nen toten Hund." Der saß! Trotzdem bleibe ich meinem Standpunkt treu. Besser knapp 4 Jahre glücklich gelebt als in Gefangenschaft 15 Jahre alt geworden.
Am nächsten Morgen betrete ich das Gelände. Wie am Vortag werde ich von Richie begrüßt. Es dauert eine Weile bis er beschließt mich sauber geknutscht zu haben und mich weitergehen lässt. "Ah, Du kommst gerade richtig. Kannst deinem Fundtier Futter bringen." Begrüßt mich Bertie. Bertie ist vor einigen Jahren hier gestrandet. 2 Jahre hat er ehrenamtlich ausgeholfen, heute bekommt er ein kleines Taschengeld vom Verein damit er seine laufenden Kosten decken kann. Sein Wohnwagen, welchen er mit seinen 2 Hunden bewohnt steht auf dem Hof und dient nach Feierabend häufig als Asyl für liebebedürftige Tierheimhunde.
Ich betrete den Aufwachraum in welchen ich vor gut 12 Stunden meinen Schecki eingeschlossen habe. In den Händen trage ich zwei Schüsseln Futter. Mit eingekniffenem Schwanz, verängstigt und verstört kommt er auf mich zu. Mein Entschluss ist gefallen! Schecki bleibt nicht hier! Ab heute habe ich 2 Hunde!
Da nach der Fütterung das Gassi gehen mit den "Aufwachraumhunden" ansteht ist dies eine gute Möglichkeit meinen Schecki von dem einen in das andere Gefängnis zu verfrachten. Anschließend führt mich Bertie über das Gelände. Wasser gibt es hier nicht. Ähnlich wie in meinem Wagen kommt es aus Tanks. Nur dass mein Wagen bei einem Fassungsvermögen von 19 tausend Litern wohl einen Achsbruch erleiden würde. Wenn die Stadt gerade Diesel und einen Fahrer für Ihr Straßenreinigungsfahrzeug aufbringen kann, kommt dieses um die Tanks zu befüllen. Da das Wasser in dessen Inneren aber normalerweise mit Reinigungsmitteln versetzt ist kann man es nicht trinken. Trinkwasser wird in Kanistern mit dem PKW herangeschafft. Des öfteren sitzt die Station wassermäßig auf dem trockenen, da der Stadt das Geld fehlt. Hier in Griechenland wird das Budget, das eine Stadt zur Verfügung hat, nach Einwohnerzahlen berechnet, erfahre ich. Nikiti hat ca. 3000 Einwohner. Mit diesem Budget muss im Sommer dann der Müll von bis zu 30000 Touristen abtransportiert werden, wird mir weiter erklärt. Dass es da zu Finanzproblemen kommt leuchtet mir ein.
Ich bekomme die einzelnen Gebäude gezeigt und einfache Arbeitsschritte erklärt. Wie zum Beispiel Wäsche waschen. "Wenn Du siehst, dass die Waschmaschinen nicht arbeiten, kannst Du sie gleich wieder voll machen. Hier ist die Wäschekammer und Waschmittel kippst Du da rein. Dann auf 60 Grad stellen und anschalten." Das ist einfach, das kann ich mir merken und bei dem Berg vollgepinkelter und nach Ammoniak duftender Schmutzwäsche leuchtet mir die Notwendigkeit dieser Arbeit ein. Vielleicht zeige ich euch an dieser Stelle ein kleines Video.Dann bekommt Ihr, genau wie ich, einen kleinen Rundgang über das Gelände.


Die nächsten Tage verlaufen recht eintönig. Aufstehen um halb 7. Gassi gehen mit den eigenen Tieren bis 20 nach 7, und um halb 8 finde ich mich dann auf der "Arbeit" ein. Als erstes ist Füttern angesagt. Wie bereits am ersten Tag habe ich den Aufwachraum übernommen. Während die Tiere einige Minuten zur Verdauung haben fülle ich die Waschmaschinen dann werden Richie, Queeny, Baba Jaga und Omnibus,

Bild: animalpardnet; Hunde: Richie, Queeny, Baba Jaga und Omnibus

er heißt so, weil er, als er ankam, so mit Flöhen übersät war, dass die Stationsmitarbeiter beschlossen, er sei schon kein Floh-Taxi mehr, das sei schon ein Omnibus, angeleint um den Durchgang zum Gassi gehen frei zu machen. Etwa 30 bis 40 Minuten bin ich dann unterwegs. Die eigenen Hunde kommen selbstverständlich mit. Danach werden Häufchen gesammelt. Anders als in Zadar wird diese Arbeit hier nicht mit einer Schaufel verrichtet sondern mit den Fingern. Eine äußerst praktische Idee. Ein OP Handschuh schützt die Hand vor direktem "Scheiße Kontakt" und die aufgelesenen Ausscheidungen wandern in einen Plastikbeutel. Dieser wird nach Beendigung der Arbeit verknotet und entsorgt. Zwei bis dreimal täglich steht diese Arbeit auf dem Programm und jedes Mal kommen rund 10 Liter Kot zusammen. Anschließend ist es auch schon fast Zeit für das gemeinsame Frühstück. Noch eben durch den Aufenthaltsraum wischen, welcher derzeit von 5 Hunden bewohnt wird, alles Problemtiere die wohl Ihren Lebensabend hier fristen werden. Ich habe stellvertretend und im Namen dieser Tiere ihre Geschichte niedergeschrieben. Eigentlich tat ich das nicht für meine, sondern für die HP des Tierschutzvereins, aber zu einer Veröffentlichung ist es nie gekommen. Warum nicht? Das erzähle ich wenn es so weit ist. Da die Geschichten und die Verzeichnisstruktur aber bereits einmal erstellt sind, habe ich mich dazu entschlossen sie auf meiner Page zu veröffentlichen. Bitte, hier der Link.
Während des Essens sind diese Hunde ausgesperrt. Dreimal täglich finden so genannte Wechsel statt. Den Hof vor dem Aufenthaltsraum teilen sich dessen Bewohner und die Bewohner des Winterhauses, Ihr kennt es aus dem Video, als Auslauf. Die Wechselzeiten sind so eingerichtet, dass der Aufenthaltsraum zum Frühstück und zum gemeinsamen Abendbrot hundefrei ist. Das Essen findet, sehr zu meinem Missgefallen, bei laufendem Fernsehapparat statt. Da lebt man in einer deutschen Enklave, wie es Heike so treffend formulierte, findet außerhalb dieser Enklave kaum jemanden mit dem man sich anständig unterhalten kann und die wenige Freizeit die einem die Arbeit lässt verbringt man vor der Glotze und schaut Unterschichten - TV, anstatt ein belebendes Gespräch zu führen. Ja, man schaut Unterschichten - TV. Sehr beliebt sind Daily Soaps, Krankenhausserien in denen die Ärzte Golf auf dem Dach der Heilanstalt spielen und dabei Autoscheiben mit Ihren Bällen zerdeppern, Detektivserien in welchen zwei findige Privatdetektive auch den kniffeligsten Fall lösen. Dabei wird die Sendung so realitätsnah produziert dass sogar die Kraftfahrzeugkennzeichen der Verdächtigen ausgeblendet werden. Dennoch ist die Kamera immer dabei. Reality Shows a la "Mitten im Leben" sind auch sehr beliebte Ablenkungen bei der gemeinsamen Nahrungsaufnahme. Ich frage mich welche Mutter so viel Verantwortungslosigkeit besitzt ihre 15 Jährige Tochter vor ein Millionenpublikum zu stellen und über die Frage zu diskutieren, ob die Gefahr bestünde, dass sie das Kind vom Jugendamt weggenommen bekommt weil es ein wenig dick ist. OK, ein wenig dick, ist gelinde ausgedrückt. Dieses Mädchen konnte man rollen. Der Vater des Kindes sitzt bei laufender Kamera mit einem Bier in der Hand vor seinem Laptop und beschließt das er der "Kleinen" einfach mal 50 Euro zum shoppen in die Hand drückt. Wenn dann beim "Sappen" zufällig mal Nachrichten über den Monitor flimmern und ich aufschreie: "Lass das doch mal laufen!" wird mein Begehren mit den Worten: "Hier wird nix geguckt was bildet, wir haben Freizeit, wir wollen uns entspannen." niedergeschmettert. Das Nachfolgeformat von Heiterem Beruferaten, eine Sendung in der Möchtegern Prominente wie Hella von Sinnen und Jochen Busse darüber philosophieren was denn wohl ein Toilettentrainer sei, trifft diese Vorstellung von Entspannung anscheinend gut. Aber ich will mich nicht beschweren, seit ich mitbekommen habe das Jamba, ein Anbieter bei dem man sich zu sagenhaften Top Konditionen von knapp 3 Euro die neuesten Charts als Klingelton für sein Handy herunterladen kann, nun seinen eigenen TV Sender gegründet hat auf welchem er 24 Stunden am Tag den "Crazy Frosch" bewirbt, weiß ich, dass es immer noch eine Stufe niveauloser geht
Dafür ist das Frühstück gut. Frisches Brot, Belag nach Wahl, Wurst, Käse, Schinken - gekocht oder roh - Butter, Senf, oder Mayonnaise - Honig, Nutella, Marmelade. Es gibt einfach alles. Als Nachtisch noch `nen Jogurt oder `ne Banane? Der Kühlschrank ist reichlich gefüllt man braucht nur zugreifen. Nachdem ich meinen Kaffeefilter mitgebracht habe gibt es sogar richtigen Filterkaffee und nicht nur Instandbrühe von Geenfood Anbieter Nestle. Da kann man es auch mal in Kauf nehmen dass einem die "Kollegen" durch das Einschalten des Fernsehgerätes wortlos zu verstehen geben: "Halt bloß dein Maul, wir haben Freizeit." Nach der Frühstücksfreizeit nehme ich mir meine höchst persönliche "Sonderfreizeit" um bei meinen Tieren zu sein. Ein wenig Bewegung und Abschalten vom TV Konsum tut auch bitter not. Häufig treffe ich mein Fahrzeug verwüstet an wenn ich nach Hause komme.

Bild: verwüstetes Wohnmobil

Am Nachmittag ist der Arbeitsalltag nicht ganz so geregelt wie vor dem Frühstück. Man tut halt was man für richtig hält. Rasenmähen, Fensterputzen, Häufchen sammeln, Transportboxen reinigen und je nach Bedarf zusammen oder auseinanderschrauben, Kehren usw. Zu den einzelnen Stationen habe ich noch keinen Zugang, so dass mir diese Arbeit nicht vertraut ist. Ein klarer Arbeitsauftrag ist auch das Streicheln, Bespielen und Bürsten der Hunde wie man auf einem aushängenden Schild lesen kann. Eine Aufgabe die ich besonders gewissenhaft übernehme. Von 2 bis halb 5 ist Mittagspause. Jeder verkrümelt sich in seine Gemächer und ich gehe mit meinen Hunden. Häufig nehme ich noch einen der Heimbewohner mit. Ich denke die freuen sich. Das Tierheim liegt eingeschlossen zwischen zwei Mülldeponien. Egal in welche Richtung man wandert eine dieser Halden muss man immer passieren.

Bild: Mülldeponie Nikiti

Nach der Mittagspause ist dann für mich erneutes Füttern und Gassi gehen mit den "Aufwachraumhunden" angesagt. Bereits am dritten Tag meiner Anwesenheit wohne ich einer Kastration bei. "Darf ich zuschauen?" Frage ich ganz kleinlaut als ich mitbekomme das die Operation ansteht. "Wenn Du nicht umkippst gerne" Erhalte ich als Antwort. Ich kippe nicht um, dessen bin ich mir sicher. Wer ein Reh zu Kotteletts verarbeiten kann, der kippt auch nicht um wenn einer Hündin die Gebärmutter entfernt wird. Mich interessieren solche OP´s. Kastrationen sind doch die wahrscheinlich sinnvollste Tierschutzarbeit. Denn verhindertes Leben bedeutet verhindertes Leid. Vielleicht kann ich diese Handgriffe erlernen und auf meiner weiteren Reise auf eigene Kappe in meinem Bus durchführen. In der Tat, es schaut recht einfach aus. Keine Vitalfunktionen überwachenden Maschinen wie man sie aus dem Krankenhaus kennt. Nur ein Tisch, eine starke Lampe und ein wenig Operationsbesteck, das mich an die Spitzzangen, Seitenschneider und Teppichmesser aus meinem Werkzeugkasten erinnert, werden benötigt. Das Tier wird gewogen und anhand seines Gewichts wird die Menge Narkosemittel berechnet die es anschließend in die Vene gespritzt bekommt. Wenige Sekunden später sinkt der Hund kraftlos in sich zusammen. Jetzt wird ihm, mit einem brutal anmutenden Handgriff, die Zunge aus dem Maul gezogen damit er nicht daran erstickt, wie mir erklärt wird. Anschließend werden dünne Stricke um seine Beine gelegt mit welchen die Läufe nach links und rechts abgespannt werden, so dass das Tier sicher auf seinem Rücken liegt und die Bauchdecke zum Arbeiten erreichbar ist. Nun wird die Operationsstelle rasiert und, je nach Größe des Hundes, etwa 2 Hand breit hinter seinem Geschlechtsteil eine ca. 5 cm lange Öffnung in die Bauchdecke geschnitten. Es ist erstaunlich wie wenig Blut dabei fließt. Mit den Händen wühlt nun der Tierarzt im inneren des Hundes herum um kurz darauf die Gebärmutter ans Tageslicht zu befördern. Dieses Organ hängt an zwei "Schläuchen" möchte ich jetzt einfach mal ganz unfachmännisch behaupten. Diese "Schläuche" werden mit je zwei selbsteinrastenden Zangen abgeklemmt. Dann werden die dem Körper zugewandten "Schlauchseiten" mit ein wenig "Kordel" gewissenhaft zugeknotet und anschließend wird der "Schlauch" zwischen den Zangen mit einem Skalpell durchtrennt. Die Gebärmutter selbst wird weggeschmissen, wahlweise könnte man sich bestimmt auch eine Suppe davon kochen, und die abgebundenen "Schlauchenden" werden recht lieblos wieder in den Bauch gestopft. In 3 Schichten, so genannten Entlastungsnähten, wird nun die Wunde wieder vernäht. Die Vorgehensweise ist der, die ich anwende wenn ich meine Hose repariere sehr ähnlich. Noch ein wenig desinfizierendes Silberspray auf die Wunde sprühen und das Tier kann vom Tropf genommen und in den Aufwachraum gebracht werden. Eine solche Operation dauert keine 30 Minuten und mit der entsprechenden Erfahrung scheint sie so einfach zu sein, dass man sich beim Zunähen der Wunde ein Mobiltelefon zwischen Ohr und Schulter klemmen kann um Pizza für die gesamte Mannschaft zu bestellen. "Kann ich das hier erlernen? Und ist es grundsätzlich möglich so eine OP auf dem Wohnzimmertisch eines Wohnmobiles durchzuführen?" Frage ich. "Grundsätzlich ja. Aber das erlernst Du nicht so schnell, das war jetzt sehr einfach, da können aber auch mal Komplikationen auftreten." "Ich hab Zeit." Antworte ich mit einem Lächeln im Gesicht und erkläre den Grund für meinen Wissensdurst. Schon bekomme ich einen Dämpfer: "Du wirst Schwierigkeiten haben das Narkotika zu besorgen, das ist Betäubungsmittel wenn Dich damit einer erwischt bist Du dran." Dass mir die strafrechtlichen Konsequenzen diverser Staatshierarchien so ziemlich am Allerwertesten vorbeigehen und dass ich schon meine Wege finden werde um das Zeugs zu organisieren glaubt mir hier keiner. Egal, ich glaub an mich und erstmal gibt's Pizza und die schmeckt trotz doof -TV- Berieselung ausgezeichnet.
In der nächsten Mittagspause wollte ich mein Fahrzeug ausrichten. Ich parke am Berg; und meine Schräglage ist doch recht unkomfortabel. Zu diesem Zweck trug ich einige alte Steine und Paletten aus der Station zu meinem Wagen. "Wir könnten mal dein Auto gebrauchen." Wurde ich in meinem Handeln unterbrochen. "Äh, das ist ein fahrendes Wohnzimmer und kein Lastenesel. Sorry." Erwiderte ich. "Nein, nicht zum transportieren, mehr als Leiter." Über der Zufahrt zu Samiras Privatbereich ist in luftiger Höhe ein Kabel gespannt. Selbiges war mit einigen Kabelbindern an einem Drahtseil befestigt. Permanente UV Bestrahlung zerlegten diese Kabelbinder im laufe der Jahre. Jetzt baumelt es wie eine Affenschaukel im Wind. Keine Leiter der Station ist hoch genug um es zu erreichen und die Belegschaft überlegte schon daran sich für einige Stunden ein Gerüst aufbauen zu lassen. Als Leiter ist mein Wägelchen selbstverständlich zu benutzen. Also rangierte ich erst einmal ins Innere der Station um anschließend abenteuerliche Leiterkonstruktionen auf meinem Fahrzeugdach zu errichten.

Bild: animalpardnet Reparaturarbeiten

Beim wieder hinausfahren hatte ich wild winkende Einweiser. Es sah so knapp aus in meinem Spiegel aber Bertie war mir am suggerieren ich hätte noch Platz. Also trat ich aufs Gas. Kurz darauf ein lautes scheppern. Der Überstand meiner linken hinteren Stauraumtüre hatte sich am Kabelmast verhackt. Die Vernietung war ausgerissen und die Türe baumelte lose an zwei Schrauben. "Wir haben eine Poppnietenzange." wurde ich beruhigt. Hab ich selber, trotzdem ist die Tür im Arsch. Scheiße! Anschließend wollte ich auf die bereitgelegten Paletten fahren. "Machs doch rückwärts," riet mir Nico, der Mann oder Lebensgefährte von Samira. "Nein, rückwärts hat der Wagen keine Kraft" Ich trat aufs Gas, der Wagen fuhr auf die Palette, selbige brach und schnellte in die Höhe um mit einem heftigen Schlag das Endrohr meines Auspuffs abzureißen. Scheiße Nr.2. Hätte ich doch auf Nicos Vorschlag gehört und es rückwärts versucht. Mit vereinten Kräften und unter Zuhilfenahme einer Kettensäge wurde die Palette entfernt und ich fuhr ohne Auspuff rückwärts auf eine neue.
Noch einen Tag später kam Katarina. Katarina war im Sommer schon einige Wochen zum Probearbeiten hier und jetzt ist die 23- jährige Tierarzthelferin zurückgekommen um endgültig ihren neuen Arbeitsplatz zu besetzen. Wie alle hier ist sie Deutsche Staatsbürgerin. Etwa zeitgleich mit Ihr trifft eine junge Husky Hündin mit Ihrem Welpen ein. "Die haben Räude, müssen gebadet werden. Stefan hilft dir. Mach alles so steril wie möglich." Lautet die knappe Arbeitsanweisung der Stationsleitung. Räude??? Ich kenne den Ausdruck "räudiger Hund" aber was genau da jetzt mit gemeint ist weiß ich nicht. Ich zwängte mich in eine viel zu enge Jogginghose und ein Müllsack wurde kurzerhand zum sterilen OP Kittel umfunktioniert. Noch ein Paar Handschuhe und die Baderei konnte beginnen. Räude ist eine Hautkrankheit wurde mir erklärt. Eigentlich handelt es sich um keine richtige Krankheit sondern um einen Parasiten ähnlich des bekannten Flohs. Nur dass dieser Räude-Parasit viel kleiner und nur unter dem Mikroskop zu sehen ist. Die Symptome sind Haarausfall und schorfartige Verkrustungen der Haut welche nun mit lauwarmem Wasser und einem spezial Shampoo eingeweicht wurden um sie anschließend so gut es geht mit den behandschuhten Fingern abzukratzen. Das arme kleine Welpie. Schaut schlimm aus, tut mir richtig leid. Am Abend fuhr ich mit Berti zur nahen Deponie um eine Schubkarre voll Bauschutt zu entsorgen. Auf dem Weg dorthin sehen wir im Scheinwerferlicht eine Hündin mit prall gefülltem Gesäuge. Berti stoppt den Wagen und versucht das Tier anzulocken. Erfolglos! Im Sonnenlicht des nächsten Tages mache ich mich mit meinen Tieren auf, die junge Mama und Ihre Babys zu suchen. Kaum klettere ich über die Bergkuppe hinter der Station erblicke ich das Mutertier auf einer Abräumhalde des nahe gelegenen Kieswerks. Ich bewege mich in diese Richtung und halte Augen und Ohren nach herumtollenden Hundebabys offen. Rund zwei Stunden suche ich bis ich die Mutter in einer, von einem kleinen Bächlein ausgespülten, Schlucht entdecke. Ich klettere hinein, kämpfe mich durch einige Brombeerbüsche und entdecke den Bau. Ja, es handelt sich um einen richtigen Bau. Unter den Wurzeln eines Baumes hat die Hündin eine Höhle ausgegraben in welcher sie Ihren Nachwuchs großzieht. Etwas scheu schauen die kleinen in meine Kamera.

Bild: animalpardnet Welpen

Die Schnauze der Hündin ist mit hunderten von kleinen Pusteln übersäht und auf dem Fell Ihrer Kinder erkenne ich die gleichen Merkmale wie ich sie gestern beim "Räude baden" kennen gelernt habe. Da zwängen sich auch schon Möff und Schecki durch das Gebüsch. "Ihr wartet! Stopp! Haut ab, verdammt noch mal!" Doch die jungen Tiere hören nicht und tapsen neugierig der Ansteckungsgefahr entgegen. Panisch werfe ich Steine nach meinen Hunden. Erfolgreich! Ich zwänge mich zurück durch das Brombeergebüsch, entschuldige mich bei meinem Wauzis und stelle sie mit einem dicken Hundeknochen ruhig. Leckerchen gibt es hier im Überfluss. Ein leerstehender Zwinger ist eigens zu deren Lagerung abgestellt und wird nun liebevoll Bonbonlager genannt. Er quillt über von Kaustreifen, Riesenknochen und dergleichen. Alles Markenware, nichts, was auch nur annähernd preisgünstig wäre. Ich könne ruhig zugreifen wird mir versichert und das tue ich selbstverständlich auch. Jetzt, wo meine Tiere beschäftigt sind bewege ich mich noch einmal Richtung Bau. Ich habe noch einige Kilo Trockenfutter bei mir welche ich dem ausgemergelten Muttertier zukommen lassen möchte. Neugierig kommt das schwarze Welpie aus seiner Höhle gekrochen. Der junge Rüde hat eine Bauchdecke wie seine Mama. Aufgedunsen und schwammig wie das Gesäuge einer stillenden Hündin. Ich mache mich auf den Rückweg und schildere meine Erlebnisse der "Medizinischen Abteilung" der Station. "Eventuell ein Nabelbruch." Nabelbruch?? Ich kenne einen Knochenbruch. Das ein Nabel auch brechen kann ist mir neu. Ich befühle den meinigen und frage mich was denn da kaputt gehen kann. "Wir sollten die auf jeden Fall herholen, alleine glaub ich nicht, dass die durchkommen." "Wir brauchen erst mal Platz." Erhalte ich als Antwort.
Die nächsten Tage steht die Versorgung der "Höhlenhunde" mit auf meinem Arbeitsprogramm. Ich beschließe, dass es eventuell praktisch sei eine Leine für meine Hunde mitzunehmen um sie in sicherer Entfernung vor dem Bau anleinen zu können. In der Mittagspause probiere ich aus wie sie auf diese Geißelung reagieren. Zuerst ist Schecki an der Reihe. Von der Station habe ich mir eine Flexi Leine ausgeliehen. So ein Gerät das 6 m Leine beinhaltet welche es selbstständig auf- und abwickelt. Ich befestige den Karabiner an Scheckis Halsband und mache mich auf den Weg. Scheck läuft vor, er läuft zurück, dann erreicht er das Ende der Leine. Es ruckt an seinem Halsband und er springt schreiend zu Seite. Es ruckt noch einmal. Als wenn ich Ihn abstechen wollte springt er von der einen auf die andere Seite und schreit. Er bellt nicht, er knurrt nicht, er winselt nicht, nein er schreit und zwar aus Leibeskräften. Ich rede beruhigend auf Ihn ein. Erfolglos! Nach einigen Minuten des "Todeskampfes" windet er sich aus seiner Halsung. Hilfe suchend kuschelt er sich an meine Beine. Ok, der ist definitiv nicht leinenführig. Es bedarf noch einiges an Arbeit. Ich hake Möff ein. Das gleiche Spiel. Sie läuft bis ans Leinenende und beginnt zu schreien als wenn ich mit dem Fleischermesser neben Ihr stünde. Die nächsten 3 Mittagspausen übe ich "an der Leine gehen." Zu diesem Zweck lasse ich die Leine erst mal da, wo sie eigentlich auch hingehört, nämlich zu Hause. Mit der Hand greife ich nach dem Halsband und sage: "Fuß". Schecki folgt! Anfänglich zwar ein wenig widerwillig aber er schreit wenigstens nicht. Mit Möff wiederhole ich das gleiche Spiel. Ein wenig umständlich bei einem so kleinen Tier. Irgendwie sind meine Arme zu kurz oder meine Beine zu lang. Ich übe 2 Minuten mit jedem dann dürfen sie wieder nach Herzenslust umherstreunen. Im 20 Minuten Takt wiederhole ich diese Übung. Am zweiten Tag versuche ich es mal mit Leine. Und siehe da, der von den Tieren geleistete Widerstand ist nur noch halb so groß. Noch einen Tag weiter und sie laufen anstandslos am Schnürchen.
Zwischenzeitlich ist Steven eingetroffen, aber nicht nur er, auch Knirps, Horst und Bambino sind neue Gäste.

Bild: animalpardnet; Hunde: Knirps, Horst und Bambino

Steven ist 16 Jahre alt und von seinem Psychologen hier eingewiesen worden. Irgendetwas mache ich falsch. Ich reiße mir den Arsch auf, lebe von der Hand im Mund nur um meine Zeit in einem griechischen Tierheim verbringen zu können und Steven hat ein Jahr keinen Bock auf Schule, geht deswegen einfach nicht hin, bricht nachts in einen Getränkemarkt ein und klaut ein paar Pullen Schnaps damit er sich mit seinen Kumpels besaufen kann, lässt sich dabei erwischen, und landet auch hier. Sponsored by Steuerzahler! Spontan muss ich an meine Schulzeit denken. Einer meiner damaligen Mitschüler vergewaltigte ein Mädchen auf der Schultoilette. Die Konsequenz lautete für ihn: Schulverweis und ein Jahr Sonderurlaub in einem karikativen Projekt in Südafrika. Die Gerüchteküche munkelt, er sei bei seiner Wiederankunft in Deutschland mit mehreren Kilo Marihuana im Gepäck am Flughafen verhaftet worden. Wahrscheinlich gefiel ihm Afrika, und er wollte sich auch noch auf Kosten des Steuerzahlers Mittelamerika anschauen. Vor Stevens Ankunft gab es ein Sondermeeting. "Keine Wertsachen offen liegen lassen, Zimmer abschließen und Autoschlüssel verstecken." So lautete die klare Anweisung der Stationsleitung. Außerdem dürfe Steven auf dem Stationsgelände nicht rauchen und jedes auffällige Verhalten solle Stasi-mäßig gemeldet werden. Aber Steven ist ein ganz netter. Ich will jetzt nicht behaupten er sei dumm. Er weiß halt nur ein bisschen wenig. Als Beispiel möchte ich ein Erlebnis anführen welches ich mit ihm während der gemeinsam verbrachten Mittagspause hatte. Wir gingen mit meinen Hunden und steuerten auf ein abseits gelegenes Gebäude zu. "Das ist eine Diskothek, hat mir Nico erzählt, "wußte er zu berichten. Als wir das Haus erreichten deutete er auf eine Neonbeschriftung und sagte: "Siehst Du, ne Disse, da steht es." Verwundert starrte ich auf die Beschriftung: "air conditioning" stand dort zu lesen. "Wo liest Du denn da Disko?" fragte ich. Im Brustton der Überzeugung erhielt ich Antwort. "Da ist doch das D."
Am Nachmittag des 28. Oktobers, 4 Tage nach der Entdeckung der süßen Höhlenhunde machten wir uns gemeinsam auf, selbige in Augenschein zu nehmen. Heike, Katarina, Steven und meine Wenigkeit bewegten uns mit Gartenschere, Spitzhacke, Schaufel und ein wenig Hundefutter bewaffnet zur Welpenstube. Ich quetschte mich immer vorsichtig durch das Brombeergebüsch, stets darauf bedacht keinen allzu großen Schaden anzurichten um die Deckung der Hundewohnung nicht zu zerstören. Jetzt, mit all den Leuten im Schlepptau wird auf nichts geachtet. Rücksichtslos bahnt sich die Heckenschere ihren Weg durchs Dickicht. Ich melde Bedenken an: "Hab ich das richtig verstanden, wir wollen nur mal gucken und die Tiere nicht direkt mitnehmen? Wäre es da nicht sinnvoll ihnen ihre Deckung zu lassen?" "Wir müssen ja da hin, und so geht das wohl schlecht," erwiderte Heike. Zugegeben, es geht schlecht aber es geht. Schon bald ist eine halbe Autobahn angelegt. Aus dem Inneren der Höhle wimmert es, wir schauen hinein, können aber nichts erblicken. Das Muttertier steht verängstigt in einiger Entfernung. Mit Steven mache ich mich daran den Bau aufzubuddeln. Noch während wir Spitzhacke und Klappspaten ins Erdreich treiben ertönt griechisches Stimmengewirr in unserer Nähe. Die meinen uns, soviel ist sicher. 6 Mann, zwei davon bewaffnet, reden auf uns ein. Niemand ist der griechischen Sprache mächtig, und unsre "Kontrahenten" verstehen weder Deutsch noch Englisch. Wir haben das Gefühl dass die uns vertreiben wollen, aber warum das wissen wir auch nicht so genau. Mit dem Mobiltelefon wird Samira angerufen. Sie beherrscht die Landessprache und soll dolmetschen. "Wir müssen die Hunde mitbringen, hier sind Jäger, die sind ganz komisch wenn wir die alleine lassen legen die die um." Beginnt Heike das Gespräch. Dann reicht sie das Telefon an einen der vermeintlichen Jäger. Mit Handzeichen wiegelt dieser ab. Anscheinend möchte er nicht telefonieren. Es dauert eine geraume Zeit bis wir Ihn davon überzeugt hatten dass das Telefon nicht beißt und er es sich bedenkenlos ans Ohr halten könne. Ein Schwall von griechischem blab die dum dringt an mein Ohr. Dann übernimmt Heike wieder den Apparat. Anscheinend handelt es sich um eine Gruppe Beamte die auf der Suche nach Wilderern sind. Wir, die wir da so verdächtig im Gebüsch herumstiefeln, waren sehr auffällig und deswegen wurden wir kontrolliert. Für den Hund und unsre Hilfe an dem Tier interessieren sie sich nicht. Ich buddel' weiter. Schnell ist der Höhleneingang so weit geöffnet das man hineinkriechen kann. Den Part der Höhlenforschung überlasse ich diesmal dem schlankeren, weiblichen Geschlecht.

Bild: animalpardnet Hunderettung

Das schwarze Junge ist tot. Für es kommt jede Hilfe zu spät. Noch einen Tag zuvor sah ich es neugierig sein Welpennäschen aus dem Bau schieben. "Könnte Staupe sein." Meinte Heike. Staupe!?!!! Ich muss an meine Hunde denken. Staupe … ich habe noch nie einen Hund mit Staupe gesehen, ich weiß nicht wie diese Krankheit verläuft. Aber eins weiß ich, sie ist tödlich. Ich werde mich ab sofort von Hunden mit Pickeln im Gesicht fern halten. Bevor wir uns entschließen die Tiere dennoch mitzunehmen weil Ihre Überlebenschance ohne medizinische Versorgung bei etwa null liegt, dokumentieren wir die Rettungsaktion fotografisch.
Das tote Welpi wird unter einem achtlos weggeworfenen Spülbecken beerdigt und die verstörte Mutter an der Leine davon gezerrt. Zurück in der Station entledigt sich Heike Ihrer Viren Schutzhose, stopft selbige in einen Plastiksack und wirft sie in die Mülltonne. Eine nahezu neue Regenhose!! So ein Teil kostet mindestens 30 Teuronen und die Meinige weist bereits erhebliche Gebrauchsspuren auf. Staupe hin oder her, so ein Teil kann man doch waschen. In einem unbeobachteten Moment container ich in den Stationsmülltonnen, nehme die Tüte mit dem Kleidungsstück an mich und lege sie in meine ganz persönliche Quarantäne Station. In meinen Unterflurkoffer der normalerweise als Brennholzlager dient. Ich wette wenn ich sie 3 bis 4 Tage mit einem Stein beschwert den Wogen des Meeres aussetze ist jeder Staupe Erreger genauso tot wie das kleine Welpi mit dem Nabelbruch.
Mittlerweile arbeite ich seit 10 Tagen für und bei den herrenlosen Hunden. Mittlerweile hat es sich auch herumgesprochen dass ich eine Homepage führe. So drang die Frage an mich heran ob ich nicht einige Worte für die HP des Tierheimes schreiben könne. Selbstverständlich bejahte ich. Schon bald darauf führte ich ein langes und sicherlich sehr kostspieliges Telefonat mit dem Vereinsvorstand in Deutschland. Schon kurz nach meiner Ankunft wunderte ich mich darüber, dass alle Telefonate vom Hausanschluss geführt werden und kostenlose Messengerprogramme wie Skype und MSN hier unbekannt sind. Ich brachte meine Erfahrungen ein, installierte Skype auf dem Stationsrechner und recherchierte, dass ein Telefonat auf ein deutsches Festnetztelefon weit unter 2 Cent die Minute kostet. Warum diese preisgünstige Alternative bis heute nicht genutzt wird ist und bleibt mir ein Rätsel. Jetzt führe ich jedenfalls ein von Spendengeldern finanziertes Gespräch welches auch vollkommen kostenlos von Skype zu Skype geführt hätte werden können. Schließlich saß mein Gesprächspartner vor dem Computer und auch ich hätte dies problemlos tun können. Nach weit über 60 Minuten Telefonat in welchem wir uns über das Wetter, meine Reise und diverser anderer Dinge unterhalten haben, hatte ich auch die wesentlichen Informationen. Nämlich das Passwort zu der Vereinsseite und einige vorformulierte Geschichten der einzelnen Tiere. Der Aufbau der von mir zu erstellenden Unterseiten war besprochen und ich brauchte nur noch los legen. Das tat ich einen Tag später. Zunächst einmal begutachtete ich die Funktionsweise der mir fremden HP. Sie ist ein wenig anders als die Meinige aber mit meinen im Sommer erworbenen Kenntnissen habe ich recht bald einen Überblick und weiß wie der Krempel zu bedienen ist. Danach verkrümelte ich mich in mein Fahrzeug zum schreiben. Das Resultat meiner Arbeit habt Ihr bereits vor einigen Tagen Hier gelesen. Als ich meine Worte Samira vorlege meint diese, sie seien inhaltlich falsch. Ich verweise auf meine Vorgaben und Samira gesteht, dass diese auch falsch seien. Ich bitte um inhaltlich richtige Vorgaben um meine Worte überarbeiten zu können und warte.
Mit Ausnahme des Hexenhauses kenne ich inzwischen alle Bewohner mit Namen,
ich weiß wer wie viel Futter bekommt und welchem der Tiere beim Füttern eine Tablette unters Essen gemogelt werden muss. Ich kenne die gängigsten Arbeitsabläufe, weiß welche Räume ich einfach betreten kann und bei welchen das Anlegen einer "Bakterienschutzkleidung" erforderlich ist. Ich finde sowohl einen Schraubenzieher, als auch neue Schmerztabletten für Elsa. Ich bin in die Geheimnisse der Desinfektion eingeweiht worden, einem immens wichtigen Hobby der Medizinischen Abteilung. Desinfiziert wird einfach alles und zwar mehrmals am Tag. Dazu nutzt man ein stark ätzendes Mittel Namens Melsept. Egal ob die Hunde, welche einen Raum bewohnt hatten gesund oder krank waren, wenn sie ausziehen, weil Ihr Flugzeug nach Deutschland geht, wird dieser Raum desinfiziert. Ein ordentlicher Schuss Melsept ins Putzwasser, Handschuhe anziehen und mit dem Spülschwamm jede Fuge scheuern. Anschließend wird die Desinfektionslösung mit dem Wischmopp großzügig auf allen Flächen verteilt und mindestens eine halbe Stunde einwirken gelassen. Der Wischmopp und der dazugehörige Stiel wandern nun in die Mülltonne und man nimmt einen neuen um die ätzende Brühe aufzusaugen und mit klarem Wasser nachzuwischen. Auch dieses Reinigungsgerät ist nun bakteriologisch kontaminiert und wird entsorgt. Zwei bis drei Mal im Jahr müssen die Silikonfugen jeden Raumes erneuert werden da sie so viel ätzender Desinfektion nicht standhalten. Auch ich habe bereits bei diesen Arbeiten geholfen. Mir entzieht sich der Sinn dieses Handelns. Zumal dann, wenn ich an das Gespräch denke das ich vor einigen Tagen mit der Stationsleitung geführt habe. Ich erzählte von meinen Zukunftsplänen: "Ich habe auf meiner Reise so häufig säugende Hündinnen und Ihre Welpen angetroffen. Bis zum heutigen Tage hab ich nie mehr getan als ein wenig Futter zu verteilen und die Hundefamilie mit Flohschutzmittel einzupudern. In Zukunft möchte ich mehr tun. Ich habe vor in der Nähe der Wurfstätte zu parken, und die jungen Tiere so lange zu begleiten bis sie alt genug sind um von der Mutter getrennt zu leben. Ich möchte diese Tiere sowohl mit Nahrung, als auch medizinisch versorgen. Ich möchte Impfdokumente für sie ausstellen lassen und sie mit Hilfe des Internets in mein Heimatland vermitteln. Ich hoffe hier einiges zu erlernen was mir bei dieser Arbeit hilft." Anstatt nützlicher Informationen wie zum Beispiel dem Mindestalter für die erste Impfung, wie funktioniert das mit den Flugpatenschaften usw. erhielt ich eine klare Abfuhr. Meine Idee sei dumm und unter tierschützerischen Gesichtspunkten nicht realisierbar, so der klare Kontext. Samiras Worte. "Du kannst nicht einfach Hunde nach Deutschland schicken. Wie willst Du über das Internet feststellen ob die neuen Halter auch geeignet sind? Die Tierheime werden sich bedanken wenn Du ihnen so indirekt haufenweise Hunde schickst! Woher willst Du wissen ob die Hunde gesund sind? Es gibt viele Krankheiten die mit einer normalen Impfung nicht festgestellt werden. Den Herzwurm zum Beispiel. Unsre Hunde sind auf Herz und Nieren geprüft und mit Sicherheit kerngesund wenn wir sie versenden. Du kannst auch nicht einfach irgendjemandem am Flughafen `nen Hund in die Hand drücken und ihm sagen nimm den mal mit nach Deutschland." Ich kann dieser Argumentationskette nicht folgen, halte mich aber geschlossen. Die Stationshunde sind also mit Sicherheit gesund wenn sie gehen. Warum werden dann Ihre Zimmer desinfiziert und nicht einfach nur geputzt? Wo liegt der Unterschied ob ich deutschen Tierheimen indirekt Hunde schicke oder ob die Station es auf die direkte Art tut? Denn keines der Tiere geht von hier zu seinem neuen Halter. Sie alle nehmen den Umweg über Tierheime und Pflegefamilien. All diese Tiere durchlaufen ein Martyrium. Sie müssen sich mehrfach an neue Halter bzw. Pfleger gewöhnen, müssen damit leben in Quarantäne-Stationen eingesperrt zu werden, oder Stunden der Angst in kleinen Transportboxen verbringen. Sei es unter dem Einfluss von Beruhigungsmitteln im Flugversand oder während einer tagelangen Autofahrt von Griechenland nach Deutschland. Woher weiß ein Tierheim ob der neue Halter ideal ist? Nachdem ich meine Susi habe einschläfern lassen müssen, bin ich von Tierheim zu Tierheim gefahren um mir einen neuen Freund anzuschaffen. Mangels Meldeadresse war ich in den Augen der Tierheimleitungen aber nicht geeignet einem Hund ein gutes Zuhause zu bieten. "Zum betteln vermitteln wir keine Hunde." wurde mir im Tierheim Solingen mitgeteilt. Einige Tage später lerne ich die Chefin dieses Heims kennen. Sie war zwecks Flugpatenschaft angereist und beschwerte sich am Frühstückstisch darüber wie überfüllt sie derzeit seien. "Vor 4 Jahren war ich bei euch und wollte einem Hund ein Zuhause bieten, aber zum betteln vermittelt Ihr ja nicht." "Was?? Wie??" Ich erzähle die Geschichte und bekomme zur Antwort dass bei einem "Obdachlosen" ja keine Nachkontrolle der Haltungsbedingungen stattfinden könne. Das ich es nicht nachvollziehen kann, dass ein überfülltes Tierheim weitere Hunde für die "Warteschleife" ankarrt erwähne ich nicht. Spontan denke ich an ein Erlebnis aus dem Tierheim Mönchengladbach in welchem meine damalige Freundin als Tierpflegerin arbeitete und ich häufig nach Feierabend aushalf. Zwei niedliche, topp gepflegte Spitze wurden von der Polizei abgeliefert. Ihr Halter, ein Obdachloser, wurde betrunken im Strassengraben gefunden und in die Ausnüchterungszelle gebracht. Einen Tag später stand dieser "Penner" vor den Toren des Heims und wollte seine Tiere zurück haben. Ich war zufällig anwesend und sah wie sich die Hunde freuten und aufgeregt an den Zwingergittern hoch und runter hüpften als sie die Stimme ihres Menschen hörten. Ohne diesem Mann die Pforten zu öffnen wurde Ihm erklärt, dass er nicht in der Lage sei Tiere artgerecht zu halten, und er nicht zu glauben brauche seine Hunde je wieder zu sehen. Ja, genau so wurde es ihm gesagt. Dann wendete sich der Heimmitarbeiter ab und ich sah einen erwachsenen Menschen weinend zusammenbrechen. Ich sehe das anders als die "Tierschützer". Ich glaube dass ein Hund sehr wohl glücklich sein kann wenn er mit seinem Menschen unter einer Brücke schläft. Wahrscheinlich glücklicher als wenn er aus einem vergoldeten Napf frisst, seinen Menschen aber nur einige Stunden nach Feierabend zu Gesicht bekommt. Und wozu hat man schließlich so ein Tier? Ist doch ganz klar, damit jemand auf einen aufpasst wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist. Auch Flitsch verharrte des öfteren einige Stunden neben ihrem "bewusstlosen" Menschen.
Es ist schwer das Richtige zu tun, und es ist schwer im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen. Ich bin mir sicher dass hier Menschen arbeiten die, genau wie ich, mit einer gehörigen Portion Enthusiasmus ihrer Arbeit nachgehen. Dennoch kommen mir Zweifel. Egal was man tut, man muss sich immer der Kritik stellen. Wenn ich 50 Euro an Greenpeace spende, muss ich damit leben, dass es Menschen gibt die mir vorwerfen das Geld sei bei Amnesty International besser angelegt. Wenn ich einen Mann vor dem Ertrinken rette, muss ich damit leben, dass es irgendwo einen Menschen gibt der behauptet es sei besser gewesen das Arschloch verrecken zu lassen. Wenn ich dann behaupte diese Aussage sei dämlich, muss ich damit leben das mir die Frauenrechtsbewegung vorwirft das weibliche Geschlecht diskriminiert zu haben weil dämlich von Dame und herrlich von Herr käme. Ich maße mir nicht an zu entscheiden ob es richtig oder falsch ist einen Welpen mittels Internet an einen wildfremden Menschen zu vermitteln. Ich maße mir nicht an zu entscheiden ob es richtig ist einen Welpen einem wildfremden Menschen in die Hand zu drücken und ihn zu bitten das Tier im Handgepäck zu seinem neuen Halter zu bringen. Ich kann nur meinen gesunden Menschenverstand einsetzen und der sagt mir, dass ich innerhalb der letzten 3 Monate mindesten 200 herrenlose Tiere gesehen habe, er sagt mir dass innerhalb der nächsten 3 Monate höchstwahrscheinlich ein Drittel dieser Tiere nicht mehr am leben sein wird. Sie werden überfahren, vergiftet, verhungern oder sterben an unbehandelten Krankheiten. Diese Auffassung habe nicht nur ich, als ich darum bitte einmal nach meinen 3 Freunden aus Sartie zu schauen, Ihr erinnert euch? Ich meine die hier:

Bild: animalpardnet, Strassenhunde

Erhalte ich als Antwort: "Das macht keinen Sinn, die sind eh tot. Verhungert!" Meine Schützlinge aus dem Aufwachraum sollten eigentlich zurück nach Olympiada um dort nach Ihrer Kastration weiter auf der Strasse zu leben. Aber zwischenzeitlich wurde in Olympiada Gift gelegt und unzählige Straßenhunde sind daran elendig verendet, wird mir erzählt. Ich muss an meinen Schecki denken, auch er ist aus Olympiada und wäre ohne mich wahrscheinlich heute nicht mehr am leben. Wenn ich diese Fakten zu Grunde lege und die Risiken gegeneinander abwäge, komme ich zu dem Ergebnis das es eigentlich egal ist wenn ich den ein oder anderen Hund nicht in ein gutes Zuhause sondern in die Mikrowelle vermittle. Die Hilfe, die ein Mensch oder eine Organisation leisten kann, hängt doch in erster Linie von den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln ab. Wenn hier Menschen aus Deutschland eingeflogen werden die eine Flugpatenschaft mit einem Griechenland Kurzurlaub verbinden und tagelang mit dem Stationsfahrzeug das Umland entdecken; Menschen die auf Vereinskosten beköstigt und beherbergt werden, dann kostet das Beträge im dreistelligen Bereich. Was kosten ein paar Aufkleber mit den Worten: "Das Tierheim Nikiti sucht ständig Flugpaten für liebe Hunde. Kosten werden übernommen."? Damit könnte man das Stadtzentrum von Nikiti verseuchen. 30000 Touristen tummeln sich dort in der Hauptsaison berichteten mir Stationsmitarbeiter vor nicht all zu langer Zeit. Auch ich war dort bereits vor einigen Monaten. Ich wusste davon dass es hier eine Tierstation unter deutscher Leitung geben soll. Ich habe sie gesucht und nicht gefunden. Wegweiser hätte es schon einmal gegeben, erfahre ich nach meiner Kritik. Sie seien schleunigst wieder demontiert worden da haufenweise Hunde vor dem Heim ausgesetzt worden seien. Aber Aufkleber mit `ner Telefonnummer? Überhaupt, ob die Tiere hier auf der Strasse leben und überfahren werden, oder ob sie das gleiche Schicksal zwei Ortschaften weiter erfahren. Wo ist der Unterschied? Hier könnte man sie zumindest füttern, und es soll mir keiner sagen das wäre zu kostenintensiv. Mit dem Geld das ich an Telefonkosten einspare wenn ich ein Messengerprogramm oder Call by Call Anbieter nutze kann ich locker 30 Hunde beköstigen. Ich habe die Telefonrechnung gesehen, sie ist gigantisch. Aber erst einmal genug der Kritik. Auch wenn mir Gespräche über einen neuen Küchentisch von 200 Euro, das nicht zu Stande bringen einer Fahrgemeinschaft ("das sind doch bloß 7 km"), das entsorgen von neuwertiger Bekleidung, die Telefongeschichte, Welpenwasser und die Vorgehensweise bei Flugpatenschaften den Eindruck vermitteln dass hier Gelder zum Fenster hinausgeworfen werden, auch wenn ich nicht verstehe warum mein Vorhaben so niedergeschmettert wird, möchte ich festhalten dass hier eine hervorragende und wichtige Arbeit geleistet wird. Schimpfen kann man schnell, etwas besser zu machen ist schwierig. Ich tue es nicht, und ich kenne auch keinen Anderen der es tut.
Zwischenzeitlich haben Möff und Schecki ihre erste Impfung erhalten. Scheckis Immunsystem verkraftete es problemlos halb tote Krankheitserreger injiziert zu bekommen aber Möff kränkelte danach eine Weile. Durchfall, Lustlosigkeit, Nahrungsverweigerung. Ich machte mir Sorgen und bat um Hilfe. Nach dem Fiebermessen war die Diagnose gestellt. Eine Erkältung! "Das ist ja auch normal wenn Du das Tier ständig draußen herumlaufen läst. Es regnet, es ist kalt und der kleine Körper ist unterm Bauch noch ganz nackig. Lass die mal ein paar Tage drinnen und mach es ihr ordentlich warm." Flitsch wurde im Dezember geboren, als ich sie bei mir aufnahm hatte es um die null Grad Außentemperatur und hier soll es kalt sein? Mein Thermometer zeigt 17 Grad. Dennoch tat ich was mir aufgetragen wurde. Außerdem ließ ich das Trockenfutter weg und fütterte nur noch Büchsenfleisch mit Reis. Das Welpen Trockenfutter solle Durchfall fördern, erfahre ich. Meine Erfahrung sagt mir dass Hunde gerade von Büchsenfutter Durchfall bekommen. Das war bei Flitsch so, das war bei Susi so, und auch Cora, der Hund meiner Ex-Freundin, hatte damit die gleichen Probleme. Aber was ist schon die Erfahrung von jemandem der 3 Hunde besessen hat gegen die von Leuten, die ständig um die 100 Tiere versorgen. Die nächsten 5 Tage lebte ich damit nicht nur einen Hund zu haben der nicht stubenrein ist sondern obendrein auch noch mit einem zusammenzuleben dessen Ausscheidungen eine Konsistenz wie Tomatenketchup besitzen. Glücklicher Weise gibt es hier Waschmaschinen. Erst als ich auf meine eigenen Erfahrungen vertraute und wieder auf Trockenfutter umstellte normalisierte sich Möffis Stuhlgang, so dass sich die Häufchen wieder problemlos aufsammeln ließen.
Während ich mir meine Sorgen um Möff machte und mir bereits aufgetragen wurde beim Betreten meines Fahrzeuges "Bakterienschutzkleidung" anzulegen, weil man ja nicht wisse was mit dem Tier sei, erreichten Barbara und Harald die Station. Bereits seit einigen Jahren verbringen sie hier Ihren Urlaub um tatkräftig mit anzupacken. Ich war gerade mit Harald in ein Gespräch vertieft, während dessen wir der Arbeitsaufgabe "bespielen der Hunde" nachgingen, als vor den Toren ein griechisches Fahrzeug hielt. An Board hatte es eine Hündin und die dazugehörige Hundehütte. "Kann mal jemand die Hütte tragen?" rief Heike. Ich übernahm diese Aufgabe. Heike trug also das Abgabetier und ich folgte ihr in kurzer Distanz mit dessen Behausung. Es war gerade Zeit für einen Wechsel und deshalb war der Hof vorübergehend hundefrei. Doch nur bis wir dessen Pforte öffneten und ihn betraten. Just in diesem Moment kam laut bellend das Rudel aus dem Aufenthaltsraum heraus. Mit beschleunigtem Schritt durchquerten wir die Meute und erreichten sicheren Fußes das Hexenhaus. Dort waren bereits Räumlichkeiten für den Neuankömmling hergerichtet. "Was ist denn mit dem? Warum kommt der mit Häuschen? Hatten seine Leute keine Lust mehr auf ´nen Hund?" frage ich neugierig. "Ich weiß es nicht, hier denkt keiner mit, manchmal könnte ich wirklich … ." Werde ich angeschrieen. "Schrei mich nicht an, ich hab doch nur gefragt. Weiß gar nicht was ich Dir getan hab." "Ich schrei jeden an!." Geifert es weiter. "Mich nicht!" schreie ich zurück, drehe mich um und gehe. Zurück auf dem Innenhof widme ich mich erst einmal dem Streicheln und Bespielen der Hunde. Flauschiges Wuschelfell knuddeln hat halt eine beruhigende Wirkung. Heike kommt hinterher. Sie schreit noch immer. Sie schreit mich an, sie schreit Steven an und jeder andere, der in Reichweite ist, bekommt auch einen ab. "Was ist denn mit der los?" Fragt Steven. Auch ich bin ein wenig in Rage gekommen so dass meine Antwort ein wenig laut und unhöflich ausfällt: "Die ist bekloppt!" so mein kurzes Statement. Dabei schaue ich mehr zu Heike als zu Steven. Wie es so ist wenn man sich streitet verliert das Gespräch recht bald auch den noch so kleinsten Funken sachlichen Inhalt. Irgendwann sage ich: "ich gehe" und das tue ich dann auch.
Ich gehe zu Samira. "Servus, ich bin gekommen um tschüss zu sagen. War ne schöne Zeit, aber jetzt hab ich keine Lust mehr." "Was ist denn passiert?" "Ich möchte es einfach mal zwischenmenschliche Diskrepanzen nennen. Ich lasse mich nicht anschreien und hab auch keine Lust beim "Chef" zu petzen. Ich hab das hier freiwillig gemacht und nun ist es halt vorbei." Im Gespräch mit Samira habe ich den Eindruck dass diese einmal einen Kursus "Psychologie der Konversation" oder so etwas ähnliches besucht hat. Schon bald erzähle ich was geschehen ist obgleich ich das eigentlich nicht wollte. Samira spricht von "Morgenmuffel" und "alles eine Frage der Kommunikation". Bald darauf sitzen Samira, Heike und ich an einem Tisch versammelt, der Fernseher bleibt ausgeschaltet und wir reden. Heike ist halt ausgetickt weil niemand mitdenke. Da werden die Hunde raus gelassen obwohl sie dort mit einem Neuankömmling durch muss. Was ich dafür kann, kann sie mir allerdings auch nicht so genau erklären. Dafür erfahre ich, dass ich es nicht für nötig halte nach dem gemeinsamen Essen mein schmutziges Geschirr in den Geschirrspüler zu räumen. Das stimmt sogar. Das übernimmt Heike. Heikes Sitzplatz ist neben der Maschine. Sie kann sie ein und ausräumen ohne aufzustehen. Ich hingegen sitze vor dem Kühlschrank und kann diesen erreichen ohne mich zu bewegen. Während Heike jetzt mein schmutziges Geschirr einräumt stapele ich "ihre" Margarine zurück in die Kühlung. Ich glaubte immer so etwas hieße Arbeitsteilung und hätte nicht gedacht dass jemand Anstoß daran findet. Ein absolutes "No Go" sei auch wenn ich zu Steven sage: "Geh mal zur Tanke Bier kaufen!" Dass meine Worte dabei völlig aus dem Zusammenhang gerissen werden findet dabei keine Beachtung. Es ist schließlich vollkommen unerheblich dass mich Steven dazu auffordert gemeinsam ein Bier zu trinken und ich ihm antworte, dass er dann an der Tanke eins kaufen müsse. Mein Gott, der Junge ist 16 Jahre. Ja, er hat verdammt viel Scheiße gebaut in seinem Leben. Aber wenn wir mit allen Leuten zu Abend gegessen haben, und nach dem Essen steckt sich so ziemlich jeder eine Zigarette an und Steven darf nicht, wenn er `nen Anschiss kassiert weil er sich am Frühstückstisch `ne Tasse Kaffee einschüttet, wenn ihm erzählt wird, dass Katzenbisse die häufigste Amputationsursache sind. Dann ist das nicht gerade förderlich um ihn zurück auf die rechte Bahn zu lenken. Es fördert lediglich seine ablehnende Haltung gegenüber den Stationsmitarbeitern. Katzenbisse, die häufigste Amputationsursache!! Oh man, für welche geographische Lage und für welchen Zeitraum gilt die Statistik die das belegt? Ich dachte immer Tretmienen seien Nr.1 der Amputationsgründe. Da haben die Katzen aber verdammt aufgeholt. Dass da was faul ist, merkt sogar Steven, der Junge kommt nämlich von der Strasse und Desinfektionsmittel kennt der nur aus Emergency Room. Kein Wunder dass er sich bei mir ausheult und bemerkt ich sei der Einzig normale in dem Laden. Warum ich mich letzten Endes doch zum Bleiben habe überreden lassen weiß ich heute auch nicht mehr, und rückwirkend würde ich behaupten es war ein Fehler.
Die Bewohner des Aufwachraumes wechselten mittlerweile zum dritten Mal. Zwischenzeitlich wurde auch meine Foxi integriert. Meine Foxi! So ein liebes Tier. Foxi ist ein Schäferhund-Mix. Bei dem Versuch über einen Zaun zu klettern hat sie sich eine gut 10 cm lange Wunde unter Ihrem rechten Schulterblatt zugezogen und wurde zur Operation hier her gebracht. Vorher bewohnte sie eine andere Auffangstation aber dort gab es nicht die technischen Möglichkeiten das Tier zu behandeln. Foxi war bei Ihrer Ankunft bereits entwurmt und geimpft. Eine Quarantäne Haltung wäre eigentlich überflüssig gewesen. Aber wie will man einem Hund erklären dass er sein Beinchen nicht bewegen darf wenn er mit 20 anderen Hunden auf einem Hof herumläuft? Also wurde Foxi ein Fall für den Aufwachraum. Nach 5 Tagen Einzelhaft wurde sie dann integriert. Integrieren ist ein lustiges Spiel das bei allen Mitarbeitern die Nervenstränge blank legt. Eigentlich ist damit nichts anderes gemeint als einen Hund mit einem bestehenden Rudel anzufreunden. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Oder sagen wir es besser so, es wird recht kompliziert gemacht. Zuerst darf der "Neue" auf den Hof und sich ein wenig umschauen. Alle verfügbaren Kräfte werden mit einer Flasche Welpenwasser (Stilles Mineralwasser da normales Wasser angeblich Durchfall verursacht) ausgestattet und stehen auf dem Hof. In ständiger Bereitschaft zwei Zankäpfeln die Brühe übers Hirn zu gießen. Jetzt kommen nach und nach die anderen dazu. Meistens passiert überhaupt nichts. Manchmal können sich zwei Kameraden aber auch nicht riechen. Dann übergießt man sie mit 19 Cent teurem Mineralwasser. Ich scherzte immer wenn eine neue Ladung ankam: "Ah, habt Ihr wider Gerolsteiner für die Hunde gekauft." Manchmal mögen sich zwei Kollegen aber auch besonders gerne und beginnen augenblicklich ausgelassen miteinander zu spielen. Sie jagen einander nach, bellen, knurren und überschlagen sich in Ihrem Spiel. Wenn es dann keine erfahrenen ehrenamtlichen Mitarbeiter gibt die den jungen Tierarzthelferinnen, die selbst nie einen eigenen Hund besessen haben, erklären das die nur spielen bekommen sie auch ne Flasche Wasser übers Hirn gekippt. Wenn man dann etwa 2 Stunden das Geschehen beobachtet hat und kein Blut geflossen ist, darf man die Flasche wieder aus der Hand stellen. Ich kenne die Methode Hunde mit Wasser zu trennen. Auf diversen Wagenplätzen die ich besucht habe nahm man einfach einen herumstehenden Wassernapf. In anderen Tierheimen auch einen Schlauch. Dass Hunde mit Mineralwasser getrennt werden, hab ich so noch nirgends gesehen. Ich frage nach: "Kann man da nicht auch normales Leitungswasser nehmen?" "Ja, doch aber das muss man dann ja erst umfüllen so ist doch viel praktischer." "Und teurer!" "Meine Güte, das sind 19 Cent" "Richtig, 19 Cent mal ca. 36 Flaschen die inklusive Welpenwasser hier in der letzten Woche benötigt wurden. Wenn ich das aufs Jahr hoch rechne kommt da ganz schön was zusammen. Mein Vorschlag das Welpenwasser einfach abzukochen wurde ja auch als zu umständlich verworfen. Foxi verträgt sich jedenfalls mit allen. Aber, Foxi kann über Zäune klettern. Da ist sie ein wahrer Meister drin. Kaum ist das Tier unbeaufsichtigt integriert sie sich selbstständig bei Richie und seinen Freunden. Niemand weiß wie lange sie schon da war, aber als ihre Anwesenheit im falschen Auslauf bemerkt wurde, wurde sie panisch wieder zurück verfrachtet. Aber nicht für lange, den Foxi kann über Zäune klettern. Ich schlage vor sie einfach da zu lassen wenn es ihr dort besser gefällt. Aber das geht ja nicht, der Hund kann sich ja schließlich nicht aussuchen wo er hin möchte. Nach zwei Tagen des Zaunkletterns darf Foxi dann doch da bleiben. Wir beschließen, sie beim durchschreiten des Tores einfach zu fragen ob sie mit möchte. Dann schont sie Ihr Bein und klettert wenigstens nicht.
Am 14.11.2010 gehen wir wie so häufig in gemeinschaft Gassi. Schließlich wollen die Tiere auch mal was anderes sehen.

Bild: animalpardnet Betriebsausflug

Wir waren gerade außer Sichtweite der Station als Steven plötzlich bemerk dass uns da jemand folgt. Die einzige Festangestellte Mitarbeiterin trägt die Verantwortung und gerät in Panik. "Hat mal wer ein Leckerchen?" Ich überreiche den gewünschten Leckebissen. Katarina rennt hinter dem Hund her: "Foxi, Foxi!" Das Tier findet Gefallen an dem lustigen "Nachlaufen" Spiel und Katarina verfällt mehr und mehr in Panik. Wenn die wüsste dass Foxi mit mir immer ohne Leine gegangen ist. Was soll hier schon passieren und das Tier ist ja lieb. Ich rufe meinen Pflegehund und Katarina beruhigt sich als ich sie am Halsband festhalte. Jetzt hatten wir einen Hund mehr als wir Leute waren. Katarina dirigiert: "Wir gehen einfach im Abstand von 5 Metern hintereinander, damit sich die Leinen nicht verfangen können." Eine tolle Idee, der Hund der vorne ist, will zurück um mit seinem Kumpel zu spielen, der der hinten ist will nach vorne, weil auch er mit seinem Kumpel spielen möchte und der in der Mitte kann sich nicht entscheiden und rennt ständig hin und her. Steven hält zwei Hunde. Die Leinen verfangen sich. Augenblicklich beginnt er die Sache zu entwirren. Dennoch wird er angemosert er solle gefälligst aufpassen. Langsam aber sicher verstehe ich den Unterschied zwischen mir und Steven. Ich kann gehen wenn es mir zu bunt wird, der Junge ist den Launen des weiblichen Personals voll und ganz ausgesetzt.
Am nächsten Morgen, ich lade gerade meine Tiere in den Wagen um zur "Arbeit" zu gehen, höre ich eigenartige Geräusche. Ich bin mir nicht sicher, aber es hört sich an wie Welpenwinseln. Anstatt Richtung Station zu gehen folge ich den Tönen. Katarina kommt mir entgegen. "Wo willst du den hin?" "Na hör doch mal." "Das sind irgendwelche Vögel." "Ich geh lieber mal nachschauen!" Knapp hundert Meter vom Stationstor entfernt wimmert es aus einem Pappkarton. Ich blicke hinein, ein ca. 6 Wochen altes Hundetier, durchgefroren, hungrig und allein. Nach all der Staupe-Panik habe ich Angst den Winzling anzufassen. Ich lasse ihn im Karton und trage ihn hinein. Seine vorübergehende Heimat wird eine der großen Transportboxen. Zwei Tage muss er dort in strengster Quarantäne verbringen. Dann bezieht er einen der tristen gefliesten Räume da ein zweites Hundekind von Touristen vorbeigebracht wird. Mir tun beide leid. Staupe, Herzwurm, Räude, Einsamkeit! Welche dieser Krankheiten ist wohl die schlimmste? Zwei Hundebabys, im gleichen Alter. Zwei kleine ungeimpfte, eventuell kranke Geschöpfe. Ich würde das Risiko eingehen, dass sie sich gegenseitig infizieren. Ich würde sie nicht in Einzelhaft sperren. In einem Buch über Hunde das ich besitze steht geschrieben:
… Nun, in den allerersten Lebenswochen von Hunden findet ein ganz besonderes Lernen statt, die so genannte Prägung. Welpen, die mit ihren Geschwistern bei Ihrer Mutter aufwachsen, erfahren dadurch eine erste Prägung auf Artgenossen. Wenn sie in dieser Zeit jedoch nicht ausreichend Kontakt zu Menschen haben, bleibt die Prägung auf Menschen aus. Prekärerweise lässt sich diese Prägung weder rückgängig machen noch nachholen. Das unterscheidet sie vom späteren lernen."

Einige Kapitel später lese ich:
Hunde haben keine angeborene Beißhemmung. Sie entwickeln sie, indem sie ohne Hemmungen auf Ihre Geschwister los beißen, diese natürlich sofort und ohne Hemmungen zurückzwacken und sie auf diese Weise feststellen: "Komisch, wenn ich einen anderen beiße, tut mir das immer gleich so weh…"

Aus dem Buch: Lassie, Rex & Co. Von Dr. Felicia Rehage und Eiko Weigand
Wenn ich diese Worte als gegeben hinnehme, und das ist eine weitläufig verbreitete Anschauungsweise, beschütze ich die kleinen zwar vor Krankheiten, aber ich züchte mir gleichzeitig tierische Problemfälle. Einen Tierheimhund eben! Selbstverständlich äußere ich meine Anschauungsweise zu dem Thema. Samira sagt: "Du verstehst es immer noch nicht, wir können uns hier keine Zwischenfälle leisten. Die Kleinen sollen so schnell wie möglich hier raus."
Noch 4 tote Hundekinder finde ich am Vormittag des 14.11.2010. Sie alle weisen deutliche Bissverletzungen auf. Wahrscheinlich wurden sie in der Nacht Opfer von Schakalen. Nach dieser Aufregung fotografiere ich Foxi und das Tor über welches sie geklettert ist. Auf dem Bild erkennt man den eilig angefertigten "Kletter-nicht-drüber" den ich mit Berti gebaut habe. Glücklicherweise gelang es uns Katarina davon zu überzeugen, dass es keine gute Idee sei Foxi an die Kette zu legen.

Bild: animalpardnet Eingangspforte

Auch gut zu erkennen: Das bescheidene Privatfahrzeug der Stationsleitung. Ob es von Spendengeldern finanziert wurde? Mittlerweile ist auch Stella, die Höhlenhündin, integriert und erfreut sich Ihres Ausgangs.

Bild: animalpardnet; Stella, Hund mit Staupe?

Keine Staupe, Entwarnung für meine Quarantänehose. Ich hatte den Namen "Höhli" vorgeschlagen, aber er wurde mit den Worten: "Wir können die Hunde ja nicht nach Ihren Krankheiten benennen" abgelehnt. Hier gibt es einen Omnibus, einen Lamy ein Collie Mix der ohne Kniescheiben auf die Welt kam und seinen Namen bestimmt nicht von ungefähr hat und einen Pils. Auch er trägt den Namen sicherlich nicht weil er mit Flöhen eingeliefert wurde. Abermals einen Tag später muss Nicie "geschossen" werden. Ihr erinnert euch? Nicie ist die süße Hündin die sich nicht anfassen lässt. Sie hat einige Pfunde zugelegt und Ihr Halsband droht einzuwachsen. Niemand hier ist in der Lage das Tier einzufangen um die Halsung zu entfernen. Also wird sie mit dem Blasrohr geschossen. Das Blasrohr ist ein etwa 1,5m langes Aluminiumrohr an dessen Ende ein Mundstück angebracht ist. Der Betäubungspfeil besteht aus einem Kunststoffschaft in dessen Inneren sich das Betäubungsmittel befindet. Die Injektionsnadel an der Spitze hat Ihre Öffnung nicht vorne, wie übliche Spritzen sondern seitlich. Ein Gummiring der über die Spitze geschoben wird dichtet dieses Loch ab. Dringt die Nadel nun in das Fleisch des zu betäubenden Tieres ein, schiebt sich dieser Ring zurück und das unter Druck stehende Betäubungsmittel wird injiziert. Am Ende hat der Pfeil noch einige Fäden um Ihn im Rohr sicher zu führen. Nico ist treffsicher und ich bin wieder einmal überrascht wie schnell diese Mittel wirken. Noch ein oder zwei Runden läuft das verängstigte Tier im Aufenthaltsraum umher, dann bricht es in sich zusammen, der Pfeil wird entfernt und Nicie auf den OP Tisch getragen. "Atme, Atme …. Hey Mädel, mach keinen Scheiß." Nicie bekommt die Betäubung nicht, Ihre Atmung ist ungleichmäßig, flach und setzt immer wieder aus. Ähnlich wie bei der Mund zu Mund Beatmung bekommt sie bei Atemaussetzern eine "Pressmassage" ihres Brustkorbes. Nur dass ihr niemand in die Schnauze pustet. Stattdessen bekommt sie eine Akupunkturnadel in die Nase gepiekst. Mein Riechorgan schmerzte schon beim bloßen Anblick. Hunde haben doch in der Mitte ihrer kalten Nase so eine Art Hasenscharte und genau da rein wurde diese Nadel gepiekst. Es sah unheimlich schmerzhaft aus. Soll aber die Atmung stimulieren wie ich erfuhr. Ich beobachtete die lebenswichtige Luftinhalation und kommentierte jeden Atmzug mit einem "wackelt" während die Anderen das Halsband los schnitten. Wund gescheuertes Fleisch kam zum Vorschein und eine Strangulationsnarbe die sich rund um Nicies Hals erstreckte. Glücklicherweise war das Band noch nicht eingewachsen, aber viel fehlte nicht mehr. Da die Betäubung noch anhält wurde noch rasch geimpft und der Zahnstein entfernt.
Etwa jetzt kommt mir der Verdacht auf, dass eine Mobbing Aktion gegen meine Person vorangetrieben wird. Samira befindet sich im "Heimaturlaub" so dass die Mädels ungestraft auf mir herumhacken können. Bereits seit einigen Tagen wunder ich mich darüber dass ich beim Wäsche waschen immer wieder in Hundehaufen greife. Anfänglich waren die Decken zwar vollgepinkelt aber fäkale Ausscheidungen waren entfernt worden bevor sie zu der Schmutzwäsche gelegt wurden. Seit neuestem greife ich immer wieder in einen Haufen wenn ich die Maschinen einräume. Auch bin ich plötzlich nicht mehr in der Lage das Waschmittel in die richtige Öffnung zu kippen. "Da kommt der Weichspüler rein!" belehrt mich Heike. Eine Maschine später, ich kippe die Waschsubstanz in die andere Kammer, belehrt mich Katarina: "Warum auf einmal da? Du hast das doch immer hier herein geschüttet." Von mir zubereitete Fischfilets waren plötzlich mit Brühwürfel versalzen, obgleich ich sie nicht damit gewürzt hatte. Akribisch wird der Missetäter gesucht, da hilft es auch nicht dass ich sage: "Da ist kein Brühwürfel dran, ich stand die ganze Zeit am Herd." Wenn ich mich zu Niki und Jack geselle um Ihnen die Angst vor Menschen zu nehmen in dem ich sie aus der Hand füttre heißt es plötzlich: "Gib denen nicht so viele Leckerchen, die werden zu dick! Haste ja gesehen was da passiert." Früher wurden meine Versuche nur belächelt. Da nützte es auch nichts dass ich vorweisen konnte Nicki die Lefze kraulen zu können wenn sie den Leckerbissen haben will. Aber dass mir Inkompetenz in jeder Beziehung unterstellt wird war ich ja bereits gewohnt. Die Hunde fürchten sich sogar wenn ich den Arbeitsauftrag "bespielen" durchführe indem Steven und ich mit einen Lederfußball kicken. "Die haben auch Angst vor Gewitter, Ihr bringt hier zu viel Unruhe rein," heißt es dann.
Seit Barbara und Harald eingetroffen sind gibt es "freie Tage". Ich habe mich für Montags in die Liste eingetragen. Den Vormittag verbrachte ich mit meinen Tieren in der Stadt und auf dem Weg dorthin. Abends wollte ich, so wie es üblich ist, meine Mahlzeit mit den Anderen im Pausenraum der Station einnehmen. "Du bekommst heute nichts, hast ja nicht gearbeitet," erklärt mir Heike. "Das sag ich Dir am Mittwoch, wenn Du Deinen freien Tag hast." Erwidre ich und muss mir anhören: "Bei mir ist das was anderes, ich hab ein anderes Paket gebucht. Mit Vollpension und Taschengeld." Mir fällt nichts mehr ein, ich setzte mich, und lasse mir von Berti den Teller voll schaufeln.
Trotz aller zwischenmenschlichen Differenzen werde ich eingeladen die Mittagspause in Gemeinschaft mit den Anderen zu verbringen. Mit dem voll besetzten Stationsfahrzeug geht es nach Vovoru.

Bild: animalpardnet, Ausflug nach Vovoru

Die dritte Autofahrt meiner Tiere. Gerade Schecki fürchtet sich sehr. Aber nicht nur Schecki, auch mir wird bei Geschwindigkeiten von 140 km/h auf der Landstrasse übel. Wir gehen am Strand entlang, Möffi findet einen toten Fisch und beginnt gleich selbigen zu verspeisen. "Pfui, Aus." Möffi reagiert nicht. Ich werfe den Ball, den ich gerade in den Händen halte. Möff lässt den Fisch fallen. "Feine Möffi, braver Hund." Ich lobe mein Tier und beginne den Ball wieder aus dem Wasser zu angeln. Alle gehen weiter. Nein, nicht alle. Steven hilft mir. Er scheint hier nicht nur der einzige mit Vorstrafen zu sein sondern auch der einzige mit Benehmen. Nach etwa 30 Minuten wollen wir zurückfahren. Schecki, der die ganze Zeit mehr oder weniger gut gehört hat, sieht nun das Auto und nimmt Reißaus. Ich bekomme ihn nicht eingefangen. Ich entferne mich ein Stück, damit das Tier die Verbindung herkommen = Autofahren verliert. Schon ruft es hinter mir her: "Wo bleibst Du? Wir wollen los! Ich sag Dir immer Du musst den an der Leine halten, der hört ja nicht." Ich wäre am liebsten zu Fuß gegangen.
Am Abend, ich beschäftigte mich gerade mit Motte, meinem Findelkind in Einzelhaft

Bild: animalpardnet Welpenpflege

klopfte es an das Fenster des Quarantäneraumes. "Die Waschmaschine pumpt nicht ab, kannst Du da mal nach schauen?" "Ja, gleich. Ich muss noch mit Motte spielen, bin gerade in Virenschutzbekleidung." Ich bin zu blöde da Waschmittel reinzukippen, aber reparieren soll ich sie! Ich nahm mir Zeit, das kleine Tier sieht eh nur 3 Mal am Tag `nen Menschen für 20Minuten. Wenn ich komme dauert das aber 40. Irgendwann ging ich dennoch. Nur 3 Meter Luftlinie von Motte entfernt sitzt Rino, ebenfalls in Einzelhaft.

Bild: animalpardnet; Welpe in Einzelhaft

Ich verstehe es einfach nicht.
Der Defekt an der Waschmaschine war schnell gefunden, es war der gleiche wie immer. Ein verstopftes Flusensieb. Vorsichtig ließ ich das Wasser ab und schüttete es in einen bereitgestellten Eimer. Als ich damit fertig war machte ich eine falsche Bewegung und verschüttete die Brühe in der Futterküche. Ich war gerade dabei die Sauerei mit dem Wischmopp zu beseitigen als Heike herein kam. "Was ist den hier passiert?" "Hab den Eimer umgetreten." Verständnisvoll antwortete es. "So etwas ist mir auch schon passiert, wischst Du weg, und dann noch mal mit klarem Wasser und `nem Schuss Melsept durchwischen, dann ist alles wider OK." Melsept, Silikonfugenkiller! Wohlgemerkt, wir sprechen hier von dem Wasser das eine Waschmaschine abpumpt wenn sie beschließt die Wäsche sei sauber.
Am Nachmittag des nächsten Tages gehe ich mit Rico und Gypsie spazieren. Wie jeden Tag verfrachte ich Richie und seine Freunde von dem einen in den anderen Auslauf um den Durchgang frei zu bekommen. Als ich zurückkehre war es bereits dunkel. Ich schließe das Tor auf und betrete die Station. Augenblicklich beginnt eine Beißerei. Richie ist irgendwie von dem einen, in den anderen Auslauf gelangt und prügelt sich nun mit Rico einem ausgewachsenen Schäferhundverschnitt den ich an der Leine habe. Irgendwie gelingt es mir die beiden an ihren Halsungen zu fassen zu bekommen. Ich halte sie auseinander, den einen am rechten und den anderen am linken Arm. Aber bei zwei Kraftpaketen wie diesen halte ich nicht lange durch. "Hilfe, Hilfe!" Harald eilt heran und sucht nach Wasser. "Nun schnapp dir einen, ich hab sie am Halsband." Während Harald noch überlegt schwinden meine Kräfte. Die Hunde gelangen zueinander und beißen wild aufeinander los. Auch ich bekomme einen ab. Ich bin schon häufig gebissen worden, in die Hände, die Arme, die Beine. Aber noch nie in meinen Bauch.

Bild: animalpardnet; Bisswunde

Ok, ich denke nicht, dass ich daran verbluten muss. Dann gelingt es uns die Tiere zu trennen. Ricos Wunden werden medizinisch versorgt und ich frage wer Richie raus gelassen hat. Niemand will es gewesen sein. "Der muss geklettert sein." Dass Hunde Verhaltensweisen voneinander abschauen weiß ich und so glaube ich die Geschichte erst einmal. Zweifel kommen mir erst am nächsten Tag. Diesmal hatte ich Richie vorsorglich angeleint während ich mit meinen zwei Schützlingen unterwegs war damit er nicht wider klettert. Rico schnüffelt an einem Bäumchen. Ich rufe Ihn aber er hört nicht. Also zupfe ich an der Leine. Schon hatte ich diese inklusive Ricos Halsung in der Hand. Jetzt heiße ich nicht Katarina und gerate nicht in Panik. Ich gehe zu dem Tier und Leine es einfach wieder an. Aber warum konnte das Halsband über Ricos Kopf rutschen? Ich schaue es mir an. Deutlich ist eine Druckstelle im Halsband zu erkennen, genau da wo einstmals der Verschluss auf das Leder drückte. Jetzt drückt der Verschluss auf eine Stelle die keine Abnutzungserscheinungen aufweist. Irgendwie muss sich die Halsung über Nacht 2 Löcher weiter gestellt haben. War es Gipsie? War es Zufall? Oder war es Mobbing der auf dem Rücken der Tiere ausgetragen wird? Am Nachmittag fragt mich Barbara: " Weißt Du warum ich immer noch nen Schutzanzug anziehen muss wenn ich Horst, Knirps und Bambino in ihr Zimmer bringe? Ich denke die sind gesund, schließlich spielen sie mit den anderen auf dem Hof." "Nein, weiß ich nicht, aber frag doch mal nach. Wenn ich das tue bin ich wider blöd. Ach ja, und sag mir was dir mitgeteilt wurde." Etwas später erfahre ich: "Das ist ne reine Vorsichtsmaßnahme falls irgendwo Scheiße an den Pfoten klebt." In meinen Augen hat das nichts mit Vorsicht zu tun, es ist einfach nur zeitaufwändig und dämlich. Die scheißen auf den gleichen Hof, schnüffeln sich gegenseitig am Arsch aber werden immer noch in Schutzbekleidung in Ihr Zimmer getragen.
Am 17. und 18. November 2010 arbeite ich recht wenig mit den Tieren. Es müssen einige Schweißarbeiten durchgeführt werden und, obgleich ich wahrlich kein Meister in der Bedienung eines Elektroschweißgerätes bin kann ich es anscheinend immer noch am besten. Ich repariere die Abdeckungen der in den Beton eingelassenen Regenablaufrinnen und Hoftore.

Bild: animalpardnet; Schweißarbeiten

Am frühen Abend des 18. beende ich diese Arbeiten, räume die Gerätschaften auf Ihren Platz und betrete den Aufenthaltsraum um mir einen Kaffee einzuschenken. Es ist kurz nach 19 Uhr und niemand kocht. Ich beschließe diese Aufgabe zu übernehmen. Ich entscheide mich für Apfelpfannkuchen. Die kann ich gut und sie schmecken eigentlich jedem. Gegen halb 8 liegen die ersten Kuchen gestapelt auf einem Teller. Die ersten hungrigen Mäuler treffen ein. Doch anstatt sich über die kulinarische Köstlichkeit zu freuen erhalte ich einen Anschiss. "Wir waren extra auf dem Markt einkaufen … Alles eine Frage der Kommunikation … Nix gegen dich, aber abends brauch ich was Vernünftiges … halb 8 und nix ist fertig." Nix ist fertig?? Da liegt das Essen, pünktlich und verzehrfertig! "Wie lange brauchst du noch? Wir haben Hunger!" Stinksauer verlasse ich die Küche, stopfe mir zwei Pfannkuchen in die Backen und verlasse das Gelände. Endgültig!

Interessant ist eventuell noch, dass ich bis heute (der 28. Dezember 2010) auf die Ausstellung der Impfpapiere meiner Hunde warte. Beschaffungsschwierigkeiten oder Mobbing?

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Bei mamaleone für die Verlinkung meiner Reiseberichte. Sie schreibt im Forum zur HP und Blogt auf leben-in-italien über ihre Erfahrungen als Italienauswanderer.



Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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